Rita und Gangolf Hübinger
: Professoren der Viadrina stellen in Heidelberg und München Max-Weber-Forschung vor

In Frankfurt (Oder) haben Rita Aldenhoff-Hübinger und Gangolf Hübinger mit an den 47 Bänden der Max-Weber-Gesamtausgabe gearbeitet.
Von
Ralf Loock
Frankfurt (Oder)
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Geschafft: Prof. Dr. Rita Aldenhoff-Hübinger und Prof. Dr. Gangolf Hübinger präsentieren in ihrer Frankfurter Wohnung die Max-Weber-Gesamtausgabe. Der abschließende 47. Band ist bereits gedruckt.

Heide Fest

Ist diese doch durch die jahrzehntelangen Arbeiten der Viadrina-Professoren Rita Aldenhoff-Hübinger und Gangolf Hübinger quasi ein Hotspot der Max-Weber-Forschung geworden. So wird er am Montag an der Universität Heidelberg, wo Max Weber einst jahrzehntelang lebte und lehrte, den Festvortrag halten. Dieser wird corona-bedingt aufgezeichnet und in einigen Tagen online gestellt, abends leitet er dann das Symposium mit drei Experten für Webers Biographie und Gesamtwerk: Zu Gast sind die Soziologen Prof. Dirk Kaesler (Marburg) und Prof. Wolfgang Schluchter (Heidelberg) sowie der Journalist Jürgen Kaube. Unterdessen wird Rita Aldenhoff-Hübinger fast zeitgleich Max Webers Reisebriefe in der bayerischen Akademie der Wissenschaften vorstellen.

Wer das Forscher-Ehepaar in Frankfurt besucht, entdeckt in deren guten Stube eine gewaltige blaue Bücherreihe – die auf 47 Bände konzipierte Max-Weber-Gesamtausgabe. Gangolf Hübinger gehört zusammen mit Wolfgang Schluchter zum Herausgebergremium. „Der 47. Band ist gedruckt, wir erwarten ihn täglich mit der Post“, berichtet der 69-Jährige.

Rund zehn Bände haben Rita Aldenhoff-Hübinger und Gangolf Hübinger dabei bearbeitet und herausgegeben. Die Edition kann damit in diesem Sommer nach 45-jähriger Arbeit abgeschlossen werden. Wie fühlt man sich, wenn eine solche Lebensaufgabe vollendet ist? „Es ist auf jeden Fall Erleichterung“, antwortet er. Wichtig sei ihm dabei auch der Stolz, dass man das Projekt in der Tat habe erfolgreich vollenden können, denn etliche vergleichbare Editionen werden still und leise eingestellt. Max Weber kam als 18-Jähriger für drei Semester zum Jurastudium an die Uni Heidelberg. Neben seinem eigentlichen Studienfach hörte er auch Vorlesungen in Geschichte, Nationalökonomie und Philosophie. Nach seiner Habilitation 1891 und Stationen in Berlin und Freiburg übernahm er 1897 an der Universität Heidelberg die Professur für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft. Dabei war Weber nicht nur Forscher, der überzeugte Reserve-Offizier bezog auch inhaltlich Position durch sein Engagement im Verein für Socialpolitik sowie im Alldeutschen Verband und im Deutschen Ostmarken-Verein.

Webers Erfahrungsraum war die Zeit von 1900 bis 1920 – der Übergang von der Bismarck-Ära über das Wilhelminische Kaiserreich bis zur revolutionären Umwandlung in die Weimarer Republik. „Kaum Zweifel gab es, dass die ,Nation‘ als obersten Kulturwert und verbindliche Ordnungsidee anzuerkennen. Deutschland im Kreis der imperialistischen Mächte zur weltpolitischen Geltung zu verhelfen stand für das liberale wie konservative Bürgertum außer Frage“, schreibt Gangolf Hübinger in seiner 2019 erschienenen Aufsatzsammlung „Max Weber. Stationen und Impulse einer intellektuellen Biographie“.

Wer sich nun im Oderland für Max Weber interessiert, muss nicht nach Heidelberg oder München reisen. So wird im Oktober Rita Aldenhoff-Hübinger in einer Frankfurter Bibliothek die zweibändige Edition der Gelehrten- und Reisebriefe vorstellen. Und Ende Oktober gibt es an der Viadrina ein Kolloquium „Geschichte denken mit Max Weber“.