Vier Jahre lang war sie selbst Mitglied in der XXL-Selbsthilfegruppe im Haus der Begegnung. Dann wurde Helga Specht gefragt, ob sie helfen könnte, im Rahmen der Jungen Selbsthilfe Frankfurt (Jusefo) die Gruppe "Junge XXL-Power" ins Laufen zu bringen. Als gelernte Erzieherin hatte sie Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen.
Ursprünglich stammt Specht aus Bautzen. Nach genehmigter Ausreise war sie ab 1983 in Berlin-Kreuzberg in Horten und Kitas tätig, später als Sozialarbeiterin beim CVJM in Seelow. Wobei die Mitglieder der jungen Selbsthilfegruppe dann doch nicht mehr so jung sind. "Bis etwa 45 Jahren kann man zu den jungen Gruppen stoßen", lächelt sie.
Nötig sei die Jusefo geworden, weil sich die Jungen allein nicht so strukturieren konnten, um eine eigene Selbsthilfegruppe zu leiten. Zu ihnen zählen auch die Gruppe "Sonnenaufgang", die sich um junge Menschen mit Depressionen und Ängsten vereint und die Gruppe "Jung und Abstinent", die beide von Freiwilligen geleitet werden.
Nach mehreren Jahren arbeitet Helga Specht nun daran, ihren Nachfolger für die Gruppenleitung "Junge XXL-Power" einzuarbeiten. Wie gravierend das Übergewicht den Alltag einschränken kann, weiß sie nur zu gut. Dabei geht es gar nicht um körperliche Anstrengung. "Es ist schon erstaunlich, wie respektlos Menschen miteinander umgehen können", findet die Ruheständlerin. "Wenn man sich lange nicht gesehen hat, wird man gern mal mit der Feststellung begrüßt, man habe ja ganz schön zugenommen", so ihre Erfahrung.
Dabei haben die zu vielen Kilos oft noch andere Gründe als nur zu viel zu essen. Krankheiten und Medikamente spielen oft eine Rolle. Der Austausch von Erfahrungen, gesunde Ernährung und Tipps, welche Mediziner vielleicht helfen können, sind Themen der Gruppe. "Wir sind aber keine Weight Watchers-Gruppe und die Waage ist bei uns kein Drohmittel im Hintergrund", stellt Helga Specht klar. Corona habe viele Gruppenmitglieder aus dem Rhythmus gebracht. "Letzten Montag war das erste Zusammentreffen nach langer Zeit und es war nur die Hälfte da", bedauert sie.
Auch die Bewegung am Sonnabend konnte nicht stattfinden. Zwar wurde während der letzten Monate Kontakt per Whatsapp gehalten, persönlich lassen sich Sorgen und Probleme aber besser besprechen.

Über 60 Selbsthilfegruppen im Haus der Begegnung

Für das Haus der Begegnung, in dem über 60 Gruppen ihre Selbsthilfearbeit machen, hat Specht nur lobende Worte übrig. "Es ist toll, dass es so ein Haus überhaupt gibt und auch die Menschen machen eine tolle Arbeit. So viele Gruppen müssen auch koordiniert werden." Ihre Gruppe "Junge XXL-Power" ist jeden zweiten und vierten Montag ab 16 Uhr. "Jeder, der mitmachen will, ist herzlich willkommen, einfach vorbeizukommen", so Helga Specht. Ebenfalls als Ehrenamtliche hat sie nun noch eine zweite Gruppe gegründet, die sich an Menschen wendet, die psychische Probleme durch Erschöpfung oder Burnout haben. "Wir haben festgestellt, dass es dafür auch einen Bedarf gibt, etwa wenn Familienangehörige gepflegt werden. Oder durch stressige Arbeitssituationen." Auch diese Gruppe kommt jeden zweiten und vierten Montag im Monat zusammen – jeweils um 10 Uhr.