Martin Schieck ist im Oderbruch groß geworden, das Abitur hat er in Bad Freienwalde gemacht. Für den weiteren Werdegang von großer Bedeutung war ein Geschichtslehrer, Richard Krüger. "Er konnte sein Fach auf sehr lebendige Art vermitteln, mich hat das nie wieder losgelassen", erzählt er. Das sei auch etwas, worin er immer wieder dazu gelernt habe: Geschichte so interessant zu verpacken, dass sie andere begeistert. "Geschichte ist wichtig für die Identität, für die Wurzeln, die jeder Mensch braucht".

Seit 1982 am Museum

1972 begann Martin Schieck mit seinem Geschichtsstudium. Nach vier Jahren an der HU Berlin schloss er mit einer Arbeit über einen Vertrag zwischen Deutschland und Polen nach dem Ersten Weltkrieg ab. Anschließend kam er – über eine kurze Zwischenstation in Rostock – zunächst zur Stadtverwaltung nach Frankfurt. 1982 wurde dann eine Stelle im Bezirksmuseum frei. Dort war Schieck als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig, später wurde er stellvertretender Direktor. Leiter war er offiziell erst seit 2017. Doch eigentlich lenkte er gut drei Jahrzehnte lang – ob stellvertretend, amtierend oder kommissarisch – die Geschicke der Einrichtung.
Seit 1957 ist das Museum bereits im Junkerhaus untergebracht. Als zentrale Einrichtung des Bezirkes hatte es damals vor allem eine anleitende Funktion für die kleineren Kreis- oder Heimatmuseen, erklärt Schieck. Als er im Museum begann, nahm gerade die Urgeschichte breiten Raum ein. 1986 folgte eine Ausstellung über die NS-Zeit im Bezirk – dann schloss die Bauaufsicht das Junkerhaus. Teile der Stuckdecken fielen herunter und gefährdeten Besucher. Es sollte Jahre dauern, bis das Haus vollständig saniert war. Das Dach wurde noch zu DDR-Zeiten erneuert, dann kam die Wende. "Mal stand Fördergeld bereit, aber die Planung war noch nicht so weit. Dann war die Planung da, aber wir mussten auf die Fördermittel warten", erinnert er sich. Die Sicherung und Sanierung des alten Gebäudes  war technisch anspruchsvoll. Ausstellungen gab es nach 1990 dennoch viele, als Ausweichort diente meist die Marienkirche. Trotz des Baus blieb das Museum präsent.
2003 war das wohl wichtigste Jahr im Berufsleben von Martin Schieck. Die Stadt feierte 750. Geburtstag,  das Junkerhaus öffnete mit einer neuen Dauerausstellung wieder für Besucher. "Mein größter Kraftakt", sagt er – die Ausstellung kam hervorragend an.
Mit seinen Kollegen aber auch Partnern wie dem Stadtarchiv, dem Kleist-Museum, der Viadrina oder der Kirchengemeinde rückte Schieck viele Themen aus der reichen Stadtgeschichte (wieder) ins öffentliche Bewusstsein. Die Universitätsgeschichte gehört unbedingt dazu, aber auch das Zeitalter der Reformation, die Stadt im 1. Weltkrieg oder die bedeutende Rolle, die Frankfurt nach 1945 zukam, als Millionen Heimkehrer in Gronenfelde in die Freiheit entlassen wurden; es ist ein Schwerpunkt der erst im Mai eröffneten Sonderausstellung. Das Thema soll in der dem Museum angegliederten Gedenkstätte in der Collegienstraße künftig noch stärker in den Fokus rücken.
Beispielgebend war auch seine Engagement für Kinder und Jugendliche. Er bezeichnet es zwar selbst als "wunden Punkt, dass es mir nicht gelungen ist, in all den Jahren eine museumspädagogische Stelle zu schaffen. Die ist bitter nötig." Doch den Mangel verstand er immer auch als Ansporn, die Sache dann eben selbst in die Hand zu nehmen. Zum Beispiel mit einer Küche aus Uromas Zeiten, die Alltagsleben um 1900 erlebbar macht; einer der Renner des Museums. "Sozialgeschichte zum Anfassen – das hat sich hervorragend bewährt", sagt Schieck.
Es gäbe noch viel mehr zu erzählen: über die 30 hebräischen Drucke aus dem Frankfurt des 17. und 18. Jahrhundert beispielsweise, die er – ohne Ankaufetat aber dank treuer Sponsoren – zurück in die Stadt holte. Über das Frankfurt-Jahrbuch, das er seit 1995 mit herausgegeben hat. Seine Mitgliedschaft im Historischen Verein. Die historische Musikinstrumenten-Sammlung von Berol Reka. Oder über sein Bemühen um gute Depotbedingungen – eine unendliche Geschichte. Mehrfach zogen die Bestände um. "Als Mitarbeiter in einem Museum ist man immer auch Möbelpacker", scherzt Schieck. Am heutigen Standort im Süden der Stadt sind die Regale auf 1500 Quadratmetern bis unter die Decke gefüllt. Mehr als 100 000 Objekte bewahrt das Museum auf.

Nachfolger steht schon fest

Als eine wichtige künftige Aufgabe für das Museum sieht Martin Schieck die Einbindung der Geschichte Słubices seit 1945. "Ich habe das nicht mehr schaffen können. Doch dem muss man sich stellen", ist er überzeugt. Auch eine Integration der Frankfurter Sportgeschichte in die Dauerausstellung stehe noch aus.
Ein Nachfolger ist bereits gefunden, die Stadtverordneten bestätigten Tim Müller in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause als neuen Museumsdirektor. Er leitet zurzeit ein Museum für Energiegeschichte in Hannover, die Stelle in Frankfurt tritt er am 1. Oktober an.

Städtisches Museum Viadrina


Das Gebäude und der Bestand des ersten Museums gingen 1945 verloren. 1957 erhielt das damalige Bezirksmuseum seinen Sitz im Junkerhaus, in dem damals noch einige andere Institutionen angesiedelt waren. Das Haus war einst Wohnsitz für die Prinzen des brandenburgischen Herrscherhauses und weiterer adliger Jünglinge während ihrer Studienzeit an der ersten Landesuniversität. Nach einer langwierigen Sanierung ist es seit 2003 wieder geöffnet. Neben einer Dauerausstellung zur Stadtgeschichte gibt es im Museum Viadrina – ein Teilbetrieb der Kulturbetriebe – auch wechselnde Sonderausstellungen. Aktuell geht es um das Weltkriegsende in der Region. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr. thg