Hinter dem FKK-Strand auf der Ostseite des Helenesees ist Schluss. Ein Schild informiert darüber, dass man 13,5 Kilometer rund um Helene- und Katjasee wandern kann. Benötigt wird dafür ein Schlüssel, den es an der Rezeption gibt. Das Tor ist verschlossen, ein Bauzaun reicht bis hinein ins Wasser. Ein Mann und sein Sohn fahren mit dem Rad bis zum Tor, gehen hinunter zum Ufer, der Vater trägt beide Fahrräder durch das Wasser um den Zaun herum. Dann radeln sie auf der anderen Seite weiter. Sollten die beiden vorhaben, jenseits des Zaunes zu baden, ist das unter Umständen keine gute Idee. Zwar wurde das Ostufer hinter diesem Zaun saniert. Zum Baden freigegeben ist aber nur der eingezäunte Bereich bis hinter dem FKK-Strand West. Dort anfangend, das komplette Südufer entlang und der Durchstich zum Katjasee (genannt Kongo) sind Sperrbereich. Das Landesbergbauamt hat im Juni 2011 dazu eine Allgemeinverfügung erlassen, die weiterhin gültig ist, wie Holger Vöhl, Dezernatsleiter Sanierungs- und Altbergbau beim Landesamt, erklärt.

Verbotene Zonen

Konkret bedeutet das: Untersagt ist das Befahren dieses Bereichs mit Fahrzeugen, die schwerer als 7,5 Tonnen sind. Der Wald darf nur im unbedingt notwendigen Maß bewirtschaftet werden. Und vor allem: Das Betreten der Uferzone und das Baden sind verboten. "Vorsicht Altbergbaugebiet" und "Böschungsrutschgefahr!" steht auf den Verbotsschildern, die dort überall im Wald aufgestellt sind. Trotzdem parken dort immer wieder Autos, begeben sich Menschen, die Park- und Eintrittsgeld sparen wollen, in Gefahr, wenn sie im unsanierten Bereich schwimmen gehen. "Das ist wie eine Schneelawine", erklärt Danny Knispel, Leiter der Ortsgruppe beim Wasserwacht-Kreisverband  Märkisch-Oder- Havel-Spree. Die Überhänge, die darunter ausgespült sind, können auf 20, 30 oder gar 40 Metern abbrechen. In diesem Wasser-Sand-Gemenge könne man die Orientierung verlieren, mit heruntergezogen werden, den Halt verlieren, aus Panik Wasser einatmen. "Dabei geht es nicht nur um Nichtschwimmer, sondern auch um Schwimmer", betont er.

Sanierung der Badestrände

Große Rutschungen gab es am 14. Mai 1989 und am 8. Januar 1998. Um solche Abrutsche – Resultate der Bergbauvergangenheit des Sees – zu verhindern, wurde der Uferbereich vor allem an den heutigen offiziellen Badestränden saniert. Am Weststrand und im westlichen Teil des Hauptstrandes wurde begonnen, 2002 musste dann erneut saniert werden, weil man Rutschungsgefährdungen in der tieferen Unterwasserböschung feststellte. Ein Saugbagger trug den Unterwasserböschungsbereich ab, der Sand wurde in den 50 Meter tiefen Bereichen verspült. Gleichzeitig wurde die Westböschung um 60 Meter zurückverlegt. 2011 und 2012 beauftragte das Landesbergbauamt die Erkundung und Verwahrung von Filterbrunnen und Pegeln im Bereich des ehemaligen Tagebaus Helene. Auch Ost- und Westufer des Katjasees wurden saniert. Im Westen fand zur Stabilisierung eine sogenannte Rütteldruckverdichtung statt und die Trittsicherheit wurde hergestellt, erklärt Holger Vöhl. "Am Ostufer sind durch horizontale Bohrungen und einer Art Druckluftsprengung Stabilisierungen vorgenommen worden."

Gefährlich für Nichtschwimmer

Und ist es nun sicher, im Helenesee zu baden? "Tagebauseen sind unvorhersehbar in ihrer Struktur", erklärt Danny Knispel. Es gebe Kanten, die vor allem für Nichtschimmer gefährlich sind, natürliche Seen seien ebener. Seinem Kollegen von der Wasserwacht ruft er vom Motorboot aus zu, er solle langsam ins Wasser gehen. Man kann erkennen, wie plötzlich dieser im tiefen Wasser steht und noch einen Schritt weiter schon schwimmen muss. Knispel verweist auf den Nichtschwimmerbereich am Hauptstrand neben dem Rettungsturm – letzterer steht dort bereits seit Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre. "Eltern und Kinder sollten den abgetrennten Bereich durchaus nutzen", sagt er. Allerdings gehören nicht nur Kinder zu denjenigen, die nicht schwimmen können.
2015 ist ein 29-jähriger aus Afrika Geflüchteter im See ertrunken, drei Jahre zuvor gab es einen Badetoten. Der 22-jährige Gastarbeiter aus Rumänien starb durch ein Herzproblem – durch seine Tiefe von bis zu 60 Metern ist der See immer ein paar Grad kälter als andere. "Das sind in den letzten zehn Jahren die einzigen Fälle, die mir bekannt sind", sagt Knispel. "Das sind 0,2 Badetote pro Jahr", rechnet sein Stellvertreter Frank Häsler vor. Bei den hohen Besucherzahlen sei das nicht viel. Die beiden erinnern sich aber auch an einige Tauchunfälle in ihren 25 beziehungsweise 26 Jahren bei der Wasserwacht. Ein Fußballlehrer etwa sei mit nur halbvoller Druckluftflasche und zu wenig Erfahrung zu tief getaucht. Zwischen 1994 und 1999 ertranken drei Taucher im See. Seit es nur noch eine kommerzielle Tauchschule gibt, habe es aber keine tödlichen Tauchunfälle mehr gegeben, so Häsler und Knispel. Diese und die Tauchclubs würden sehr auf Sicherheitsbestimmungen achten.
Der Tod des Mannes aus Afrika war für die Wasserwacht die Initialzündung, mit Geflüchteten zusammenzuarbeiten. Die Idee war, dass sie andere auf Patrouillen in der jeweiligen Landessprache auf die Gefahren des Sees hinweisen. Sechs von ihnen hat das so viel Spaß gemacht, dass sie einen Rettungsschwimmerkurs belegten. Einer von ihnen arbeitete bereits im Sudan als Rettungsschwimmer.

Streifen zu DDR-Zeiten

Gefahren gehen aber nicht nur von der Helene aus, es gibt auch Gefahren für den See. An einen besonders schlimmen Brand vor 14 Jahren erinnern sich Helmut Otto, Leiter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen, und Wolfgang Welenga, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes, noch ziemlich genau. Als es an der sogenannten Hochhalde bei Lossow brannte, musste sogar ein Löschhubschrauber zum Einsatz kommen. In den 2000er Jahren habe es einige Brandstiftungen am Helenesee gegeben, es gab nachts täglich Lagerfeuer, auch ein paar Bungalows brannten nieder. Durch den hohen Besucherverkehr seien Brände immer schnell entdeckt und gemeldet worden. Trotz der naheliegenden Felder und des angrenzenden, trockenen Kiefernwaldes "hat sich die Lage in den letzten 15 Jahren für uns aber absolut entspannt", so Otto.
Zu DDR-Zeiten haben Forstwirtschaft, Ordnungsamt und Feuerwehr das Areal scharf bestreift und abkassiert, wenn jemand im Wald geraucht hat. Im Wald parkende Autos wurden auch mal abgeschleppt. "Illegales Campen und Parken hat sehr abgenommen", sagt Helmut Otto. Auch die am See entlanglaufende Bahnstrecke sei früher ein Problem gewesen. Es gab keinen Wundstreifen, also eine Fläche frei von brennbarem Material. Funkenflug vom Bremsen oder herausgeworfene Zigaretten, als die Fenster zu öffnen gingen, konnten Feuer auslösen. "Aber auch das ist in den vergangenen zehn Jahren weniger geworden."
Einen kleinen Schaden durch Ölverunreinigungen gab es einmal durch einen Traktor, der den Strand säuberte – ein Umweltschaden entstand daraus aber nicht. Geführt wird der Helenesee zwar, so wie das gesamte Stadtgebiet, als Munitionverdachtsfläche. Aber auch Kampfmittel wurden hier bislang nicht gefunden, erklärt Helmut Otto. Er und Wolfgang Welenga können sich noch erinnern, wie sie als Kinder an Helene und Katja gebadet haben. "Die Helene kannte ich nur als Steilküste", die sie als "Bengels" runtergerutscht sind, erzählt Welenga. Mit seinen Kindern und Enkelkinder, sagt Otto, habe er sich immer sicher gefühlt. Jeder wusste über die Gefahren Bescheid "Und der offizielle Bereich war schon immer sicher."