Der Autor dieser Zeilen wollte am Mittwochabend aus Berlin nach Frankfurt zurückfahren. Die Odyssee begann: An der Eberswalder  Straße in die U-Bahn ein-, fünf Minuten später aussteigen und am Alexanderplatz mit der S-Bahnlinie 3 Richtung Osten weiterfahren.
Nach 40 Minuten Fahrt in Erkner den Busbahnhof aufsuchen – und dort nochmal eine halbe Stunde auf den Ersatz-Bus warten, um eine Viertelstunde darauf in Fangschleuse den RE1 zu besteigen, bis endlich der Fuß Oderstädter-Boden berührte. In Kurzform: Dreimal umsteigen, fast zweieinhalb Stunden Fahrtzeit.
Grund für die langen Fahrtzeiten sind seit Jahren der Ausbau der RE1-Strecke. So werden ganze Haltestellen umgebaut, wie der S-Bahnsteig in Karlshorst. "Wenn direkt am Gleis gebaut wird, muss gesperrt werden", sagt Burkhard Ahlert, Pressesprecher der Deutschen Bahn für Berlin und Brandenburg. Gerade in der Sommerzeit, wo die Fahrgastzahlen zurückgehen, weil Schüler Ferien und Pendler Urlaub haben, werden möglichst viele Baumaßnahmen durchgeführt.
Beim Buschbeschnitt an der Zugstrecke wird beispielsweise eingleisig gesperrt (MOZ berichtete), wo zumindest eine Bahn entlangfahren kann. Anders sieht es bei aufwendigeren Brückenarbeiten aus, wo ein Teil der RE1-Strecke voll gesperrt wird, wie bei Autobahnüberführungen an der A12.
Andere Baustellen betreffen die Haltestelle in Friedrichshagen, wo Abdichtungen erneuert werden. Beim elektronischen Stellwerk in Köpenick wird die Leitungs- und Sicherungstechnik angeschlossen, Weichen und Signale müssen deswegen angepasst werden. In Frankfurt werden zurzeit Bodensanierungen in der Eisenbahnüberführung durchgeführt. "Diese Punkte führen immer wieder zu Sperrungen", erklärt Ahlert. Dann überbrückt der SEV diese Teilstrecken – und das führt oft zu Verdruss.
Am letzten Sonntag im Juni kam der Reisebus mit über einer Stunde Verspätung abends am Berliner Ostbahnhof an. Der Autor stieg flugs in den RE1, der bis Fürstenwalde fuhr – um dort 40 Minuten auf den Ersatzbus zu warten. Obwohl der Zug pünktlich ankam, war weit und breit kein Bus zu sehen. Auch der Anruf eines DB-Mitarbeiters bei der DB-Auskunft brachte nichts. Der Pulk an Bahnkunden, inzwischen spukten weitere Züge Menschen aus, musste noch zirka 45 Minuten durch’s Frankfurter Vorland juckeln – viele im Stehen. "Wir stimmen den SEV mit den örtlichen Busunternehmen ab", so der Pressesprecher. Leider gebe es ab und an zu wenige Busse, wodurch derartige Ausfälle zustande kämen. Verspätungen seien die Folge von Staus im Straßenverkehr.
"Ich bezahle mein Bahnticket – und die Bahn liefert nicht" – den Frust der Reisenden kann Ahlert  nachvollziehen. Aber die oftmals veralteten Streckenabschnitte müssten saniert werden, damit die Züge sicher zum Ziel kommen. Er rät, sich am Bahnhof und auf der DB-Internetseite (www.bahn.de/aktuell) zu informieren und mehr Zeit einplanen.
Mehr moderne Haltestellen
"Früher fuhr der Zug viel schneller nach Berlin", meinen gerade ältere Frankfurter. Ja, auch in den nächsten Jahren werde es Einschränkungen auf der RE1-Strecke geben. "Dafür gibt es nun mehr und modernere Haltestellen", antwortet der Bahnsprecher. Wie am Ostkreuz.
Wäre der Autor am Donnerstagmorgen nach Frankfurt zurückgefahren, hätte er nur 1.13 Stunde benötigt. Der RE1 fährt wieder normal – bis zum nächsten SEV.