Schiff in Frankfurt (Oder)
: Mit Onkel Helmut vom Fluss aus Stadt und Land entdecken

Dirk Triebler betreibt in Frankfurt (Oder) die einzige deutsche Charter-Schifffahrt auf der Oder. Welche Touren angeboten werden und was die Fahrten kosten
Von
Ines Weber-Rath
Frankfurt (Oder)
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Die Gefion beim Ablegen am Frankfurter Holzmarkt

Die Gefion beim Ablegen am Holzmarkt in Frankfurt (Oder)

Ines Weber-Rath
  • „Onkel Helmut“ bietet Charter-Bootstouren auf der Oder ab Frankfurt (Oder) an.
  • Touren führen Richtung Lebus oder Lossow, z. B. zur Steilen Wand oder durch die Oderauen.
  • Regelmäßige Fahrten kosten 15–29 €, individuell buchbare ab 10 Personen verfügbar.
  • Schiffe „Gefion“ und „Bober“ fahren auch bei Niedrigwasser, max. 35 bzw. 28 Passagiere.
  • Saison: Mai–Oktober, Anmeldung empfohlen, Infos unter www.onkel-helmut.de.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Bootsfahrt, die ist lustig – so könnte man in Abwandlung des bekannten Nordsee-Liedes auch mit Blick auf die Oder sagen. Der Fluss ist im Sommerhalbjahr nicht nur Sehnsuchtsort vieler privater Freizeit-Kapitäne mit ihren Booten aller Art.

Wer ganz entspannt in Familie oder mit Freunden auf der Oder schippern und die herrliche Landschaft an beiden Ufern genießen will, ohne selbst Verantwortung fürs Steuer und den richtigen Kurs übernehmen zu müssen, der kann sich „Onkel Helmut“ anvertrauen. Hinter dem Namen verbirgt sich der einzige deutsche Anbieter von Charter-Bootstouren auf dem Grenzfluss in Frankfurt (Oder). Den nächsten Anbieter gibt es erst im polnischen Wrocław (Breslau).

Trieblers Groß-Onkel war der letzte traditionelle Schlepperkapitän

Alle Touren starten am Schiffsanleger am Frankfurter Holzmarkt. Von hier aus geht es wahlweise flussabwärts nach Norden, in Richtung der geschichtsträchtigen einstigen Bischofsstadt Lebus. Oder stromaufwärts nach Süden, bis zur imposanten Steilen Wand bei Lossow. Die Chartertouren dauern zwischen einer Stunde und fünf Stunden. Eine Anmeldung ist unbedingt zu empfehlen, betont Schiffsführer Dirk Triebler.

Dirk Triebler ist der Kapitän und Schiffseigner. Er hat im Schiffsführerstand am Heck seinen Platz, im Hintergrund die Stadtbrücke

Dirk Triebler ist der Kapitän und Schiffseigner. Er hat im Schiffsführerstand am Heck seinen Platz, im Hintergrund die Stadtbrücke

Ines Weber-Rath

Der 55-jährige Frankfurter ist der Inhaber des kleinen Charterboot-Unternehmens mit großer Tradition. Denn Trieblers Groß-Onkel Helmut Schulz, nach dem die Firma benannt ist, war der letzte traditionelle Schlepperkapitän auf der Oder. Sein „Füsilier“ hatte keinen eigenen Antrieb, wurde flussaufwärts gezogen. Bis 1982, als Onkel Helmut in den Ruhestand ging.

„Im 19. und 20. Jahrhundert sind die Schleppkähne zu Hunderten zwischen Breslau und Stettin auf der Oder gefahren. Jedes dritte Schiff auf deutschen Gewässern war damals auf der Oder unterwegs“, weiß Dirk Triebler. Heute ist er mit seinen Gästen oft allein auf dem Fluss. Denn moderne Fracht- und Passagierschiffe sind meist nicht für die Oder geeignet, die häufig Niedrigwasser führt.

Fahrten auch bei Niedrigwasser möglich – fast immer

Nicht so Dirk Trieblers Schiffe: Bei der „Gefion“ und dem „Bober“ handelt es sich um Schiffe der Marke Eigenbau, die dem Typ des sogenannten Breslauer Maßkahns nachempfunden sind. Der Schiffstyp wurde einst eigens für die Oder entwickelt und fährt auch bei Niedrigwasser – fast immer.

Denn eben erst, von Ende Juni bis Mitte Juli, ging bei einem Pegelstand von nur rund einem Meter auch bei Onkel Helmut nichts mehr. Erst der tagelange Regen im gesamten Oderverlauf hat dazu geführt, dass es seit dem 17. Juli am Frankfurter Holzmarkt für Onkel Helmut wieder heißt: Leinen los!

Welche Fahrten angeboten werden

Kapitän Dirk Triebler und einer seiner „Matrosen“, Saisonkräfte auf Minijob-Basis, begrüßen jetzt wieder täglich ab 10 Uhr Fahrgäste. Wobei zwischen individuell vereinbarten Gruppenfahrten und den regelmäßig angebotenen Touren unterschieden wird. Regelmäßige Fahrten bietet Onkel Helmut am Donnerstag, Freitag und Sonntag an. Sie sind vor allem für Einzelpersonen, Familien und kleine Gruppen geeignet. Auch für diese Fahrten empfiehlt der Schiffsführer, sich im Vorfeld telefonisch nach freien Plätzen zu erkundigen.

Die Teilnehmer eines Familientreffens genossen die Schifffahrt auf der Oder an Bord der "Gefion".

Die Teilnehmer eines Familientreffens genossen die Schifffahrt auf der Oder an Bord der "Gefion".

Ines Weber-Rath

Großer Beliebtheit erfreuen sich die fünfstündigen Nachmittagsfahrten durch die Oderauen nach Lebus inklusive zweistündigem Aufenthalt in der alten Bischofsstadt, wo unter anderem eine Einkehr im Restaurant „Anglerheim“, der Aufstieg auf den Burgberg mit den Resten der mittelalterlichen Burg und ein Besuch des kleinen, aber feinen Heimatmuseums in der Schulstraße lohnenswerte Ziele sind.

Besonders beliebt: die Brücken-Tour und die Steile-Wand-Tour

Nach Lebus geht es montags bis freitags auf Wunsch auch als einstündige Einweg-Tour für all jene, die länger im Oderbruch bleiben und ihre Rückfahrt individuell gestalten möchten. Oder als dreistündige Oderauenfahrt. Den Fahrgästen bietet sich auf diesen Touren ein weiter Blick über die Oderwiesen, auf denen Störche und Fischreiher Futter suchen und auf die Pontischen Hänge, an denen im Frühjahr die seltenen Adonisröschen blühen.

Die Touren in Richtung Süden sind Non-Stop-Fahrten. Besonders beliebt sind hier die zweistündige Brücken-Tour und die dreistündige Steile-Wand-Tour. An der Silhouette der Stadt Frankfurt (Oder) und an der Insel Ziegenwerder vorbei geht es auf der Brücken-Tour bis zur Eisenbahn- und Autobahnbrücke über die Oder.

Die Autobahnbrücke und die Eisenbahnbrücke bei Frankfurt (Oder) vom Fluss aus gesehen.

Die Autobahnbrücke und die Eisenbahnbrücke bei Frankfurt (Oder) vom Fluss aus gesehen.

Thomas Gutke

Dort, erzählt „Matrose“ Leon Fischer interessierten Fahrgästen, sei nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der sowjetische Diktator Josef Stalin, der unter Flugangst litt, im Sonderzug zur Unterzeichnung des Potsdamer Abkommens gefahren. Stalin sorgte auch dafür, dass die zum Kriegsende zerstörte Brücke der Autobahn, die bis ins Baltikum und nach Moskau führt, instandgesetzt wurde: Darüber sollten schließlich die deutschen Reparationsleistungen in die Sowjetunion gebracht werden.

Keine Ansagen vom Band auf den Chartertouren

Auf seinen Touren habe er auch Zeitzeugen kennengelernt, berichtet Dirk Triebler. Der Kapitän, dessen Steuerstand sich oben, am Heck der „Gefion“ bzw. des „Bober“ befindet, erzählt seinen Gästen auf Wunsch gern, was er von jenen erfuhr. Ansagen vom Band gibt es auf seinen Touren jedoch nicht. „Das ist mir zu anonym“, sagt der Schiffsführer, der selbst oder über seine „Matrosen“ lieber „Aug‘ in Aug‘“ mit den Gästen spricht.

Ziel der Steilen-Wand-Tour Richtung Lossow ist der Brieskower See, der einst auch als Regattastrecke genutzt wurde.

Ziel der Steile-Wand-Tour Richtung Lossow ist der Brieskower See, der einst auch als Regattastrecke genutzt wurde.

Thomas Gutke

So erfahren diese auf der Tour zur etwa 7 Kilometer südlich von Frankfurt (Oder) liegenden Steilen Wand etwa, dass sich hinter dem imposanten Naturdenkmal am Oderufer eine bedeutende archäologische Fundstätte befindet: Etwa ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. haben slawische Stämme hier einen Burgwall angelegt, dessen Überreste freigelegt und gesichert worden sind. Sowohl auf der Brücken- als auch auf der kürzesten, der einstündigen Panoramatour auf dem Frankfurter Oder-Abschnitt, sehen die Fahrgäste auch die 2013 neu errichtete Stadtbrücke.

Wie viele Personen mitfahren können und was die Fahrten kosten

Auf Bänken und Stühlen an langen Holztischen sitzend, können die Gäste den Blick durch große Fenster auf die schöne Flusslandschaft mit ihren Buhnenfeldern, auf denen Angler stehen, genießen. Für Getränke und einen Imbiss ist an Bord gesorgt. Auf Wunsch und nach vorheriger Absprache werden auch Picknickkörbe gepackt. Eine Toilette steht zur Verfügung. Hunde dürfen nach vorheriger Absprache mitfahren.

Auf der „Gefion“ (nach der germanischen Göttin der Familie und des Glücks), einem 1969 in Eisenhüttenstadt gebauten und 2013/14 von Dirk Triebler komplett rekonstruierten Oderschiff, gibt es für bis zu 35 Personen, auf dem nach einem Nebenfluss der Oder benannten „Bober“ für bis zu 28 Gäste Platz. Bei Bedarf können beide Schiffe gekoppelt werden. Dann nimmt Dirk Trieblers Vater Günter im Steuerstand des zweiten Schiffes Platz.

Die Saison für Onkel Helmuts Chartertouren geht offiziell von Mai bis Oktober – wenn es nicht gerade extremes Niedrig- oder Hochwasser gibt. Die Fahrten kosten zwischen 15 und 29 Euro pro Person.

Tourangebote und Kontakt

  • Regelmäßige Fahrten: Donnerstag, 13 Uhr, nach Lebus und zurück, 5 Stunden, 29 Euro p.P.; Brückentour: Freitag und Sonntag, 14 Uhr, 2 Stunden, 20 Euro p.P.
  • Individuelle Charterfahrten für Gruppen ab 10 Personen: Panoramatour, 1 Stunde, 15 Euro p.P; Brückentour, 2 Stunden, 20 Euro p.P.; Steile-Wand-Tour, 3 Stunden, 25 Euro p.P.; Oderauenfahrt Richtung Lebus, 3 Stunden, 25 Euro p.P.; Einweg-Tour Richtung Lebus, nur von Montag bis Freitag buchbar, 1 Stunde, 19 Euro p.P.
  • Die Angebote von Onkel Helmut Oderfluss-Charter Triebler sind unter www.onkel-helmut.de zu finden. Der Schiffsanleger und Trieblers „schwimmendes Büro“ befinden sich am Holzmarkt in 15230 Frankfurt (Oder). Information und Anmeldung unter Tel. 01757569920