In seinen 55 Bühnenjahren wurden bereits einige Bücher und unzählige Zeitungsartikel über Heino geschrieben, der mit über 55 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten deutschen Sängern zählt. Aber die Sicht eines Fans auf den deutschen Schlagerstar und Sänger vieler Volkslieder ist neu. Im Ruhestand fasste der Frankfurter Eberhard Kulla nun seine vielen kleinen Abhandlungen, die er seit 1972 aufschrieb - dem Beginn als Heino-Fan - in Buchform zusammen. Heraus kam auf über 200 Seiten der „Glücksfall Heino“.

Bereits im Elternhaus wurden Schlager gehört

„Wir haben in diesem Jahr 30 Jahre Deutsche Einheit gefeiert. Eine kleine deutsch-deutsche Geschichte ist auch die Geschichte des Heino-Fans aus der DDR – meine Geschichte“, sagt Eberhard Kulla im Gespräch mit der MOZ. Der heute 64-Jährige wuchs in der Nähe des Spreewaldes auf. Im Elternhaus wurden eher traditionelle Musik und Schlager gehört. „Meine Mutter sang in einem Chor und mein Vater spielte Mundharmonika“, erzählt der Frankfurter.
Schon in der Schule mochte er Volkslieder. Als Jugendlicher war die Hitparade im ZDF für ihn ein Muss. „Ich kannte natürlich auch die Beatles und die Rolling Stones. Aber englischsprachige Musik war nie ein Thema für mich“, erinnert sich Kulla. Ein stimmungsvoller Schlager war ihm lieber. 1972 gab es von Heino dann den großen Hit „Blau blüht der Enzian“. Dem jungen Kulla gefiel das Lied sehr und er fing an Gefallen am Sänger zu finden.
„Er vereinigte das, was mich begeisterte - die Lieder der Heimat und gute Schlager“, erklärt der Autor. Nicht überraschend also, dass er jeweils ein ganzes Kapitel dem Thema Volkslieder und dem Lebens- und Karriereweg von Heino widmete. Klar habe er anfangs den Spott einiger Mitschüler aushalten müssen. Aber letzten Endes akzeptierten alle den Heino-Fan.

Kein rechtes Gedankengut in Heinos Liedern

Gleich zu Beginn seines Werks stellt der Autor klar, dass keines von Heinos Liedern rechtes Gedankengut in sich trage. „Richtig ist, dass einige der Lieder von den Nazis missbraucht wurden“, erklärt Kulla. Viele der Lieder haben eine Geschichte und wenn man sie in den richtigen historischen Kontext setzt, sind es auch keine „bösen Nazi-Lieder“ mehr.
In der DDR war der Sänger aus dem Westen verboten. Welche Schwierigkeiten das für einen glühenden Fan mit sich brachte, der im Osten lebte, schildert Kulla im Hauptteil seines Buches. In der DDR versuchte die SED den Begriff „Staatsbürgerschaft“ für ihre Zwecke zu missbrauchen, so Kulla. Alles was an deutsche Traditionen erinnerte sollte verschwinden. Hier spielt Heinos Musik für ihn eine wesentliche Rolle.

Heimatgefühle und Hoffnung auf vereinigtes Deutschland

„Er hat mit seinen Liedern den Deutschen in der DDR das Heimatgefühl gegeben, das die Staatsführung ihnen verweigert hat“, erläutert der Autor. Der Sänger spiegelte die Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen wider, er sprach der „schweigenden Mehrheit“ aus dem Herzen, so Kulla. Heino gab den Menschen die Hoffnung auf ein vereinigtes Deutschland.
Da seine Familie in der Nähe von Berlin wohnte, konnte der Autor „Westradio- und Fernsehen“ empfangen. So war es möglich Lieder der Schlager- und Hitparaden auf Tonbandgeräten oder Kassettenrekordern mitzuschneiden, und so auch auszutauschen, berichtet Kulla. Aber Schallplatten vom „Wessi“ Heino waren verboten.
Wie Kulla und andere Fans trotzdem an die heißbegehrten Platten und Autogramme vom Idol kamen, wird natürlich auch beschrieben. „Ich habe meinen Brief an Heino von meiner Oma in West-Berlin zur Post bringen lassen. Sie durfte als Rentner ja fahren“, erläutert der 64-Jährige. Und der Brief kam auch an.

Außen Klassik, innen Heino - und ab in die DDR

Professioneller stellte es in den 1980-er Jahren ein engagierter Dortmunder eines Heino-Fanclubs an. Er löste die Label von den Heino-Platten und versah sie mit Labeln von Klassik-Platten und steckte sie in die entsprechenden Hüllen. Außen Klassik, innen Heino - und ab in die DDR. „So eine Platte habe ich auch“, sagt Kulla stolz.
Eindrücklich ist auch der Teil, in dem es um die Stasi-Bespitzelung von Kulla geht. Während seines Studiums machte er keinen Hehl aus seiner Begeisterung, hatte beispielsweise in seiner Studentenbude ein Heino-Poster hängen. Auch sein Kontakt zu Heino-Manager Dieter Mauritz war bekannt. Laut Stasi-Akte bestand der Verdacht auf „Staatsfeindliche Gruppenbildung“ und „Staatsfeindliche Verbindung“. Zwei schwere Vorwürfe – weil er ein Fan von Heino war.

1990 sah Kulla zum ersten Mal Heino live

Das erste Mal live sah Kulla sein Idol im Jahr 1990. Zum ersten und letzten Mal eine Kaffeefahrt, schreibt der Autor über die Anreise zum Konzert. Im gleichen Jahr traf er auch Heino mit seiner Frau Hannelore persönlich. Als „Star ohne Starallüren“ beschreibt Kulla diese und viele weitere Begegnungen mit dem Sänger, die letzte vor einem Jahr.
Kritik übt Kulla gegen Ende seines Buches – an Heinos Rockalben. „Ich finde das einfach nur entsetzlich. Das ist nicht mein Heino“, sagt der Frankfurter zu Rock-Liedern wie „Sonne“.
„Singen ist Heinos Leben, und seine Lieder sind eben Teil meines Lebens“ - eingefleischte Heino-Fans werden das sehr detailreiche Buch von Eberhard Kulla verschlingen. Aber auch andere interessierte Leser können Gefallen am „Glücksfall Heino“ finden, denn der geschichtlich-musikalische Rückblick vereint auf seine Weise Ost und West.

Glücksfall Heino“ – ISBN: 9783753101927, Preis: 11,90 Euro