Schulzeit
: Auf Spurensuche für ein Klassentreffen der 8. POS

Ingo Junghans besuchte in den 70ern die 8. POS, 1998 wurde sie abgerissen. 50 Jahre danach organisiert er ein Jahrgangstreffen – von Vechta aus.
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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  • Vor 50 Jahren in Frankfurt: Gruppenbild mit Erstklässlern an der 8. Polytechnischen Oberschule "Geschwister Scholl"

    Vor 50 Jahren in Frankfurt: Gruppenbild mit Erstklässlern an der 8. Polytechnischen Oberschule "Geschwister Scholl"

    Ingo Junghans/Privat
  • Die 8. POS in der Großen Müllroser Straße, auf dem Bild rechts. Vor 22 Jahren wurde das Haus abgerissen.

    Die 8. POS in der Großen Müllroser Straße, auf dem Bild rechts. Vor 22 Jahren wurde das Haus abgerissen.

    Joachim Mai/Stadtarchiv
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Geblieben aber sind viele, oft schöne Erinnerungen, auf die sich am besten bei einem Klassentreffen zurückblicken lässt. Einfach zu organisieren sind solche Wiedersehen nicht. Erst recht nicht aus der Ferne. Ingo Junghans lebt in Vechta in Niedersachsen. 1991 zog er aus Frankfurt weg, nachdem seine damalige Firma – der VEB Haushaltsgeräteservice – dichtgemacht hatte. Von Vechta aus ist er mit seinem ehemaligen Mitschüler Roger Albrecht gerade dabei, ein Jahrgangstreffen in seiner alten Heimat auf die Beine zu stellen. Es soll am 25. April stattfinden – gut 50 Jahre nach ihrer Einschulung in der 8. Polytechnischen Oberschule „Geschwister Scholl“. „2017 haben wir den Plan geschmiedet und seit einigen Monaten eine WhatsApp-Gruppe. Von den zirka 40 Schülern, die gekommen, gegangen oder geblieben sind, haben wir inzwischen gut die Hälfte ausfindig machen können. Doch leider stecken wir im Moment in einer Sackgasse, es fehlen noch einige“, sagt Ingo Junghans.

Was die Spurensuche nicht einfacher macht, ist die Tatsache, dass seine alte Schule gar nicht mehr existiert. „Nach meinen Informationen soll nur noch ein großer Baum unseres Schulhofes stehen, in deren Schatten wir uns gern aufhielten und auch mal heimlich geraucht haben“, erzählt er. Älteren wird das Haus in der Großen Müllroser Straße noch als Gertraudschule ein Begriff sein. 1869 im Kasernenstil errichtet, war es die erste Schule für Beresinchen überhaupt, weiß Ralf-Rüdiger Targiel vom Stadtarchiv zu berichten. Zu DDR-Zeiten firmierte der kleine Schulstandort dann als 8. POS, die irgendwann mit dem Bau von Neuberesinchen in die heutige Konrad-Wachsmann-Straße verlegt wurde. „In das Gebäude in der Großen Müllroser Straße zog die Außenstelle der Ingenieurschule für Bauwesen Berlin ein. 1998 wurde das Gebäude abgerissen“, so Targiel.

„Unsere Einschulung war im September 1970“, sagt Ingo Junghans. Ein Foto aus dieser Zeit existiert bis heute. Anfangs gab es zwei Klassen, die dann nach sieben Jahren zu einer zusammengelegt worden seien. An seine Schulzeit erinnert er sich gern zurück, der Zusammenhalt der Klasse sei sehr gut gewesen. „Einmal haben wir aus irgendeinem Grund gemeinsam, ohne Ausnahme eines einzigen Schülers, die Schule geschwänzt“. Eine Protestaktion sei dies nicht gewesen, versichert er. „Es lag wohl eher am wunderschönen Sommerwetter und wir zogen es vor, den Tag am Badesee zu verbringen. Anschließende Bestrafung? Bestimmt! Kann ich mich aber nicht mehr erinnern. So schlimm kann es also nicht gewesen sein.“

Aus den Augen verloren

Was er ebenso noch gut im Gedächtnis hat: Musiktausch auf Kassettenrekordern in „grottenschlechter Qualität“ und dazu noch „zum Teil unerwünschte, verbotene Musiktitel. Wir haben uns auch einmal selbst im Musizieren versucht, im Keller eines Mitschülers. Es war aber mehr Krach als Musik. Kurzum: Wir waren eine ganz normale Schulklasse der 1970er Jahre.“

Spätestens nach der Ausbildung von 1980 bis 1982 hätten sich er und viele seiner Klassenkameraden dann aus den Augen verloren. Er selbst verkauft – wie damals beim VEB in Frankfurt – auch heute noch Elektrohausgeräte. In Vechta ist Ingo Junghans als Abteilungsleiter eines Elektrofachmarktes tätig.

Wie viele ehemalige Mitschüler überhaupt noch in Frankfurt leben, wisse er nicht. Aber er möchte möglichst viele von ihnen wiedersehen. Wer damals auch die Klasse besucht hat, könne ihm gern per E-Mail schreiben, an: ingo.junghans@ewetel.net

Sind Sieauch 1970 eingeschult worden oder haben vor 50 Jahren in Frankfurt Ihren Abschluss gemacht? Dann teilen Sie Ihre Erinnerungen an Frankfurter Schulen, die nicht mehr bestehen oder erzählen uns von spannenden Lebenswegen, die (ehemalige) Frankfurter gegangen sind. Sie erreichen uns per Post, Frankfurter Stadtbote, Paul-Feldner-Str. 13, 15230 Frankfurt (Oder) oder per E-Mail: frankfurt-red@moz.de.