Schwimmhalle: Neue Fliesen für altes Becken in Frankfurt (Oder)

Ungewohntes Bild: Aus dem großen Becken der Schwimmhalle in Frankfurt (Oder) wurde komplett das Wasser herausgelassen, damit Fliesenleger Sergei Gribko etwa 40 in die Jahre gekommene Kacheln austauschen kann.
Michael BenkSeit Anfang Juli wird die Schwimmhalle an der Rathenaustraße wie immer in den Sommerferien saniert — mehr oder weniger notdürftig, denn für umfassende und dringend notwendige Arbeiten hat die Stadt derzeit kein Geld. Die Gesamtsumme für die Reparaturkosten beläuft sich laut Auskunft der Pressestelle der Stadtverwaltung auf rund 3600 Euro.
Unter anderem wurde das 625 Kubikmeter Wasser fassende große Becken geleert. Dort wurden durch die Frankfurter Fliesenleger–Firma Zilm etwa 40 Fliesen ausgetauscht und Fugen ausgebessert. Daneben fanden die turnusmäßigen Wartungsarbeiten an den technischen Anlagen statt, die jährlich durchgeführt werden — darunter Brandmeldeanlagen, Sicherheitsbeleuchtung, Chlorgasanlage, Heizung und Lüftung — auch die Fenster wurden geputzt. Doch die großen Probleme können nach wie vor nicht angegangen werden: So war in der Vergangenheit immer wieder Wasser aus dem Becken durch kleinste Haarrisse im Keller ausgetreten. Auch die Sanitäranlagen und die gesamte Technik sind sichtbar in die Jahre gekommen — die letzte umfassende Sanierung gab es 1997.
Doch ungeachtet dessen sollen demnächst noch mehr Besucher das 1950 eröffnete Hallenbad nutzen. Da Schwimmunterricht laut Lehrplan mehr gefördert werden soll, wird das Einzugsgebiet aufgrund fehlender Einrichtungen vor allem in Märkisch–Oderland immer weiter vergrößert. „Vor Corona war es so, dass wir immer zwei Klassen parallel hatten: eine im Becken, während sich die andere umzieht. Dieser Rhythmus soll nun noch erhöht werden. Aber ich weiß nicht, wie die 25 Jahre alte Wasser–Aufbereitungsanlage diese Masse an Menschen bewältigen soll“, sagt Hallenbad–Leiter Rainer Grüneberg.
Er befürchtet, dass bei den Zeiten für das öffentliche Baden gestrichen wird, auch die Trainingszeiten für die rund 240 Sportler des Eisenbahnersportvereins könnten in dem jetzigen Umfang gefährdet sein. Dass die Schwimmhalle bereits jetzt voll ausgelastet ist, belegen die Besucherzahlen aus dem vergangenen Jahr: Insgesamt hatte das Hallenbad 82 000 Besucher – davon 43 000 beim öffentlichen Baden, 17 000 Schüler, 13 000 Sportler des ESV Frankfurt sowie 9000 sonstige Besucher.
Einen kleinen Lichtblick gibt es immerhin, wie Asgard Gaebel vom Zentralen Immobilienmanagement der Stadt (ZIM) berichtet: „Im städtischen Haushalt 2021/22 sind 1,5 Millionen Euro für die Sanierung des großen Beckens vorgesehen. Eine Variante wäre es, ein Edelstahlbecken einzusetzen. Aber ob das Geld dann wirklich zur Verfügung steht, ist noch offen. Dringend notwendig wäre auch die komplette Erneuerung der technischen Anlagen.“ Wie alle anderen Beteiligten hofft auch Asgard Gaebel, dass irgendwann ein Neubau realisiert werden kann — Geld oder Fördermittel stehen aber nicht in Aussicht.
Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung des Schwimmerbeckens planerisch bearbeitet. „Der Planungsauftrag wurde ausgeschrieben und ist inzwischen ausgelöst, das Ergebnis liegt noch nicht vor. In diesem Planungsauftrag wird auch die Realisierbarkeit eines Neubaus nach energetischen Gesichtspunkten bzw. die Komplettsanierung des Hallenbades gegenübergestellt“, erklärt die Pressestelle der Stadtverwaltung auf Nachfrage. Die Machbarkeitsstudie soll Ende September vorliegen.
Ab 3. August wieder geöffnet
Ab dem 3. August soll die Schwimmhalle wieder öffnen. Hoffentlich dann länger als im Vorjahr, als eine Havarie nur wenige Tage nach der Wiedereröffnung für eine erneute Schließung sorgte. Damals war Wasser aus dem großen Becken ausgetreten und im Keller in einen Raum mit der Regel– und Messtechnik getropft.
