Schwimmunterricht
: Frankfurter Schüler verdrängen Sportler aus Schwimmhalle

Der Schwimmunterricht soll ausgebaut werden. Die Sportler des ESV fürchten um ihre Trainingszeiten in der ohnehin überlasteten Schwimmhalle.
Von
Hubertus Rößler
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Der Eisenbahnersportverein ist einer der Hauptnutzer der Schwimmhalle an der Rathenaustraße. Wie hier beim Sparkassenpokal kommen regelmäßig Aktive aus zahlreichen Vereinen nach Frankfurt.

Michael Benk

Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport hatte die Kommunen in einem Rundschreiben am 21. April über die neue Verordnung zum Schulschwimmen informiert. Danach ist der Schwimmunterricht in der Primarstufe in den Jahrgangsstufen 2, 3 oder 4 ganzjährig in 40 Unterrichtsstunden durchzuführen. Auch in der Sekundarstufe I (7. bis 10. Klasse) sind 15 Unterrichtsstunden Schwimmunterricht zu erteilen. Dafür sollen „geeignete Hallenbäder“ genutzt werden.

Die Pressestelle der Stadtverwaltung erklärt dazu auf Nachfrage: „Die Schulen der Stadt Frankfurt haben entsprechende Stundenpläne erarbeitet, in denen der Schwimmunterricht berücksichtigt wird. Auch die Umlandgemeinden haben Anfragen zur Nutzung der Schwimmhalle in Frankfurt gestellt.“ Das zuständige Sport– und Schulverwaltungsamt sei noch in der Endabstimmung mit dem Schulsportkoordinator zur Festlegung der konkreten Zeiten. „Sobald diese feststehen, wird auch der ESV informiert, wenn es Einschränkungen geben sollte“, teilt die Pressestelle mit.

Schwimmer des ESV Frankfurt erstaunt

Beim ESV zeigt man sich darüber erstaunt, besonders die Vorgehensweise stößt dem Vorsitzenden Ulrich Karkmann übel auf. „Mit sehr großer Verwunderung haben wir aus der MOZ erfahren, dass die Trainingszeiten des ESV in der städtischen Schwimmhalle ,gefährdet‘ seien. Die Vorgehensweise der Stadt Frankfurt (Oder) ist für uns in mehrfacher Hinsicht unangemessen“, erklärt Karkmann, der dem ESV seit 2019 vorsteht. Der Verein habe in Hinblick auf die am 8. August endenden Sommerferien in den vergangenen Wochen immer wieder auf die Mitteilung und Abstimmung der Trainingszeiten gedrungen — ohne Erfolg.

„Unsere rund 240 Schwimmer verteilen sich auf viele Gruppen, die von Übungsleitern und Trainern betreut werden. Es steckt eine Menge Organisation und Betreuung dahinter, die durchweg von Ehrenamtlichen geleistet wird, die überwiegend berufstätig sind und die ihre Freizeit für das Funktionieren des Trainingsbetriebs einsetzen. Man sollte diesen ehrenamtlich Tätigen gegenüber so viel Respekt entgegen bringen, dass man erzwungene Einschnitte im Trainingsbetrieb angemessen und rechtzeitig miteinander bespricht. Was wir aus der MOZ erfahren haben, war für uns dagegen ein deutlicher Stoß vor den Kopf“, kritisiert der Vereinsvorsitzende.

Schon bisher sind die dem Eisenbahnersportverein zur Verfügung stehenden Trainingszeiten nicht ausreichend. Oft müssen die Trainer Beitrittsinteressenten absagen, weil die entsprechende Gruppe voll ist und nicht genügend Beckenkapazitäten zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass die Schwimmhalle — anders als etwa in Eisenhüttenstadt – auch in den Sommerferien schließt und zudem in den vergangenen Jahren immer wieder Havarien aufgetreten sind, die mehrwöchige Trainingsausfälle zur Folge hatten.

Schwimmkurse durchweg ausgebucht

„Trotz dieser beengten Verhältnisse bringen wir zum Beispiel in unseren Seepferdchenkursen seit Jahren kleinen Kindern das Schwimmen bei – diese Kurse sind durchweg ausgebucht. Die vorhandenen Schwimmhallenkapazitäten in Frankfurt sind — gemessen an der Bevölkerungszahl — im Vergleich zu anderen Städten in Brandenburg geradezu winzig. Dass diese wenigen Trainingsmöglichkeiten des einzigen Schwimmvereins in Frankfurt auch noch beschnitten werden sollen, ist für uns nicht akzeptabel“, erklärt Ulrich Karkmann.