Siegerkür
: Wurzeln zu haben, ist ihm wichtig

Thomas Strauch ist zum Frankfurter des Jahres 2018 gewählt worden, gefolgt von Ramona Kozak und Brigitte Vetter.
Von
Stefanie Ender
Frankfurt (Oder)
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Thomas Strauch ist der Sieger der Abstimmung und erhält einen eigenen Roten Sessel von der Firma Möbel Boss

Rene Matschkowiak

„Ich bin überrascht und freue mich sehr“, sagt Thomas Strauch. In der Hand hält er seine Klampfe und sitzt Probe auf dem roten Clubsessel, den er von Möbel Boss geschenkt bekommt. Vermutlich stellt er die neue Sitzgelegenheit in sein Wohnzimmer. Verdient habe er den Sieg, meint MOZ–Leserin Gudrun Ruthenberg per E–Mail: „Mir gefällt an ihm, dass er an so vielen kulturellen Projekten in der Stadt beteiligt ist, sie mit angeschoben hat oder begleitet, weil er an sie glaubt. Danke, Thomas!“

Tatsächlich ist der 41–jährige freischaffende Musiker vielseitig ehrenamtlich engagiert. So zum Beispiel als Mitorganisator des deutsch–polnischen Transvocale–Festivals. Außerdem bietet er regionalen Künstlern eine Plattform – jeden Donnerstag in der Darstellbar.

„Mir ist es wichtig, dass es ein niederschwelliges Angebot gibt. Hier stehen viele das erste Mal auf einer Bühne. Der Eintritt ist frei. Es gibt keine Gage“, erklärt er. Mitnehmen dürfen sich die Darsteller, was im Hut landet.

Wenn Thomas Strauch mit bewegten Händen und Gesten von seinen Projekten spricht, steckt das an. Seine Begeisterung ist auf viele Frankfurter übergeschwappt. So hat sich sein eigenes kleines Festival „Folk im Fluss“ zu einem festen Termin im Kalender vieler Musikfreunde entwickelt. Ende Januar starten drei Tage mit Liedermachern, Bands und Tanzworkshops. Seit 15 Jahren stemmt Strauch die Organisation. Vor ein paar Jahren kamen Helfer dazu. „Als ich einmal kurz vorm Festivalstart im Krankenhaus war, habe ich gemerkt, dass ich das nicht mehr allein schaffe“, sagt der Musiker. Hilfe wurde ihm von vielen Seiten angeboten.

„Wurzeln zu haben, ist mir wichtig“, meint der gebürtige Frankfurter, wenn er über seine Musik spricht. Eine Mischung aus Folk, Jazz und Trash sei seine Richtung. Manche Melodien und Texte seien hunderte Jahre alt. Heute werden sie von Folkliebhabern wie ihm neu interpretiert. „Beim Tradieren geht immer etwas verloren und etwas Persönliches kommt dazu“, erklärt Thomas Strauch, der sich im Kreis der Folkkünstler in einer vergleichsweise kleinen, internationalen Szene bewegt.

„Die Bewegung hier im Osten hat schon immer gern gen Westen und nach Skandinavien geschaut“, sagt er weiter und erzählt von folkloristischen Tänzen und der Wandervogelbewegung. „In den 60er und 70er Jahren lebte der Folk wieder auf“, so der Musiker. Er beschreibt die damaligen Künstler als Hippies und Ökos, die mit Cordjackett und Schiebermütze rumgelaufen sind. – „So wie ich“, sagt Strauch lachend.

Er tanzt selbst gern zu folkloristischen Klängen. Und gibt ehrenamtlich Tanzkurse im Modernen Theater Oderland. Das Bild von Trachten tragenden Tänzern, die im Kreis hopsen, werde diesen Tänzen nicht gerecht: „Heute ist der Folktanz ein offenes Ding. Wir tanzen vorrangig in Paaren, manchmal im Kreis oder in der Kette. Die Partner werden oft gewechselt.“ Männer tanzen hier auch mit Männern, Frauen mit Frauen. Im Vordergrund steht die freie Bewegung. Es sei eben nicht wie in der Tanzschule, meint Strauch schmunzelnd: „Wer zur Musik laufen kann, der tanzt ja schon.“

Sein Brot verdient der Musiker mit Unterrichtsstunden an der Kleist– Musikschule. Aktuell hat er 24 Schüler, die Bass, Gitarre, Ukulele oder Trommel spielen. Außerdem verkauft er mittlerweile schon zwei Platten und tourt. „Mit etwas Glück werde ich in diesem Jahr eine Solotour durch Brandenburg und Thüringen machen“, sagt er begeistert. Dass der gelernte Regelungstechniker dieses Leben führt, ist für ihn eine „logische Sache“.