Slubicer Kulturdirektor: Gewächs der Doppelstadt

Tomasz Pilarski (links) wird von seinem langjährigen Mitstreiter Tomasz Stefanski im Konzertsaal des Słubicer Kulturhauses Smok verabschiedet. Stefanski wird künftig das Smok leiten.
Peggy LohseDa trat etwa der selten so entspannte Bürgermeister Olejniczak auf die Bühne und überreichte ihm eine Zeichnung von Polens bekanntestem Karikaturisten Andrzej Mleczko. Sie zeigt eine Schnecke, die einen Grashalm erklommen hat, und ihrer Artgenossin zuruft: „Hat viel Mühe gekostet, aber die Eindrücke von hier oben sind phantastisch!“ Sein Vorvorgänger habe damals auf ein gutes Pferd gesetzt, fand Olejniczak. Altbürgermeister Bodziacki war es, der den damals als Jurist tätigen, aber kulturell umtriebigen Pilarski vor 16 Jahren ins Smok holte.
„Marketingexperten in Deutschland sind baff über diesen personalpolitischen Schachzug in Frankfurt“, feixte Pilarskis Alter Ego und Smok–Nachfolger Tomasz Stefanski. Die Anspielung galt dem Wechsel nach Frankfurt, wo Pilarski nun das Stadtmarketing leitet. „Feinfühlig, Teamplayer, versteht es, Menschen zu begeistern“, sagt Stefanski ganz im Ernst über ihn. „Wir sind traurig, dass er geht. Auch wenn wir weiter zusammenarbeiten werden.“ Der erst 43–jährige Pilarski hatte im Smok 20 Mitarbeiter. Beim Stadtmarketing sind es zehn – eingebettet in einen ungleich größeren professionelleren Kulturbetrieb. Der Słubicer saß im Aufsichtsrat der Messe– und Veranstaltungs GmbH und liebäugelte schon länger mit einem Posten in Frankfurt.
Pilarski ist ein Gewächs der Doppelstadt. Schon vor 1989 besuchte er in Frankfurt seine Oma, die im Halbleiterwerk arbeitete. Studierte Jura an der Viadrina, organisierte 1999 das erste Konzert seines Chors „Adoramus“ mit dem Brandenburgischen Staatsorchester. Es folgten 750–Jahrfeier, Europagarten, EU–Beitrittsparty, Deutsch–Polnisches Kulturjahr. Pilarski mauserte sich zum grenzübergreifenden Eventmanager und baute das Smok aus.
Als Marketing–Ass, etwa im ihm fremden Tourismusbereich, außerhalb des gemütlichen kleinen Smok muss er sich erstmal beweisen. Dennoch ist die Personalie für die Doppelstadt schon jetzt besonders: Pilarski ist der erste Pole in einer Leitungsposition in Frankfurts Verwaltung. „Ich hab mir gewünscht, dass er es macht“, sagt sein Vorgänger Stephan Felsberg, der mit Pilarski den Kulturkalender für Frankfurt und Słubice auf den Weg brachte. Pilarski hält das dicke Aprilheft in der Hand: „20 Jahre haben wir auf sowas gewartet.“. Sein Ziel: Dafür sorgen, dass Menschen das breite Kulturangebot auch wahrnehmen.