Roland Heermann, seine Tochter Katharina und der Rest des siebenköpfigen Teams bauen auf dem Anger in Frankfurt (Oder) drei Tage lang die riesige Bühne auf. Beim Abschlusskonzert des Festivals „Klassik ohne Grenzen“ am Samstag (2. September) wird darauf Platz für knapp 90 Musikerinnen und Musiker sein. Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (BSOF) und die Philharmonie Zielona Góra stehen unter Leitung von Generalmusikdirektor Rafal Kłoczko beim sinfonischen Abschlusskonzert auf der Bühne.
Roland Heermann ist selbst Orchestermusiker, spielt hauptberuflich im philharmonischen Orchester Bremerhaven Bassposaune. 17 Jahre lang war er im Orchestervorstand, erzählt er. Von zehn bis 15 geplanten Open-Air-Konzerten hätten nur eine Handvoll stattfinden können – wegen des Wetters. Dann stieß er auf eine Firma, die „richtig gute Bühnen“ macht. Als diese ihren Betrieb aufhob, landete einiges an Material, das für den Schrott gedacht war, bei ihm – und er entwickelte das Konzept weiter.

„Neun Stunden Sonne“ – Hoffnung auf gutes Wetter in Frankfurt

Im Nebenerwerb sind er und sein Team – seine Tochter spielt Geige, die anderen sind angehende Ingenieure von der technischen Hochschule in Hannover – zwischen Ende Mai und Mitte September unterwegs, um Bühnen aufzubauen, etwa in Winterthur in der Schweiz, Osnabrück, Frankfurt am Main – und eben im Frankfurt an der Oder. Seine Firma Symphonic Stage ist, wie man dem Namen auch entnehmen kann, spezialisiert auf Symphonieorchester. Die Bühne, die das Team gerade in Frankfurt zum zweiten Mal aufbaut, kam zum Abschluss der Sommerklänge 2022 auch bei den Orchestermusikern gut an, berichtet Stadtmarketing-Leiter Tomasz Pilarski.
Die muschelartige Bühne nahm in den vergangenen Tagen ihre spezielle Form an.
Die muschelartige Bühne nahm in den vergangenen Tagen ihre spezielle Form an.
© Foto: Lisa Mahlke
Sie hätten den Klang gelobt sowie den Fakt, dass sie auf der Bühne geschützt vor dem Wetter sind. Pilarski und Eventmanager Robert Reuter wollen aber gar nicht gerne übers Wetter sprechen. „Neun Stunden Sonne“, sagt Pilarski beim Blick auf sein Handy. Die beiden müssen auch optimistisch sein – es gibt nämlich keine Regenvariante für das Konzert. Im vergangenen Jahr kamen 4000 Besucher, einen adäquaten Ersatzort mit Dach gäbe es nicht, sagen sie. Wer sichergehen will, sollte also einen Schirm einpacken.

Klassik sowie Musik aus Musicals und Filmen

Die Grabplatten werden diesmal umzäunt, kündigen die Veranstalter an.
Die Grabplatten werden diesmal umzäunt, kündigen die Veranstalter an.
© Foto: Lisa Mahlke
Einpacken kann man auch einen Stuhl und etwas zu essen, die Veranstalter stellen allerdings auch 3000 Stühle zur Verfügung, es wird wieder Getränke, Eis, Deftiges und „feine Weine“ geben. Die Grabplatten werden dieses Mal umzäunt, das sowjetische Ehrenmal allerdings, das ohnehin über eine Treppe verfügt, werde nicht abgesperrt. Um 18.30 Uhr beginnt das Vorprogramm, um 19 Uhr das Konzert. Um sich einen guten Platz zu sichern, empfehlen Reuter und Pilarski, eine Stunde eher da zu sein.
Dann kann man „Rhapsody in Blue“ genießen, neben Klassik gibt es außerdem Musik aus Musicals wie Cats oder Phantom der Oper oder Broadway-Klassiker wie West Side Story sowie Filmmusik unter anderem aus Titanic und Jurassic Park. Während man im vergangenen Jahr zum Finale nur Filmmusik spielte, soll es in diesem Jahr ein Mix werden, erklärt Tomasz Pilarski.
Mit dem Generalmusikdirektor und Dirigenten Rafał Kłoczko habe er lange geplant, geprüft, ob die Noten überhaupt zur Verfügung stehen, wie viel sie kosten. Nachdem sich die Musiker der beiden Orchester einzeln mit den Stücken beschäftigt haben, folgen nun nach den drei Tagen Aufbau drei gemeinsame Proben am Donnerstag und Freitag in Frankfurt.

8000 Euro an Spenden kamen in Frankfurt (Oder) zusammen

Bis jetzt kamen nach Veranstalterangaben knapp 4000 Besucher zu den neun Konzerten der vergangenen fünf Wochen. Sie spendeten insgesamt 8000 Euro – mehr, als im vergangenen Jahr insgesamt.
Video vom Start der Sommerklänge am 30. Juli:
Das zeige auch das Engagement des Publikums, denn in diesem Jahr wird direkt für das Festival gesammelt. Das ist nämlich kostenlos und wird nur durch die beiden Förderer Stadt und Land sowie die fünf Partner Sparkasse, Hanseclub, IMD Labor, Wowi und Stadtwerke möglich, betont Robert Reuter. Im vergangenen Jahr gingen die Spendengelder an eine Musikschule im ukrainischen Irpin. Mittlerweile wurde dort zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein ordentlicher Flügel angeschafft, freut sich Tomasz Pilarski und zeigt ein Video aus der dortigen Aula.
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