Sommerserie
: Berthas Bismarckturm in Booßen

Auf dem großen Kapberg thront auf 116 Meter Höhe ein Koloss aus Feldsteinen. Von hier oben bietet sich Besuchern ein schöner Überblick.
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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  • Gemauert aus Feldsteinen: Der Booßener Bismarckturm ist 105 Jahre alt. Zwischen 2006 und 2012 fanden rund um das Bauwerk regelmäßig Sonnenwendfeiern statt. Seitdem scheint der Turm auf der höchsten Erhebung des Frankfurter Ortsteiles wieder in einen Dornröschenschlaf gefallen zu sein.

    Gemauert aus Feldsteinen: Der Booßener Bismarckturm ist 105 Jahre alt. Zwischen 2006 und 2012 fanden rund um das Bauwerk regelmäßig Sonnenwendfeiern statt. Seitdem scheint der Turm auf der höchsten Erhebung des Frankfurter Ortsteiles wieder in einen Dornröschenschlaf gefallen zu sein.

    René Matschkowiak
  • Wolfgang Conrad auf dem 116 Meter hohen Kapberg. Der Gipfel ist überwachsen mit Bäumen und Sträuchern.

    Wolfgang Conrad auf dem 116 Meter hohen Kapberg. Der Gipfel ist überwachsen mit Bäumen und Sträuchern.

    Thomas Gutke
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An der Kleinen Straße, die Richtung Rosengarten führt, zweigt an der Hausnummer 16E ein schmaler Feldweg ab. Eine nicht mehr ganz taufrische Informationstafel weist auf die Sehenswürdigkeit hin. 500 Meter geht es über den erst im Frühjahr freigeschnittenen Pfad, ehe das mehr als 100 Jahre alte Bauwerk zwischen einem Dickicht aus Akazienbäumen auftaucht.

Bertha Schulz stiftete den Turm

Bismarcktürme wurden errichtet, um Otto von Bismarck zu huldigen, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches. Die Standorte wurden so gewählt, dass die Bauwerke weithin sichtbar waren. Zu besonderen Anlässen, etwa an Gedenktagen, wurden Feuer auf den Türmen entzündet. In Booßen stiftete die patriotisch gestimmte Rittergutsbesitzerin Bertha Schulz das Bauwerk. Sie war die Witwe des 1899 verstorbenen Rudolph Schulz (1827-1899), der von 1874 bis 1877 für die Nationalliberale Partei im Deutschen Reichstag saß. 1913 begannen die Bauarbeiten. „Dafür hat die Familie extra Maurer aus Berlin kommen lassen. Die Feldsteine haben die Booßener Bauern mit Pferdewagen auf den Berg gefahren“, berichtet Ortschronistin Elke Schimczik. Am 1. April 1914 – dem 99. Geburtstag Otto Bismarcks – wurde er eingeweiht. Die Höhe des Turmes gibt die Ortschronistin mit gut 10 Metern an. Ganz oben befand sich eine Feuerschale, an der Ostseite eine Bronzetafel. Beides ist verloren gegangen. An der Westseite indes sind bis heute Krampen zum Hinaufklettern erhalten geblieben. Die Stufen sind nur per Räuber- oder einer anderen Leiter zu erreichen, wovon aus Sicherheitsgründen jedoch dringend abzuraten ist.

Regelmäßig fanden in den ersten Jahren nach dem Bau Gedenkfeiern am Turm statt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ging eine Bombe in der Nähe nieder. Doch die Säule überstand den Einschlag weitgehend unbeschadet. Zu DDR-Zeiten verwilderte das Gelände. Ab und zu hätten sich Liebespaare hierher verirrt, erzählt Elke Schimczik, für die der Kapberg auch ein Ort ihrer Kindheit ist. „Für uns war der Bismarckturm ein Abenteuerspielplatz. Meine Geschwister und ich spielten dort oft – und natürlich sind wir auch hinaufgeklettert.“

Erst nach der Wende bekam der Turm wieder größere Aufmerksamkeit. Der damalige Ortsvorsteher Günter Tabor nahm sich ab 1995 der Sache an. „Er wollte den Bismarckturm zu einem Ausflugsziel machen“, sagt Elke Schimczik. Tatsächlich wurde der Berg daraufhin von Wildwuchs befreit, Tische und Bänke errichtet. Doch erst nach einem weiteren großen Arbeitseinsatz 2006 erfüllte sich der Wunsch von Tabor. Im gleichen Jahr fand die erste Sonnenwendfeiern am Bismarckturm statt. Rund 100 Booßener und Gäste pilgerten auf den Kapberg. Bis 2012 fanden jährlich Feiern statt. Zuletzt jedoch fiel der Turm wieder in einen Dornröschenschlaf.

Wolfgang Conrad, der in direkter Nachbarschaft zu Hause ist, und Eberhard Vetter, bis vor kurzem Ortsvorsteher, wollen das gern ändern. Vor einigen Tagen waren sie mit zwei Mitarbeiterinnen der Stadt vor Ort. Der Turm ist denkmalgeschützt. Doch Feuchtigkeit setzt dem Bauwerk zu, weil Regenwasser in die Fugen dringt. Mehrere Steine seien deshalb schon herausgefallen. „Es besteht Handlungsbedarf“, sagt Conrad, der ebenfalls einiges über den Ort zu berichten weiß. „Eine Legende besagt, dass von hier aus ein Gang zum Schloss führt. Gefunden wurde er nie.“

Eberhard Vetter würde sich wünschen, dass hier oben wieder Sichtachsen freigeschnitten und weitere Sitzmöglichkeiten geschaffen werden. Zwar gibt es schon einige, doch entweder seien die morsch oder die tolle Aussicht ist zugewachsen. Nur an einer Stelle reicht der Blick bei gutem Wetter bis auf die großen Plattenbauten Frankfurts. Die sind zwar auch nicht von besonderer Schönheit. Aber beeindruckend ist die Aussicht trotzdem.

Anfahrt und Verpflegung

Zum Großen Kapberg geht es entweder über die B5 nach Booßen an den Abzweigen Schäferberg, Bergstraße oder Kleine Straße, sowie aus Rosengarten über die Booßener Straße. An der Kleinen Straße 16E führt ein Feldweg zum Bismarckturm. Wer sich vorher oder nachher stärken möchte, findet in der Berliner Straße 6 den Lebensmittelmarkt von Hannelore Kupke (geöffnet Mo.-Fr. 6.30-18 Uhr, Sa. 6.30-11 Uhr, So. 6.30-9 Uhr) oder in der Berliner Straße 19 die Bäckerei Baumgärtel (geöffnet Mo.-Fr. 6-17.30 Uhr, Sa. 6.30-10.30 Uhr). ⇥thg