Sportgeschichte: Wie aus Gerhard Lauke „Eddy“ wurde

Gerhard "Eddi" Lauke (2. von links) hatte ein Radmodell mitgebracht, wie er es zur WM 1974 gefahren war, sowie WM- und Friedensfahrttrikots. Gast des Abends waren ebenfalls die FRC-90-Talente Sanya und Stella Schniegler sowie Landestrainer Dan Radtke (von links)
Kerstin BechlyDie Räder mit modernem Karbonrahmen hatte Nationaltrainer Wolfram Lindner extra für Kanada besorgt. Lauke, Horst Tischoff, Hans-Joachim Hartnick und Karl-Dietrich Diers kamen mit dem Material gut zurecht und gewannen im Mannschaftszeitfahren über 100 km Bronze. Für den gebürtigen Ziltendorfer war es der erste internationale Erfolg. Das Training, so erzählt Lauke auf die Frage von Moderator Uwe Köppen, fand auf einer 20-km-Strecke zwischen Kienbaum und Hangelsberg statt. „Alle 20 bis 30 Sekunden haben wir uns in den zwei Stunden mit der Führung abgewechselt.“ Als seine Stärken bezeichnet der bescheidene Radpromi das Einzelzeitfahren und kollektive Verhalten.
DDR-Rekord im Zeitfahren
Sein Interesse am Sport auf zwei Rädern weckten bei einer Zeidelkirmes in Wiesenau zwei Radsportler. Doch auch, wenn der kleine Gerhard bei der BSG Stahl Eisenhüttenstadt ab 1963 vier Jahre fleißig trainierte, war „ich bei Rennen oft nur Teilnehmer, weil oft in Stürze verwickelt.“ Erst als Junior an der Sportschule Frankfurt stellten sich dank Trainingspartner wie Reinhard Scheer, Hartmut Stenzel und Horst Kaiser ab 1968 Erfolge im Bezirk ein. Der Sprung in die Nationalmannschaft gelang 1973 während einer Sichtung auf der Zeitfahrstrecke in Forst (Lausitz), wo der 21-Jährige neben dem Einzelzeitfahren über 50 km mit DDR-Rekord (1:06 h) und 75 km auch das Paarzeitfahren mit Tischoff gewann.
1976 sollte in besonderer Erinnerung bleiben. Da war der dritte Platz in der Gesamteinzelwertung bei der zweiten von drei Friedensfahrtteilnahmen mit der denkwürdigen Etappe von Tatranska Lomnica nach Krakow. Schnee Mitte Mai, der sich in Regen wandelte und dauerhafte Kälte. „Alle hatten so steife Finger, dass sie ihre Riegel nicht aus den hinteren Trikottaschen bekamen“, erinnert sich Gerhard Lauke. Er selbst gehörte – in kurzer Rennkleidung, aber mit Öl eingeschmiert – zur Spitzengruppe. Im Ziel wurde er von einem Sportjournalisten zur Etappe befragt: "Ich habe gesagt: Es war ein bisschen frisch heute. Ich wollte nur noch ins Hotel.“ Die 10. Etappe führte nach Frankfurt. Ein Foto vom drittplatzierten Lauke, der am Markt in Slubice einen Vorstoß gewagt hatte, findet sich im Frankfurter Sportbuch.
Groß waren die Hoffnungen bei Olympia in Montreal. Der DDR-Mannschaftsvierer (100 km) wurde Zehnter, "immerhin“, so Lauke. Denn nach 80 km auf Rang 3 liegend, stürzte Michael Schiffner, dann musste Hartnick nach Kettenschaden auf ein Ersatzrad umsteigen. 1976 wechselte Lauke, da seine Frau Cornelia in Frankfurt Handball spielte, auch vom SC Dynamo Berlin zum ASK Vorwärts. Im Herbst wurde Sohn Ronny geboren.
Lauke blieb in den folgenden Jahren erfolgreich, doch nach Knie-Problemen und OP beendete er 1980 seine aktive Zeit. An dieser Stelle seiner Biografie bat ihn Zuhörer Jürgen Behnke, das Geheimnis um seinen Spitzname Eddy aufzuklären. Das reicht zurück in die Grundausbildung bei der Bereitschaftspolizei. „Ein Ausbilder kannte damals nur einen bekannten Radsportler: den Belgier Eddy Merckx. So nannte er mich einzigem Radsportler in seiner Gruppe ebenfalls Eddy.“ Das zog Kreise ...
Als Trainer der lockere Typ
Als Lauke 1980 nach entsprechender Ausbildung ins Trainerfach umstieg und 16 Jahre blieb, gehörte gleich der Fürstenwalder Dan Radtke zu seiner Gruppe. „Dan war sehr ehrgeizig und fleißig. Er hat die Leistung gebracht, die abgefordert wurde“, lautet sein Fazit über den Junioren-Weltmeister 1981 mit dem Straßenvierer. Radtke, ebenfalls Gast in der Guten Stube, beschreibt seinen damaligen Trainer "als den lockeren Part neben Thomas Schediwie, der sehr gefordert hat. Eddy hat den Druck von uns genommen und dafür gesorgt, dass der Spaß erhalten blieb. Das versuche ich, an meine Sportler weiterzugeben“, sagt Radtke, der seit mehreren Jahren Landestrainer Sichtung ist.
Zwei seiner Talente, Sanya und Stella Schniegler, hat er vor drei Jahren an der Grundschule Lebus entdeckt. Seit dieser Woche besuchen die Zwillinge die Sportschule. „Ich hoffe, dass sie es weit bringen.“ Ihre Vorbilder würden sie regelmäßig in der Oderlandhalle sehen, wo die Nationalteams trainieren. Und vom 14. bis 18. August die Junioren-Weltmeisterschaften stattfinden. „Sie bringen ein neues Highlight in die Stadt“, freut sich der Organisationschef. Alles sei für die Titelkämpfe vorbereitet. Auch Gerhard Lauke nimmt sich Zeit dafür. Ansonsten ist der 67-Jährige, der in Wiesenau lebt, viel in Europa unterwegs und unterstützt Sohn Ronny, den er nach der Wende zu mehreren WM-Medaillen bei den Junioren führte und der inzwischen das erfolgreiche Frauenprofi-Team Canyon Sram Racing führt. Stolz blickt "Eddy“ auch auf seinen radsportbegeisterten noch aktiven Sohn Nico (39).
Weitere Gäste im Nachbarschaftstreff
Er lebt Karate mit Leib und Seele und das seit vielen Jahrzehnten: Frank Herrmann, Sportler und Trainer bei Blau-Weiß Frankfurt, ist nächster Gast im Nachbarschaftstreff "Gute Stube" (Pablo-Neruda-Block 2). Der Termin für den 5. MittwochsTalk ist noch in Klärung.
Moderator Uwe Köppen hat für weitere Gesprächsrunden bereits Zusagen des WM-Fünften im Judo und Amateurweltmeister im Sumo, Jörg Brümmer, sowie den mehrfachen deutschen Meister im Armwrestling, Udo Weiß.⇥keb
