Stadtarchiv Frankfurt (Oder): Private Ungarn-Urlaube von 1952 bis 1990 archiviert

Das Einwohnermeldeamt Frankfurt (Oder) registrierte bis 1990 wer in Ungarn Urlaub machte. Im Stadtarchiv kann man Einsicht beantragen.(Symbolfoto)
Silas Stein/dpaGar nicht verstaubt und auch für Kinder sehenswert, findet das Angebot des Stadtarchivs Franziska Wilke, die mit ihren zwei Kindern und Partner Daniel Felscher in das neue Stadtarchiv gekommen ist. Zusammen versuchen sie sich an Sütterlinschrift auf alten Schiefertafeln. Sozusagen ihre Lehrerin ist Annerose von Hünefeld. „Schon als Kind hat mich diese schöne Schrift interessiert“, betont sie. In fast poetischen Worten erzählt sie vom Schwung des Lebens den sie in der Schrift wiederfindet.
Privat-Ungarn-Urlaub archiviert
Jürgen Narosta setzt sich ebenfalls vor die Schiefertafeln und kramt ein bisschen in seinen Erinnerungen: „1950 habe ich mit so einer Schiefertafel das Schreiben gelernt. Damals befand sich in diesem Gebäude eine Schule.“ Der Schwamm zum Saubermachen der Tafel hing außen an der Schulmappe, erinnert er. Die alte Bürgerschule erkennt er nach dem aufwendigen Umbau zum Stadtarchiv gar nicht wieder. Traurig allerdings ist er darüber nicht, sondern eher froh, wieder hier sein zu können.
Archiv-Mitarbeiterin Constanze Rehfeld führt durch die neuen Räume und sorgt für die eine oder andere Überraschung. Im Archiv des Einwohnermeldeamtes von 1952-1990 etwa findet sich zu jedem Frankfurter, der in dieser Zeit hier gelebt hat, ein Karteikärtchen mit zumeist überraschenden Beschriftungen. So wurden nicht nur Geburtsdaten, Namen und Wohnadresse auf diesen Karten vermerkt, sondern auch wann man im Ungarn-Urlaub war oder wann man Westbesuch hatte; sofern dieser bei einem übernachtet hat. Die Einsicht in die Karten kann man im Archiv beantragen, erklärt sie.
Für Interesse sorgte auch die gut ausgestattete Restaurierungswerkstatt. Schließlich werden hier vorrangig alte Bauakten und Bücher vom Schimmel befreit. So wurden Bauakten im Krieg in das Stadion ausgelagert und teilweise auch im Schwimmbadbereich aufbewahrt, was dem Papier nicht gut bekam. Damit das zukünftig nicht passiert, sind die Räume bestens ausgestattet und gut auch vor Feuer geschützt. „Mit dem jetzt vorhandenen Platz kommen wir noch etwa 30 bis 40 Jahre hin“, schätzt Constanze Rehfeld, schließlich kommen auch immer neue Sachen hinzu.
Zum Schluss den Rundgangs gab es noch den derzeitigen Höhepunkt des Stadtarchives zu sehen. Einen erst im Januar fertiggestellten zehnminütigen animierten Film, zusammengefügt aus alten Frankfurter Fotos, das sich da noch unzerstört präsentiert. So gibt es alte Bilder aus der Stiftsschule im Gursch`schen Gestift, dem heutigen Mikado zu sehen, ebenso wie Fotos vom ersten Elektroauto in der Oderstadt. Das fuhr hier schon vor hundert Jahren. Auch ein Oktoberfest ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern war bereits 1931 zu erleben, wie zu sehen ist. „Das Archiv ist wirklich toll geworden“, findet Hans Joachim Schmidt, der schon zum zweiten Mal hier ist. „Bestimmt auch ein guter Arbeitsplatz“, meint er.
Das bestätigt Mitarbeiterin Karin Jünger. Wenngleich die Anfragen an das Stadtarchiv passend zum Thema des Tages „Von der Depeche zum Tweed“ immer mehr in digitale Richtung gehen. Auch dafür will sich das Stadtarchiv zukünftig rüsten. Und so werden immer mehr Unterlagen digitalisiert.