Stau in Slubice (Polen)
: Wut bei Anwohnern wächst – Bürgermeisterin in Warschau

Bei einer Bürgerversammlung in Slubice (Polen) forderten Anwohner Lösungen gegen das Stauproblem. Die Bürgermeisterin will in Warschau Unterstützung einfordern.
Von
Marlena Dumin
Słubice
Jetzt in der App anhören
In der Slubicer Innenstadt kommt es regelmäßig zu Staus.

In der Innenstadt von Słubice kommt es regelmäßig zu Staus. Das sorgt für viel Frust bei den Anwohnern.

Thomas Gutke
  • In Słubice gibt es regelmäßig Staus, die Anwohner frustrieren.
  • Bürgermeisterin Marzena Słodownik sucht seit Monaten nach Lösungen und will Unterstützung in Warschau einfordern.
  • Hauptursache sind Grenzkontrollen auf der A12.
  • Mehr als 28.000 Autos überquerten an einem Tag im Juli den Grenzübergang in Świecko.
  • Vorschläge und Frustrationen wurden auf einer Bürgerversammlung diskutiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Słubice wird seit Monaten nach einer Lösung für das Verkehrschaos gesucht, das insbesondere an Wochenenden und Feiertagen zu stundenlangen Staus führt. Bürgermeisterin Marzena Słodownik lud jetzt am Dienstag (19.11.) zu einer Bürgerversammlung zu dem Thema im Kulturzentrum Smok ein, an dem Vertreter verschiedener Behörden sowie rund 50 Anwohner teilnahmen. Auch von der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder) waren Vertreter vor Ort.

Tomasz Stefański, stellvertretender Bürgermeister, benannte noch einmal die aus seiner Sicht Hauptursache für die Staus: „Diese entstehen vor allem durch Grenzkontrollen auf der Autobahn A12 aufgrund einer Verengung auf der deutschen Seite. Viele Fahrzeuge versuchen daher, die Grenze in Słubice zu überqueren.“

Der Polizeibeamte Marek Waraksa von der Abteilung für Straßenverkehr der Woiwodschaft Lubuskie ergänzte mit Zahlen: An einem Tag im Juli hätten mehr als 28.000 Autos den Grenzübergang in Świecko überquert, Tausende andere seien auf Slubice ausgewichen. Doch: „Die Straßen in Słubice sind für solche Zahlen nicht ausgelegt.“

Treffen mit dem stellvertretenden Verkehrsminister

Frustriert äußerte sich auch Landrat Leszek Bajon. Er fahre seit fünf Jahren vergeblich mit Petitionen nach Warschau – doch nichts passiere. Słubice sei als Stadt aus einem Stadtteil einer größeren Stadt hervorgegangen und verfüge deshalb einfach nicht über die notwendige Infrastruktur.

Von links: Kommandant der Stadtpolizei in Słubice Wiesław Zackiewicz, stellvertretender Bürgermeister von Słubice Tomasz Stefański, Kommandant der Grenzschutzbehörde in Świecko Dariusz Drążkowski, Landrat der Woiwodschaft Lebus Leszek Bajon, Bürgermeisterin der Gemeinde Słubice Marzena Słodownik, stellvertretender Kommandant der Kreispolizeidirektion Piotr Marycki.

An dem Treffen zur dramatischen Verkehrssituation in Słubice nahmen Bürgermeisterin Marzena Słodownik, ihr Stellvertreter Tomasz Stefański sowie Vertreter der städtischen Dienste, der Polizei, der Grenzschutz und der Feuerwehr teil.

Marlena Dumin

Erst am Sonntag (17.11.) hatte es eine Demo gegen die Verkehrssituation in der Stadt gegeben. Bürgermeisterin Marzena Słodownik kündigte nun an, am Donnerstag (21.11.) mit Leszek Bajon nach Warschau zu reisen. Bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Minister für Infrastruktur und Verkehr wollen sie einmal mehr um Unterstützung bei der Lösung des Problems bitten.

Angespannte Stimmung bei der Bürgerversammlung in Slubice

Die Anwohner kamen mit vielen Fragen und viel Frust zu dem Treffen. Ein Teilnehmer meinte, dass „Polen will, dass Deutschland unser Problem löst, während es selbst nicht in der Lage ist, die polnisch-belarussische Grenze zu sichern, was zu Problemen mit Migranten führt.“ Ein anderer Słubicer kritisierte die Deutschen dafür, dass „sie das Schengen-Abkommen nicht respektieren“.

Von Anwohnern vorgeschlagen wurden unter anderem ein möglicher Verkehrsprotest in Frankfurt oder auch die Einführung einer Bürgerkarte sowie die Sperrung bestimmter Stadtgebiete für Durchreisende. Behördenvertreter bezeichneten Letzteres jedoch als nicht umsetzbar.

...

Rund 50 Einwohner kamen zur Bürgerversammlung, viele fühlen sich hilf- und machtlos.

Marlena Dumin

Es wurde auch danach gefragt, warum die Kontrollen auf der A12 nicht auf die polnische Seite nach Świecko verlegt werden könnten. „Die Zustimmung muss vom polnischen Minister des Innenministeriums und der Verwaltung (MSWiA) erteilt werden. Ich weiß nicht, warum er sie nicht erteilt hat“, sagte dazu der Kommandant der Grenzschutzbehörde Dariusz Drążkowski.

Allerdings würde auch eine Verengung auf einen Fahrstreifen auf der polnischen Seite seiner Ansicht nach nicht viel ändern. Hinzu komme, dass eine Verlegung ebenso die Anwesenheit polnischer Dienste erfordere. „Und wir haben mit Personalmangel zu kämpfen“, erklärt Dariusz Drążkowski.

Was Sören Bollmann aus Frankfurt (Oder) vorschlägt

Sören Bollmann, Leiter des deutsch-polnischen Kooperationszentrums, versicherte, dass das Rathaus in Frankfurt (Oder) weiter versuche, die Bundesregierung zu einer Änderung der Kontrollen auf der Autobahn in Świecko zu bewegen. Eine Möglichkeit sei, „den Kontrollbereich in Świecko in Richtung Wald zu erweitern“, schlug er vor.

Auch könne er sich Schilder vorstellen, auf denen Autofahrer gebeten werden, „bei Stau nicht von der Autobahn abzufahren“ – ein Vorschlag, der von vielen Einwohnern mit einem ironischen Lächeln zur Kenntnis genommen wurde. Polizeikommandant Marycki kommentierte, dass dies keine gute Lösung sei, da „Verkehrsteilnehmer in Polen über Verkehrsverstöße nur lachen“.

Eine enttäuschte Einwohnerin fasste das Treffen mit den ernüchternden Worten zusammen, dass sie eigentlich „nur erfahren hat, dass es keine Lösungen gibt und sich niemand für Słubice interessiert“. Sie fügte hinzu, dass die Probleme der Gastronomie und kleinen Unternehmen vergessen werden.