Tag des Sieges
: Gedenktafel vom Panzerdenkmal in Słubice demontiert

Auf Anordnung des Wojewoden verschwand die Gedenktafel mit kyrillischer Inschrift im Słubicer Ortsteil.
Von
Nancy Waldmann
Slubice
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  • Denkmal vor der Dekommunisierung: Die Tafel im Słubicer Ortsteil enthielt in kyrillischer Schrift die Namen von 43 sowjetischen Soldaten, die bei den Kämpfen in Kunersdorf im Februar 1945 gefallen sein sollen.

    Denkmal vor der Dekommunisierung: Die Tafel im Słubicer Ortsteil enthielt in kyrillischer Schrift die Namen von 43 sowjetischen Soldaten, die bei den Kämpfen in Kunersdorf im Februar 1945 gefallen sein sollen.

    Nancy Waldmann
  • Der nackte T34-Panzer im Słubicer Ortsteil Kunowice nach der Demontage der Gedenktafel.

    Der nackte T34-Panzer im Słubicer Ortsteil Kunowice nach der Demontage der Gedenktafel.

    Daniel Szurka/Nasze Słubice PL
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Doch seit diesem Jahr ist die Tafel mit den 43 Namen von Soldaten fort, die vor dem Panzer wie ein Grabstein stand. „Ewige und unauslöschbare Ehre den Helden, die im Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat fielen“, stand rüber. Gemeint sind Soldaten der 11. Panzer–Division der Roten Armee, die in Kämpfen mit Wehrmachtseinheiten am 3. Februar 1945 im damaligen Kunersdorf gestorben sein sollen. Die verschwundene Tafel empörte viele Słubicer.

Tatsächlich entfernte die Gemeinde selbst auf Anordnung des Wojewoden Władysław Dajczak die russischsprachige Tafel, weil sie gegen das „Propagandaverbot von Kommunismus und anderen totalitären Systemen“ verstoße, das seit 2016 in Polen gilt. Das Denkmal erinnere an „einen taktischen Armee–Verband“, dessen „erstes Ziel nicht die Befreiung Polens“ gewesen sei, „sondern die Realisierung der imperialen Politik Stalins" – so die Begründung, die auf einem Gutachten des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) beruht. Seit das Gesetz zur sogenannten Dekommunisierung in Kraft trat, wurden tausende Straßen in Polen umbenannt sowie hunderte Denkmäler beseitigt, die an sowjetische Soldaten erinnern, teils auch an polnische Einheiten, die an der Seite der Roten Armee kämpften. Aber manche Gemeinden, gerade in Westpolen, die ihre Denkmäler behalten wollten, setzten auch Kompromisse gegen Warschau durch. Unberührt von dem Gesetz sind Denkmäler auf Friedhöfen.

In Słubice wurde 2018 lediglich die Inschrift eines Gedenksteins an der Straßenmündung ul. Kosciuszki nahe des Biedronka–Marktes entfernt. Der war beim deutsch–polnischen Freundschaftstreffen der Jugend 1977 im Beisein von Parteichef Edward Gierek eingeweiht worden. Das Denkmal auf dem Platz der Helden (Plac Bohaterów), das seit der Sanierung 2011 allgemein an „Gefallene des Zweiten Weltkriegs erinnert und an dem Stadtvertreter jedes Jahr zum 8. Mai Blumen ablegen, wurde nichts gesetzeswidriges gefunden. Für den T34–Panzer in Kunowice aber habe sich zwischenzeitlich schon das Warschauer Nationalmuseum interessiert, so Roland Semik, ehrenamtlicher Denkmalpfleger in Słubice. Er wollte das Denkmal erhalten und regte damals an, die Steintafel mit der russischen Inschrift zu verhüllen. Doch der Vorschlag geriet wohl in Vergessenheit. Post vom Wojewoden ließ auf sich warten, die Dekommunisierung schien ausgestanden ausgestanden. Ende Mai 2019 kam das Schreiben aus Gorzów dann doch. Die Tafel mit den Namen suggeriere, dass es sich um eine Kriegsgräberstätte handele, doch belegen dies keinerlei Dokumente, so der Wojewode. Friedhofsschutz gilt für das Denkmal also nicht. Selbst in russischen Kriegsgräberverzeichnissen komme Kunowice nicht vor, bestätigt Roland Semik. Nach 1945 gab es dort Soldatengräber, doch wurden diese später umgebettet. "Ob nach Rzepin oder nach Cybinka, weiß ich leider nicht“, sagt Semik.

Erst Anfang des Jahres kam die Stadt der Aufforderung nach, baute die Tafel ab und lagerte sie im stadteigenen Depot ein. Der sowjetische Panzer hingegen durfte stehen bleiben — zur Freude von Ortsvorsteher Paweł Sokołowski. „Dieser Panzer ist doch das Wahrzeichen unseres Dorfes“, sagt er.

Panzer Mitte der 90er getauscht

Der T–34 steht dort jedoch erst seit Mitte der 90er Jahre. Er ersetzte einen Panzer anderen Typs, der bei den Kämpfen in Kunersdorf 1945 ausgebrannt sein soll. Ein Militärmuseum bei Zielona Góra sicherte ihn sich.

Um die Tafel mit den für ihn unverständlichen kyrillischen Namen ist es Ortsvorsteher Sokołowski nicht schade. Das sei eher so ein Zeichen der alten Zeit gewesen, findet er.

Allerdings steht der Panzer nun nackt und ganz ohne Erklärung da. „Ja, eine neue Tafel könnte man vielleicht anbringen“, überlegt er. Die möge dann einfach an alle Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnern, sagt er.