Theater
: Bürgerbühne am Kleist Forum Frankfurt (Oder) startet im Herbst in neue Spielzeit

Die Bürgerbühne am Kleist Forum Frankfurt (Oder) zeigt ab Herbst fünf Premieren.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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Hannes Langer, Leiter der Bürgerbühne am Kleist Forum in Frankfurt (Oder), und Jean-Pascale Paulus (v.l.) aus dem Jugendclub freuen sich auf die neue Spielzeit mit dem gerade entstehenden Studio B, das früher Probebühne war. Detlef Konrad Preuß zeigt das noch zu montierende Lichtschild.

René Matschkowiak

Sonst waren diese immer in das Heft des Kleist Forums integriert. Noch muss er allerdings die Füße stillhalten. Im Plan steht die erste Premiere für „Herbst 2020“, auf der Studiobühne – Daten und Orte sind jedoch ohne Gewähr, wie Florian Vogel, künstlerischer Leiter des Kleist Forums, betont. Denn noch ist unklar, wann es wieder voll losgeht für die Veranstaltungsbranche. Die Pressekonferenz zum Programm der Bürgerbühne „ist der erste öffentliche Akt“ seit Langem.

Auslastung in Frankfurt bei 85 Prozent

Obwohl Bürgerbühnen bundesweit eine Nische sind, so Florian Vogel, liegt die Auslastung in Frankfurt immer bei mindestens 85 Prozent. Jetzt, im fünften Programm, ist nicht nur Hannes Langer als Regisseur aufgeführt, sondern es sind auch drei weitere Namen zu lesen. Die drei Gastregisseurinnen Gudrun Herrbold, Uta Plate und Hanne Seitz arbeiten und lehren sonst in Potsdam, Berlin, Braunschweig, Hildesheim, Hannover, Gießen, Kopenhagen, Burkina Faso. Passt das zu Theaterprojekten, die die Bürger der Stadt selbst gestalten, in denen es um ihre Themen geht? „Menschen von außen sind grundsätzlich notwendig in der Kunst“, sagt Florian Vogel. Auch die Bürgerbühne brauche das. „Denn wenn es zu hermetisch ist, wird es im schlimmsten Fall Folklore.“ Die Gäste, die nach Frankfurt kommen, seien außerdem keine „Hamlet- oder König-der-Löwen-Musical-Experten“, sondern hätten sich eigentlich ihre gesamte Regielaufbahn mit Bürgerbühnen oder biografisch-dokumentarischen Theaterprojekten befasst.

Rahmenprogramm mit Bezug zur Stadt

Auch das Rahmenprogramm sei absichtlich so gewählt, dass es einen Bezug zur Stadt gibt, sagt Hannes Langer. So ist unter anderem eine szenische Lesung mit dem Frankfurter Krimibuchautor Bernd Hesse geplant, im Studio B. Dieses ist eine neue Spielstätte, die mit der Lesung eröffnet wird und bislang als Probebühne in Betrieb war. Das Studio B soll eine kleine Diskursbühne werden, ein Ort des Zusammenseins, für kleine Produktionen. Thematisch geht es ab September bei der Bürgerbühne um Identitätskonflikte, Abgrenzung, unter dem Motto „Du, ich, wir – und die anderen“. „Das Dasein definiert sich dadurch, dass Menschen sich abgrenzen“, sagt Hannes Langer. Auf den Straßen in den USA sei dieses Thema gerade aktuell. Nachdem das Motto der Spielzeit klar war, „folgte die Realität auf dem Fuße“, so der Frankfurter.

Im ersten Stück, das Premiere feiert, geht es um Zwölftklässler, die ihr Abiturzeugnis bekommen und danach sofort die Stadt verlassen wollen, erklärt der Leiter der Bürgerbühne. Das zweite Stück sei ein Eltern-Großeltern-Kinder-Portrait mit den Visionen der Enkelkinder derer, die 1989/90 auf die Straße gingen. Da gebe es dann eine Schnittstelle mit den Plänen des Kleist Forums, wo für Herbst eine deutsch-deutsche Produktion – ein Stefan-Heym-Abend mit Robert Stadlober – geplant ist. Im dritten Stück, dem Tanztheaterabend „Connected – Disconnected“, geht es darum, wie Nähe medial über Distanz vermittelt wird. „Im freien Fall.“ behandelt die Geschichten Jugendlicher, die sich am rechten Rand radikalisieren. „Vaterlos! Wunden der Kindheit“ schaut auf Biografien von Menschen, die ohne Vater aufgewachsen sind.

Der 17-jährige Jean-Pascale Paulus gehört zu den Jugendlichen, die bei „Die Enkel der friedlichen Revolution“ mitmachen. Er hat in seiner Familie Material gesammelt, zum Beispiel einen FDJ-Ausweis und von einem Bekannten ein blaues Jungpioniertuch. „Ich hätte die Premiere schon gerne hinter mich gebracht“, sagt er lachend.

48 Stunden improvisieren

„48 Stunden ohne Plan“, erklärt Hannes Langer, ist eine neue Reihe, in der von Freitag, 18 Uhr, bis Sonntag, 18 Uhr – mit Pausen – improvisiert wird. Spielwütige können genauso mitmachen wie alle, die glauben, ihre Spontanität verloren zu haben. In „Vordenken. Nachdenken.“ komme man mit Denkern unserer Zeit ins Gespräch.

Das Programm

Die Spielzeit beginnt mit der Inszenierung "Kleinstadtkinder – Ein letzter Tag in Frankfurt!" (Regie: Hannes Langer) auf der Studiobühne im Herbst. Dann kommt auch der biografisch-dokumentarische Theaterabend "Die Enkel der friedlichen Revolution." (Gudrun Herrbold) auf die Bühne. Es folgen im Frühjahr der Tanztheaterabend "Connected – Disconnected." (Hanne Seitz) und "Im freien Fall." (Uta Plate). Im Sommer 2021 feiert "Vaterlos! Wunden der Kindheit" (Hannes Langer) Premiere. Zudem beginnen die neue Improtheaterreihe "48 Stunden ohne Plan" und die Diskussionsreihe "Vordenken. Nachdenken." (jeden 1. Donnerstag im Monat). Ende August startet eine internationale Projektwoche mit einem Liederabend um Maik Pistiak sowie einer szenischen Lesung zu Bernd Hesses "Hölle".⇥sam