Träume: Auf dem Baumwipfelpfad in die Oderphilharmonie
Enthusiastisch sei er, sagt Tomasz Stefanski, Leiter des Słubicer Kulturhauses Smok. Vor ein paar Monaten saß er mit Sören Bollmann vom Frankfurt–Słubicer Kooperationszentrum und dem Chef des Frankfurter Stadtmarketings Tomasz Pilarski zusammen, um für den Gemeinsamen Handlungsplan der Städte Pläne für die Kultur zu machen. Da sei die Idee der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2029 aufgekommen. „Ich hoffe, dass dies zu einer größeren Investition für die Doppelstadt führt. Oder zumindest eine solche auf den Weg bringt.“ Stefanski kann sich einiges vorstellen: Ein neues Kulturhaus, eine „Kulturplattform" – möglicherweise angebunden an eine Fußgängerbrücke über den Fluss. Darin könne sich auch eine Oderphilharmonie befinden. „Oder eine mobile schwimmende Konzertbühne auf dem Wasser ähnlich wie in Breslau, samt einer neuen Promenade“, schwebt Stefanski vor. Er sieht die Kulturhauptstadt im Zusammenspiel mit einer möglichen Bewerbung zur Landesgartenschau, die Frankfurt und Słubice ausgelotet hatten als Stadtvertreter im April bei der Bundesgartenschau in der Partnerstadt Heilbronn zu Besuch waren. Eine Promenade über die Oder mit Amphitheater, Cafés und kinetischen Skulpturen à la Anthony Howe — davon träumt Anna Panek–Kusz, Kuratorin der im Smok ansässigen Fotogalerie Okno und des Kunstfestivals „Labirynt“. „Vielleicht auch ein Baumwipfelpfad von Słubice nach Frankfurt“, überlegt sie. „Ein kulturelles Zentrum sind wir schon, wir brauchen jetzt Geld für Infrastruktur und ungewöhnliche und visionäre Maßnahmen“, findet Panek–Kusz.
Konzert–Pianist Christian Seibert sieht die Zeit für die Oderphilharmonie gekommen, die er seit langem als Vorsitzender des Fördervereins vorantreibt. „Eine unfassbar tolle Idee“, sagt er zum Vorhaben Kulturhauptstadt 2029. Da Frankfurt und Słubice etwas Großes wollen, müsse auch etwas Großes dazu kommen, ein künstlerischer und baulicher Glanzpunkt. „Für die Stadt ist es eine schöne Gelegenheit, sich zu einem grenzüberschreitenden Konzert– und Eventhaus zu bekennen“, sagt der FDP–Stadtverordnete.
Auch der künstlerische Leiter des Kleist Forums Florian Vogel sieht Frankfurt gewappnet: „Was die kulturelle Vielfalt anbelangt, könnte die Doppelstadt schon heute als geheime europäische Kulturhauptstadt fungieren. Auch die potentielle `Hardware` ist vorhanden und kann bis 2029 nachhaltig ausgebaut werden.“ Wie kaum ein anderer Ort biete die Doppelstadt Möglichkeiten, die europäische Idee kulturell zu leben — mit Partnern über die Stadtgrenzen hinaus. „Mit dieser Bewerbung gibt es die große Chance, zwei mittlere Städte ganz weit nach vorne zu bringen, um endlich auch überregional den Ruf zu erlangen, den wir längst verdient haben“, betont Vogel. Im Raum steht auch die parallele Bewerbung mit der finnisch–schwedischen Partner–Doppelstadt Tornio/Haparanda. „Das könnte unsere Chancen erhöhen“, so Tomasz Stefanski.




