Triathlon: Radsportler der Extreme macht Halt in Frankfurt (Oder)

Jonas Deichmann, ein Radsportler der Extreme, der über 300 Kilometer an einem Tag fährt, macht Halt in Frankfurt (Oder).
René Matschkowiak„Ganz ehrlich“, sagt er lachend, „hätte ich nicht das Bild der Holzhütte mit Campingbett in der Marina Winterhafen in Frankfurt vor Augen gehabt, hätte ich mein Zelt schon früher aufgeschlagen“. Früher heißt: nach 280 Kilometern. Allerdings ist eine Hütte mit Dusche neben dran auch Luxus gegenüber einem Zelt am Feldrand. Jonas Deichmann ist auf einem Triathlon rund um Deutschland unterwegs, um sich auf seinen Triathlon rund um die Welt vorzubereiten.
Radsportlich sind ihm die Herausforderungen ausgegangen, erzählt er abends bei belegten Broten und Frankfurter Radlern mit Blick auf die Oder, deswegen jetzt Triathlon. Gerade im vergangenen Jahr ist er vom Nordkap in Norwegen nach Kapstadt zum Südcup in Afrika mit dem Fahrrad gefahren. Nach 72 Tagen, 7 Stunden und 27 Minuten war seine Rekordfahrt über 18 000 Kilometern zu Ende. Er war 30 Tage schneller als der bisherige Weltrekordhalter. Diese Weltrekorde, insgesamt sechs, in den Ultralangdistanzen bei verschiedenen Durchquerungen von Kontinenten, pflastern seinen noch recht jungen Weg als Extremsportler.
2017 hat er seinen Job in einer Softwarefirma aufgegeben, um sich ganz diesem Extrem–Abenteuer zu widmen. Der 33–Jährige schreibt Bücher wie auch über seine Fahrt vom Nordkap zum Südcup und hält Motivationsvorträge. In Frankfurt ist er zum ersten Mal. „Das ist wahnsinnig schön hier“, sagt er. Gerade aus Sicht eines Fahrradfahrers. „Hinter Schwedt bis nach Frankfurt gibt es ja nur Natur“, schwärmt er. So etwas ist auch in Deutschland einmalig, findet der Mann der Extreme. Ein wenig vermisst er dennoch die Berge. Zum morgendlichen Aufwärmen mit dem Rad werden aber wohl auch die Lossower Kurven hoch taugen, hofft er.
Bis zu 8000 Kalorien am Tag verbrennt er auf seinen Wegen. Da hilft nur, permanent zu essen. Genau das, was andere oftmals wegen ihrer guten Figur verbannen. „Ich habe meine Trikottaschen immer voller Schokoriegel“, sagt er. Jonas Deichmann ist kein Aufschneider, der mit seinen Taten prahlt, sondern ein sympathischer Typ. Lebensgefährliche Risiken würde er auch nicht für Sponsoren eingehen, erzählt er. Nur die Maßstäbe, was wirklich lebensgefährlich ist, sind vielleicht andere.
In Afrika hat er sich drei Lebensmittelvergiftungen eingehandelt. Die letzten Wochen hat er dann nur noch Reis mit Ketchup gegessen, um dieses Risiko auszuschließen. Den gefährlichsten Straßenverkehr für ihn als Radfahrer verortet er in Russland und auch in Afrika. In Ägypten ist er in Unruhen geraten und wäre fast selbst angegriffen worden. Außerdem saß er eine Nacht im Gefängnis, weil er weiterfahren wollte, die örtliche Polizei wollte das aber nicht. In Zentralamerika hatte er große Sicherheitsbedenken wegen rivalisierender bewaffneter Banden.
„Es macht einfach Spaß“
Trotz allem findet Jonas Deichmann das Erleben mit dem Fahrrad sehr intensiv. „Es macht einfach Spaß“, sagt er. Trainieren kann man solche Distanzen kaum. „Irgendwann entscheidet der Kopf, ob man weiterfährt“, weiß er. Dasselbe gilt für das Schwimmen und Laufen, die zum Triathlon gehören. 60 Kilometer Schwimmen im Bodensee hat er schon hinter sich gebracht. Jetzt sind die 3000 Kilometer Radfahren dran. Danach läuft er noch 670 Kilometer. Das entspricht etwa 16 Triathlondistanzen. Um die Welt noch in diesem Jahr sollen es dann 120 davon werden.