Über 500 Anrufe täglich: Regionalleitstelle Oderland in Frankfurt braucht mehr Platz
An diesem Vormittag ist es vergleichsweise ruhig. Konzentriert sitzen fünf Disponenten, darunter ein Lagendienstschichtführer, mit Headset vor mehreren Displays. Ein Leitstellenmitarbeiter beruhigt eine Anruferin, fragt nach dem Wo und Was. Der Rettungsdienst sei unterwegs, erklärt er und animiert zur Ersthilfe: „Bringen Sie Ihren Mann erst einmal in eine stabile Seitenlage.“
Fast 10 000 Fehlanrufe
Gut 185 000 Anrufe liefen 2019 in der Regionalleitstelle auf. Bei knapp 107 000 Anrufen handelte es sich tatsächlich um Notrufe – fast 300 pro Tag. Gemeldet wurden Brände, Verkehrsunfälle, umgestürzte Bäume. Hinzu kamen rund 78 000 Anrufe, die mit dem Notrufgeschehen wenig zu tun hatten. Von Betrunkenen, die sich nach Hause fahren lassen wollten, bis hin zu 9896 Fehlanrufen, weil die Tastensperre am Smartphone nicht eingeschaltet war.
„Der Notruf wird auch gewählt, wenn die Straßenlaterne kaputt ist“, nennt Carsten Greim ein weiteres Beispiel. Er leitet die Regionalleitstelle, die seit Jahren einen steten Anstieg der Anrufzahlen verzeichnet. Der demografische Wandel sei ein Grund dafür. Ein anderer die fehlenden Ansprechpartner in den Kommunen. „Bei den Ordnungsbehörden wurde personell in den letzten Jahren überall zurückgeschraubt“, erklärt er. Mangels Alternativen wählen viele Bürger daher die 112, wenn sie auf Gefahren oder Probleme aufmerksam machen möchten. „Unsere Disponenten geben die Informationen an die Kommunen weiter. Auch wenn es kein Notruf ist, muss es erledigt werden. Denn wenn eine Stunde später jemand stürzt, dann heißt es: Ich habe doch angerufen, warum habt ihr nichts gemacht?“
Ein großer Fortschritt aus Sicht der Disponenten: Seit vorigem Jahr verfügt der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst der KVBB ebenfalls über eine eigene Leitstelle, zu der seit Ende Januar eine Direktverbindung besteht. Stellt sich das medizinische Anliegen eines Anrufers als nicht akut heraus, vermitteln Greims Kollegen direkt nach Potsdam – zur 116 117 – weiter. Vernetzt ist die Regionalleitstelle auch mit Gas-, Wasser- und Stromversorgern, den Ordnungsämtern und der Bahn. Zudem sind viele Brandmeldeanlagen von Einrichtungen wie dem Klinikum in der Leitstelle aufgeschaltet. Damit einher geht allerdings auch eine wachsende Zahl von Fehlalarmen.
Die Aufgaben der Leitstelle, so Greim, hätten in den vergangenen Jahren zugenommen. Um die Qualität zu halten – die durchschnittliche Anrufannahmezeit beträgt 10 Sekunden – steuert das Frankfurter Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen daher dagegen. Die Zahl der Disponentenstellen soll von jetzt 31 auf 37 steigen. Tagsüber werden dann sechs und nachts fünf Mitarbeiter in Zwölf-Stunden-Schichten 3,5 Tage die Woche Dienst tun. Grundlage für die Personalbemessung ist ein Gutachten, über das die Stadt und die Landkreise jedoch noch mit den Krankenkassen als größtem Kostenträger streiten.
Klar ist: Bei der Regionalleitstelle wird personell aufgestockt. Und das hat auch Konsequenzen für den Raumbedarf. „Der Personalaufwuchs ist so groß, dass die Betriebsräume aus allen Nähten platzen“, sagt Amtsleiter Helmut Otto. Mittelfristig sei ein Neu- oder Erweiterungsbau an der Feuer- und Rettungswache in der Heinrich-Hildebrand-Straße die beste Lösung. Eine Machbarkeitsstudie dazu ist in Arbeit. Danach müssten Gespräche mit den Landkreisen und dem Land über Finanzierungsmöglichkeiten geführt werden.
Zahlen zur Regionalleitstelle Oderland
Exakt 184 831 Anrufe liefen 2019 in der Regionalleitstelle aus dem Gebiet zwischen Erkner, Bad Freienwalde, Beeskow und Frankfurt auf, davon 106 724 Notrufe. Daraus folgten 60 216 Rettungswageneinsätze (allein knapp 9000 davon in Frankfurt). In 18 128 Fällen wurde zusätzlich der Notarzt alarmiert. Außerdem wurden 1695 Brände und 3489 technische Hilfeleistungen bearbeitet. Bei 76 Anrufen führten Disponenten eine Telefonreanimation durch. Die Leitstelle zählte 9869 Fehlanrufe und 3866 Fehlalarme durch Brandmelder.⇥thg



