Unterhaltung
: Kämpfer für das Gute - das war der 26. MOZ-Talk

Ob Klima-Retter, philosophierende Schauspieler, Kleist-Fans, kämpferische Ex-Leistungssportler oder musikalische Comebacks – der Umgang mit Widerstand war ein roter Faden bei den Gästen
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt
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  • Karussell gehörte neben Karat, City und Silly zu den populärsten Rockbands der DDR. Nach 17 Jahren Pause feierte Wolf-Rüdiger Raschke mit seiner Band das Comeback ...

    Karussell gehörte neben Karat, City und Silly zu den populärsten Rockbands der DDR. Nach 17 Jahren Pause feierte Wolf-Rüdiger Raschke mit seiner Band das Comeback ...

    Gerrit Freitag
  • Die Siebtklässlerin Bibiane Buckler und der Student Robert Gidius organisierten die Klima-Demos in Frankfurt. Mit ihrem rosa Kleid war Lilo Wanders einer der Blickfänge im Kleist Forum.

    Die Siebtklässlerin Bibiane Buckler und der Student Robert Gidius organisierten die Klima-Demos in Frankfurt. Mit ihrem rosa Kleid war Lilo Wanders einer der Blickfänge im Kleist Forum.

    Gerrit Freitag
  • Robert Stadlober stand mit 13 vor der Kamera. Nächster Film: "Und der Zukunft zugewandt"

    Robert Stadlober stand mit 13 vor der Kamera. Nächster Film: "Und der Zukunft zugewandt"

    Gerrit Freitag
  • Gegen Klischees und Schubladendenken kämpft Hannah Lotte Lund unermüdlich an.

    Gegen Klischees und Schubladendenken kämpft Hannah Lotte Lund unermüdlich an.

    Gerrit Freitag
  • ... weil Sohn Joe unbedingt mit seinem Vater auf der Bühne stehen wollte. Er kannte die Texte von früher. Das MOZ-Publikum feierte sie.

    ... weil Sohn Joe unbedingt mit seinem Vater auf der Bühne stehen wollte. Er kannte die Texte von früher. Das MOZ-Publikum feierte sie.

    Gerrit Freitag
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„Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt.“ Mit einem Lied über die Liebe leitete Lilo Wanders den Abend ein, das ihre Zerrissenheit zwischen Einsam- und Zweisamkeit auf den Punkt brachte. Genau diese Zerrissenheit und der Kampf gegen Widerstände zog sich wie ein roter Faden durch den Abend.

Als Starter saßen die Schülerin Bibiane Buckler und der Student sowie jüngste Stadtverordnete, Robert Gidius, auf dem schwarzen Ledersofa. Zusammen organisierten sie die „Fridays for Future“-Demo in Frankfurt. „Wir wollen zeigen, was es heißt, Klimaschutz auf die Straße zu bringen“, sagte die Siebtklässlerin. Dabei gehe es nicht um „Schule schwänzen“, wie Gidius versicherte, sondern darum, auf die Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Demonstriert werde auch in den gerade begonnenen Schulferien. Dazu eingeladen sind auch ältere Frankfurter.

„Jeder kann etwas Gutes tun“, erklärte die Waldorfschülerin. Ihre Familie verzichte zum Beispiel auf Plastiktüten beim Obstkauf, Buckler fährt selbst viel Fahrrad und isst nur noch Fleisch von Wildtieren. Für ihre Urlaubsfahrten nutzen sie ein vollgepacktes Auto und die Bahn, bis nach Wien – das ist natürlich klimaschonender als zu fliegen.

Widerständlerisch war dagegen Robert Stadlober in seiner Schulzeit. „Mit 13 Jahren stand ich das erste Mal vor der Kamera“, erzählte der Schauspieler, der nach der 10. Klasse an der Waldorfschule hinschmiss, um sich im Theater zu verwirklichen. Er habe im Leben gegen viele Widerstände ankämpfen müssen, sagte der frühere Teenie-Schwarm, der schon früh mit Filmen wie "Sonnenallee“ und „Crazy“ seinen Durchbruch hatte. „Meinen ersten Kuss hatte ich vor der Kamera“, gibt der Schauspieler unumwunden zu. Doch der zweifache Vater kann auch tiefgründig sein. Er gehe stets mit „kritischer Vernunft“ durchs Leben.

Die jungen Leute würden sich heutzutage nicht mehr für die Politik der Politiker interessieren, sondern sich für mehr Miteinander und ein schöneres Leben einsetzen. „Ich fände es schön, wenn wir noch ein paar Jahrhunderte auf dieser Kugel zusammen verbringen“, rief er ins Publikum. Am 3. Oktober in 2020 soll sein Theaterstück über den DDR-Schriftsteller Stefan Heym in Frankfurt Premiere feiern. Ab September ist Stadlober in „Und der Zukunft zugewandt“ zu sehen.

Norddeutsche Frauenpower

Mit „Moin“ begrüßten sich Lilo Wanders und Hannah Lotte Lund, die beide aus Norddeutschland stammen. Die Chefin des Kleist- Museums ist seit 2016 eine der wenigen Museumsdirektorinnen deutschlandweit.   „Ich liebe Kleist, eigensinnige Männer und das 18. Jahrhundert“, sagte Lund. Gerade das freie Denken, der Aufbruch der gesellschaftlichen Etikette und die Suche nach der Wahrheit imponieren ihr. Kleists Selbstmord sieht sie eher als mutig, denn als feige an. Mit Poetry-Slams und Jugend-Projekten will sie Frankfurts Aushängeschild „entstauben“.

„Besser Querschnitt, als Durchschnitt“: Mit Sätzen wie diesem beeindruckte  Kristina Vogel nach der Pause die Zuschauer. Mehr zur querschnittsgelähmten Ex-Radrennsportlerin gibt es morgen im Lokalsportteil.

Mit Songs wie „Meine Stadt“ ließ es die DDR-Kultband Karussell am Ende krachen. „Wir lassen unser Publikum seine Jugend wieder erleben“, erklärte Wolf-Rüdiger Raschke. Nachdem 1990 Schluss mit Karussell war, kam sein Sohn Joey 17 Jahre später auf ihn zu. "Mensch Paps, lass uns auf die Bühne.“ Gesagt, getan. In diesem Jahr hat die neu-alte Band zwei neue Alben herausgebracht und spielt 60 Konzerte. Mit „Wie ein Fischlein unterm Eis“ erlebten auch die Frankfurter ihre zweite Jugend.