Verkehr: 1567 Frankfurter arbeiten in Berlin
6 887 Frankfurter pendeln täglich zur Arbeit in das benachbarte Umland. Das zeigen Statistiken der Arbeitsagentur. Zugleich bietet die Oderstadt vielen Menschen aus der Region Arbeit — es gibt fast 14 000 Einpendler. Zahlen, die das Potenzial von Zuzugs– und Pendlerkampagnen offenbaren.
Ob im RE 1 aus Berlin, per Bus aus Lebus, mit dem Auto über die A12 oder auf dem Rad über die Stadtbrücke: 13 824 Menschen fahren täglich zur Arbeit nach Frankfurt. Das entspricht fast der Hälfte (48,7 Prozent) aller in der Stadt sozialversichert Beschäftigten (28 375). Wie aus dem kürzlich von der Agentur für Arbeit veröffentlichten Pendleratlas hervorgeht, kommen die meisten Einpendler — wenig überraschend — aus Oder–Spree (5512) und Märkisch Oderland (3162/siehe Grafik). Aber auch aus Berlin nehmen 1071 Menschen den Weg zur Arbeit nach Frankfurt auf sich. Hinzu kommen — hochgerechnet, statistische Angaben dazu liegen nicht vor — mehr als 2000 Einpendler aus dem benachbarten Polen.
Umgekehrt steigen jeden Morgen 6 887 Frankfurter in den Zug oder das Auto, um zu ihrem Arbeitsplatz im Umland zu fahren. Das sind 32,1 Prozent aller 21 438 Beschäftigten, die in der Oderstadt wohnen. Die meisten Pendler zieht es nach Oder–Spree (37,8 Prozent/2606), mehrere Hundert davon sind beispielsweise bei AcelorMittal in Eisenhüttenstadt angestellt. Darüber hinaus arbeiten 1567 Frankfurter in Berlin; hinter der Zahl stehen viele Büro– oder Kreativjobs.
Zwar rangiert Frankfurt, was Pendlerzahlen angeht, gegenüber anderen Kreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs eher im Mittelfeld. Trotzdem wird seit einigen Wochen mit gleich mehreren Initiativen versucht, den Strom an Arbeitnehmern, die täglich stundenlang unterwegs sind, einzudämmen. Die Stadt spricht mit ihrer Zuzugskampagne insbesondere die Einpendler an; sie sollen überzeugt werden, ihren Lebensmittelpunkt in die Oderstadt zu verlegen. Noch bis Ende März sammelt die Stadt dabei von Lokalpatrioten gute Gründe für Frankfurt — weit mehr als die angestrebten 100 kamen inzwischen zusammen.
Eher auf die Auspendler zielen die Arbeitsagentur, die Handwerkskammer und die Industrie– und Handelskammer Ostbrandenburg. Mit ihrer gemeinsamen Kampagne sollen freie Stellen und geeignete Arbeitnehmer zusammengebracht werden, um Fachkräfte für die Unternehmen in der Region zu halten. Der Start sei vielversprechend verlaufen, berichtet Sonja Jenning, Sprecherin bei der Agentur für Arbeit. Auf der Internetseite www.fachkraefte–ostbrandenburg.de seien in den ersten drei Monaten 157 Anfragen von Pendlern aus Ostbrandenburg eingegangen, die sich für Stellenangebote in Wohnortnähe interessieren. Darunter waren 29 aus Frankfurt. 299 Stellen wurden unterbreitet. Sechs ehemalige Pendler haben inzwischen eine neue Arbeit in der Region gefunden — weitere Vorstellungsgespräche laufen.
„Die ersten Vermittlungserfolge zeigen: Ein Coming Home ist möglich“, sagt Jochem Freyer, Chef der ostbrandenburgischen Arbeitsagenturen. „Ich freue mich besonders für die Familien, die jetzt nicht mehr unter dem täglichen Pendeln leiden müssen, aber auch für die regionalen Unternehmen, die mit unserer Hilfe Fachkräfte gewinnen konnten. Während wir noch vor einigen Jahren Arbeitnehmer aus Ostbrandenburg zum Pendeln motivieren mussten, ist das inzwischen in vielen Branchen nicht mehr notwendig“, erklärt er. Doch Kampagnen hin oder her: Viele Firmen aus der Region müssten auch selbst aktiv werden, um etwas gegen den Arbeitskräftemangel zu tun. Freyer: „Wer nur knapp über dem Mindestlohn zahlt, hat kaum Chancen auf Verstärkung.“


