Es war Hilfe der anderen Art, die der ADAC und die Polizei sowie weitere Partner auf dem Brunnenplatz in Frankfurt (Oder) angeboten haben.
Kein Auto wurde abgeschleppt oder war defekt, wofür man die „Gelben Engel“ gemeinhin rufen würde. Vielmehr hat sich der Aktionstag der Verkehrssicherheit sowohl bei Autos als auch bei den Fahrern verschrieben. So konnten vornehmlich interessierte Senioren sowohl ihre Reaktion testen, einen Sehtest absolvieren als auch die Hörfähigkeit überprüfen lassen. Ebenso wurden die Autos überprüft.

Fit für die 1000 Kilometer bis zum Enkel

Für Doris Schwidder eine gute Gelegenheit, bevor es für sie zu ihrem Sohn Enrico nach Rümmingen geht. Ihr Enkelkind feiert dort Einschulung. „Für die fast 1000 Kilometer Anreise soll das Auto fit sein“, erklärt sie. Natürlich sei es auch ein schönes Gefühl, wenn die Tests bei sich selber gut ausgegangen sind. „Das ist schon beruhigend“, so Doris Schwidder.
Viele der anwesenden Frankfurter geben Dienstagvormittag als Grund für lange Autofahrten die Reise zu den Kindern an. So ist es auch bei Werner und Monika Gieseler. Die Kinder wohnen im Vogtland. Für Reisen nutzen sie ansonsten auch gerne mal den Bus. Sie selbst fährt gar nicht auf der Autobahn, so Monika Gieseler, das macht dann ihr Mann.
130-140 Kilometer pro Stunde hält sie für eine gute Geschwindigkeit. Insofern wäre sie auch für eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit. Wenn andere Autofahrer von hinten angerast kommen, gebe das zumindest ein ungutes Gefühl. Dieses Gefühl ist manchmal gar nicht so falsch, insbesondere dann, wenn der Sicherheitsabstand deutlich unterschritten wird, erfährt man beim Reaktionstest bei der Polizei. Mit zwei Pedalen wird Gasgeben und Bremsen simuliert. Außerdem kann Geschwindigkeit, Sonne, Regen und Glätte auf dem Gerät eingestellt werden.

Prüfmobil für Autos ist der Hit der Aktion

So richtige Ausreißer nach oben hat Polizeihauptmeisterin Heike Zeche bei den Reaktionen nicht festgestellt. „Viele der Senioren, die da waren, hatten sehr gute Werte“, erklärt sie. Einige zeigten sich dann aber doch erstaunt, wie lang Anhaltewege sein können. Bei einer sehr guten Reaktionszeit von 0,35 Sekunden braucht man bei einem Tempo von 150 Kilometern pro Stunde immerhin noch 105 Meter bis zum Stillstand. Bei Glätte wären es über 350 Meter. Selbst im Stadtverkehr sind es oft 20 Meter und mehr. „Das zeigt dann schon, wie wichtig der Sicherheitsabstand ist“, so Klaus-Jürgen Frank. Er fährt noch viel Auto, ebenso wie Erika Hildebrandt. Die 82-Jährige ist dank viel Sport in ihrem Leben noch äußerst fit. Trotzdem nutzt sie die angebotenen Tests, um sich selbst zu überprüfen. „Das ist eine gute Gelegenheit“, findet sie.
„Der Hit bei diesen Veranstaltungen ist ganz klar das Prüfmobil für die Autos", sagt Klaus-Ulrich Hähle vom ADAC. Allerdings sind auch die anderen Angebote an diesem Vormittag wichtig, um den vor allem älteren Interessierten eine Möglichkeit zu geben, ihre Fahrtüchtigkeit zu überprüfen. Das falle ansonsten ziemlich schwer. Viele der Polizeidienstellen hätten zwar ein Gerät, um die Reaktionsfähigkeit zu messen. Aber es komme ja keiner auf die Idee, mal am Nachmittag zur Dienstelle zu fahren, um den Reaktionstest zu machen, erklärt er ein Beispiel. Auch insgesamt ist man in den letzten Jahren zu der Erkenntnis gekommen, dass der Fahr-Fitness-Check dem reinen Gesundheitstest beim Arzt überlegen ist. Hierbei fährt ein Fahrlehrer eine Fahrstunde neben dem Senior. „Der Fahrlehrer gibt aber auch hier nur Empfehlungen ab“, so Klaus-Ulrich Hähle.

Frauen sind kritischer mit sich als Männer

Viel Arbeit hat an diesem Vormittag besonders Prüftechniker René Kühr. Kaum Pausen sind für ihn drin. Veraltete Reifen und auch mal Stoßdämpfer mit einem Wirkungsgrad von unter 60 Prozent sind die häufigsten Mängel, die er feststellt. Stoßdämpfer werden bei der Hauptuntersuchung nicht mitkontrolliert. Die alte Regel, wonach diese nach 100.000 Kilometern erneuert werden müssen, gilt aber schon lange nicht mehr, sagt er lächelnd. „Wir hatten schon welche, die waren auch nach 250.000 Kilometern noch voll in Ordnung“, erklärt er. Auch er freut sich über den Andrang in der Oderstadt. In Bezug auf die Bewertung der eigenen Fahrtauglichkeit der Besucher hat er eine klare Erfahrung: Frauen sind dabei viel kritischer mit sich selbst als Männer.