Verwechslungsgefahr: Das (Doppel-)Gesicht der Doppelstadt
„Na toll. Jetzt muss ich dich jeden Tag angucken“ – mit dieser Handy-Nachricht wurde Andy Franz Ende August geweckt. Zuerst räkelte er sich noch in seinem Bett in Berlin-Reinickendorf – und war mit dem Öffnen der Nachricht schlagartig wach. „Das Gesicht der Doppelstadt“ hieß die Schlagzeile des MOZ-Beitrages, den ihm sein Frankfurter Freund weitergeleitet hatte. Das dazugehörige Foto zeigte ein riesiges Graffito auf einer Hausfassade, auf dem die Doppelstadt als Person gemalt wurde; ein Mann mit Bart, Fischerhut und blauem Hemd. „Das Porträt des Künstlers ist mein Ebenbild“, dachte sich Franz.
„Wenn Du Dir die Doppelstadt Frankfurt (Oder)-Słubice als Person vorstellst, was wäre das für eine Person?“ – diese Frage hatten dem Künstler P. Banause 50 Frankfurter beantwortet. Geschlecht, Alter, Aussehen, Kleidung – all diese Kategorien spielten bei der Auswertung eine Rolle. Welche Antworten am meisten genannt wurden, zeigt das übergroße Ergebnis in der Warschauer Straße. Unterstützt wurde der Künstler von „Demokratie Leben!“ und „Doppelstadtkultur“.
Abwegig war der Gedanke von Franz nicht, der gerne an der Oder langspaziert „Ich war schon des öfteren in Frankfurt zu Besuch und habe hier 2009 gearbeitet“, sagt der passionierte Bartträger – und er trage gerne Hut. "Auf allen Festivals hatte ich diesen Sommer meine Kopfbedeckung dabei“, erzählt der 28-jährige.
„Ich habe keine bösen oder schlimmen Absichten. Ganz im Gegenteil, ich finde das völlig witzig“, schrieb er der MOZ, in voller Überzeugung, dass er nun in Frankfurt verewigt worden sei und schickte gleich ein Foto von sich selbst mit. Und wirklich – auf den ersten Blick ist eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Berliner und dem Doppelstadt-Porträt zu erkennen. Er und seine Freunde seien begeistert gewesen, dass er es auf eine Hauswand in der Oderstadt geschafft habe und „finde diese ganze Story voll witzig und cool.“ War das der Beginn von Ruhm und Ehre?
Porträt zeigt eine nahe Person
„Das Porträt zeigt eine nahe Person“, muss der Künstler Franz enttäuschen. Ihn habe er als Vorlage für das Graffito gewählt, weil die meisten Antworten auf die Interview-Fragen mit dessen Aussehen übereinstimmten. „Macht nichts“, sagt Franz. Vielleicht könnten sich „sein Zwilling“ und er mal treffen – „wir könnten ja fast verwandt sein.“
Übrigens ist P. Banause bereits am nächsten Projekt dran. Er möchte dem Mann mit Hut noch das weibliche Pendant auf einer Fassade zur Seite stellen.

