Viadrina in Frankfurt (Oder): Vorwurf nach rechtsextremen Vorfällen – so reagiert die Leitung

Blick auf Hauptgebäude der Europa-Universität Viadrina: Eine Initiative fordert Klarheit von der Universitätsleitung nach dem Bekanntwerden rechtsextremer Vorfälle beim Universitätssportclub und auf dem Campus.
Patrick PleulNach Bekanntwerden von rechtsextremen Vorkommnissen beim USC Viadrina und auf dem Campus der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) fordert ein Aktionsbündnis die Hochschulleitung zum Handeln auf. In einem offenen Brief vom Freitag (8.12.) kritisierten unter anderem Vereine, Verbände und Hochschulgruppen, die Universität habe sich über Monate nur passiv zu den Vorfällen verhalten. Sie fordern eine klare Positionierung.
Hintergrund sind Vorwürfe gegen den Universitätssportclub. In einem Fitnessstudio des USC sollen erkennbar Neonazis trainiert haben, die teilweise verfassungsfeindliche Tattoos und Symbole wie „Hakenkreuze, SS-Runen, Schwarze Sonnen und Wehrmachtssoldaten“ in den Räumen offen zur Schau stellten. „Öffentliche Reaktionen der Universität blieben weitestgehend aus“, heißt es in dem Brief der Initiatoren. Die genannten Fälle von Rechtsextremismus seien lange bekannt, kritisieren sie.
Studierende würden den USC Viadrina inzwischen meiden
„Studierende fühlen sich nicht mehr wohl, in einem Sportverein zu trainieren und vermeiden den Ort aktiv, da dort rechte und nationalsozialistische Symbole offen getragen und toleriert werden. Dazu gehört auch ein kollegialer und freundlicher Umgang mit entsprechenden Personen. Dieses Problem ist systematisch und keineswegs die Verantwortung einzelner Mitarbeitender. Es sind keine Einzelfälle mehr“, beklagen die Verfasser des Briefes.
Der USC ist kein universitätseigener Verein, Kanzler Robert Nissen sitzt aber laut Statut im Vorstand. Nissen selbst erklärte, er habe als Mitglied im Vorstand des USC nach Bekanntwerden erster Berichte im Oktober 2023 auf die Ergreifung von Sensibilisierungs- und Informationsmaßnahmen hingewirkt. „Es ist unsere Aufgabe, dass wir uns gemeinsam gegen Rassismus und Intoleranz stellen. Hierbei unterstützen wir den USC nach Kräften.“
Studierende sollen sich an der Uni sicher fühlen
Der im November 2022 neu ins Amt gewählte Viadrina-Präsident Prof. Dr. Eduard Mühle zeigt sich von den Vorwürfen betroffen: „Es ist für uns schwer zu ertragen, wenn unsere Studierenden in ihrer Universitätsstadt durch rechtsextreme Äußerungen und Vandalismus beeinträchtigt werden. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, dafür, dass sich unsere Studierenden sicher fühlen, frei bewegen und engagieren können. Wir sehen es als unsere Aufgabe, gemeinsam gegen Rassismus und Rechtsextremismus einzutreten“, erklärte er in einem Statement in Reaktion auf den offenen Brief.
Von der Pressestelle der Viadrina hieß es, die Universität nehme den Brief und die vorausgegangene Diskussion sehr ernst. Man habe bereits auf bekannte und geprüfte Vorwürfe reagiert. Neue Vorwürfe würden intensiv geprüft.
„Bereits vor der Veröffentlichung des Briefes haben wir Studierende und andere Akteure der Universität zu einem offenen Austausch am kommenden Montag eingeladen. Unser wichtigstes Anliegen ist es, mit den Studierenden in den direkten Austausch zu kommen, uns auf einen gemeinsamen Kenntnisstand zu bringen, Perspektiven zu erörtern und notwendige nächste Schritte auszuloten“, betonte die stellvertretende Leiterin der Pressestelle Frauke Adesiyan. Das Gespräch findet am Montag (11.12.), 18 Uhr, im Audimax statt.
Zerstörte Hochbeete auf dem Campus der Viadrina in Frankfurt (Oder)
In dem Brief geht es auch um die auf dem Uni-Campus von Studierenden angelegten Hochbeete, die in den vergangenen Monaten regelmäßig zerstört und mit queer-und verfassungsfeindlichen Symbolen beschmiert worden waren. So hatten Unbekannte unter anderem eine Regenbogenflagge mit schwarzer und weißer Farbe übersprayt und ein Hakenkreuz auf eines der Hochbeete gemalt. Mit den Hochbeeten wollten die „Students for Climate Justice Frankfurt (Oder)“ auf den Klimawandel aufmerksam machen. Sie haben die Beete inzwischen abgebaut. Eine Anzeige vom Juli wegen Sachbeschädigung wurde eingestellt, Täter konnten laut Polizei nicht ermittelt werden.
„Die Zögerlichkeit und Ängstlichkeit vonseiten der Uni schadet dem studentischen Engagement und Hochschulleben“, kritisiert die Initiative in ihrem Brief an die Uni-Leitung. „Als offene und tolerante Europa-Universität dürfen wir hetzerischer, intoleranter und menschenfeindlicher Ideologie keinen Raum bieten.“ Wenn Studierende sich aus Sorge um ihre Sicherheit nicht mehr frei bewegen und engagieren könnten, dann „versagt die Universität auf ganzer Breite“.
Das Aktionsbündnis fordert von der Uni-Leitung
Gefordert werde daher unter anderem eine transparente Darstellung des Kenntnisstandes der Uni, eine klare Positionierung zu den Geschehnissen mit Benennung der Probleme nach innen und außen sowie der Einsatz für den Ausschluss von Neonazis aus dem USC und von Trainern und Mitarbeitern, die mit Rechtsextremen sympathisieren.
Unterzeichnet ist der Brief von rund 30 Vereinen, Verbände und Hochschulgruppen und Einzelpersonen, darunter unter anderem der Verein Stuck e.V, die Grüne Jugend Brandenburg, der Liberalen Campus, Linken-Stadtpolitiker wie Anja Kreisel, Jan Augustyniak und Stefan Kunath, Viadrina-Beschäftigte wie Prof. Dr. Britta Schneider von der kulturwissenschaftlichen Fakultät und vielen mehr.




