Vier Jahre Bauzeit: Frankfurter Stadtarchiv eröffnet am neuen Standort
Nach vier Jahren Bauzeit ist es geschafft: das Stadtarchiv eröffnet heute am neuen Standort. Ab 9 Uhr ist erstmals der Lesesaal in der einstigen Bürgerschule zugänglich. „Auch wenn die Außenanlagen noch nicht fertig sind, wollten wir nicht länger warten“, sagt Leiter Dr. Denny Becker. Der Umzug von der Collegien- in die Rosa-Luxemburg-Straße war aufwendig, das Archiv deshalb seit Mitte August für die Allgemeinheit geschlossen. Einen Festakt zum Abschluss des 8 Millionen Euro teuren Bauprojekts soll es im Sommer geben, sobald auch der Innenhof gepflastert, begrünt und neu gestaltet ist.
„Alle Archivalien haben den Umzug unbeschadet überstanden, es hat alles reibungslos funktioniert“, würdigt Becker noch einmal die Arbeit des auf Archivumzüge spezialisierten Berliner Unternehmens Grohmann Logistik. Im September wurden rund drei Kilometer Archivgut bewegt – darunter 12 000 Kartons mit Urkunden, Akten und Amtsbüchern, 11 800 Plakate, Grafiken und Karten, 60 000 Fotografien, 2000 Film- und Tonaufnahmen sowie eine Bibliothek mit 16 000 Medieneinheiten, vor allem Bücher. Der größte Teil lagert nun in lichtgeschützten, klimatisierten Magazinräumen in den zwei oberen Etagen. Sie sind für den Publikumsverkehr gesperrt. Die einstige Aula der 1862 erbauten Bürgerschule beherbergt dabei neben Rollregalen auch eine Kühlkammer für Fotonegative, die bisher im Collegienhaus unter dem Dach lagerten. „Wir verfügen jetzt endlich über fachgerechte Bedingungen“, sagt Denny Becker. Auch eine Werkstatt steht bereit, um kontaminiertes Material konservatorisch zu behandeln und für die Nachwelt zu erhalten. Hier blieb in den vergangenen Jahren insbesondere aus Gründen des Arbeitsschutzes vieles liegen, das nun aufgeholt werden soll.
Auf bessere Bedingungen, um der Stadtgeschichte nachzuspüren oder die Familiengeschichte zu erforschen, dürfen sich ebenso die Nutzer freuen. Der Lesesaal ist zweigeteilt. Von der Anmeldung geht es linkerhand in den klassischen Lesesaalbereich. Rechterhand befindet sich der technische Lesesaal mit vier Rechnerarbeitsplätzen und vier Mikrofiche-Lesegeräten. WLAN gibt es noch nicht, die Installation ist aber beantragt. Eine technische Neuheit, die ab sofort, gegen Gebühr, zu Verfügung steht, ist ein A3-Scanner, mit dem sich großformatige Dokumente digitalisieren lassen. Lesesaalnutzer können außerdem auf eine Handbibliothek mit mehreren Hundert Bänden zur Stadt-, Regional- und Universitätsgeschichte zugreifen.
Künftig drei Öffnungstage
Der Service verbessert sich ebenfalls. So hat das Archiv ab sofort an drei statt wie bisher an zwei Tagen geöffnet, und zwar dienstags, mittwochs und donnerstags durchgängig von 9 bis 18 Uhr.
Bereits genutzt wurde der – separat von der Rosa-Luxemburg-Straße aus zugängliche – Seminarraum im Erdgeschoss. Kürzlich tagte dort der Denkmalbeirat. In den kommenden Wochen finden unter anderem Seminare mit Kulturwissenschaftlern und Sitzungen des Historischen Vereins in dem Raum statt. Direkt nebenan im Ausstellungsraum des Stadtarchivs wird bereits das erste Ausstellungsprojekt vorbereitet – eine Videoinstallation mit Bildern aus Frankfurt vor 1945. Im April soll außerdem eine Ausstellung des Museums Viadrina zum Weltkriegsende in Frankfurt vor 75 Jahren eröffnet werden.
Im neuen, modernen Gewand präsentiert sich auch der Internetauftritt des Stadtarchivs unter www.stadtarchiv-ffo.de. Stück für Stück soll auf der Homepage in den nächsten Monaten und Jahren das digitale Serviceangebot ausgebaut werden. In Vorbereitung ist unter anderem ein Online-Findbuch für die Recherche.
Führungen durch das neue Archiv
Am 24. Januar, 10–18 Uhr, lädt das Stadtarchiv zu einem Tag der offenen Tür mit geführten Rundgängen ein. Solange Interesse besteht, werden zudem anschließend immer freitags jeweils um 10 Uhr oder nach Absprache Führungen durch das sanierte Haus angeboten. Eine Anmeldung ist erforderlich. Anfragen sind zu richten an: 0335/5524300 oder stadtarchiv@frankfurt-oder.de.⇥thg


