Vorweihnachtszeit
: Frankfurter Zusteller verteilt 300 Pakete pro Tour

Die MOZ ist bei der Tour von Mathias Kraszon im Zentrum von Frankfurt (Oder) mitgefahren.
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt (Oder)
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Übergabe am Studentenwohnheim in der Logenstraße: DHL-Paketbote Mathias Kraszon (34) hat ein Paket für den BWL-Studenten Marc dabei. In der Vorweihnachtszeit haben er und seine Kollegen alle Hände voll zu tun.

Jan-Henrik Hnida

Tausende Pakete aus Berlin und Brandenburg fahren fast täglich mit dem ICE nach Rüdersdorf. Von da aus geht es weiter mit dem RE1 gen Oderstadt, wo in der Weihnachtszeit um die 6000 gefüllten Pappkartons eintreffen, um für die Region beladen zu werden. Meistens von Männern mittleren Alters, sportlich und kräftig gebaut.

„Von Blumenerde bis hin zu Matratzen und Autoreifen wird heute alles online in Paketen bestellt“, erklärt Anke Blenn, DHL-Pressereferentin für Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Bis zu 31,5 Kilogramm darf ein Paket auf die Waage bringen. Da die Weihnachtsbestellungen bereits ab Ende Oktober beginnen, summieren sich bis zu elf Millionen Sendungen bis Anfang Januar. Für die Paket-Hochzeit sind extra zehn zusätzliche Mitarbeiter am Frankfurter DHL-Standort eingestellt worden.

Im Zustellstützpunkt arbeiten insgesamt zwölf Paketzusteller, die auf neun Zustelltouren in den Bereichen Stadtzentrum,  Altberesinchen und Karl-Liebknecht-Straße sowie einer speziellen Geschäftskunden-Tour Päckchen und Pakete ausliefern. Dazu kommen Brief-Touren auf dem Fahrrad, bei jedem Wetter. „Und 19 elektrische Streetscooter haben wir hier“, erklärt Jennifer Schrader. Sie ist DHL-Betriebsleiterin in Fürstenwalde und zuständig für die Brief- und Paketzustellung im östlichen Brandenburg – mit mehr als 600 Mitarbeitern. Ihr Betreuungsbereich erstreckt sich von Frankfurt über Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde bis nach Neuenhagen bei Berlin.

Bis 9.30 Uhr hat ein junger Mann fast 300 Pakete in seinen Sprinter verladen.  Mathias Kraszon ist seit fünf Jahren bei DHL, fing als Briefbote an. Nun ist der 34-Jährige „Springer“, was bedeutet, dass er fünf Touren durch verschiedene Zustell-Bezirke fährt, also "springt“, und dort Päckchen verteilt. Der athletische Mann ist einer von den zwölf Paketzustellern. Heute geht seine Tour durchs Zentrum.

„Schon als Kind fand ich die gelben Postautos toll“, sagt Kraszon, während er mit dem voll beladenen Gefährt über die Fürstenwalder Straße fährt. Arbeitete er zuvor bei der Bundeswehr und machte eine Ausbildung zum Koch, verteilt er nun zwischen 150 bis 300 Pakete am Tag.

Am Oderturm vorbei ist der erste Halt am Bürgersteig vor dem Verwaltungsgericht. Denn geschäftliche Großkunden beliefert DHL ebenso. Kopfnickend nimmt der Justiz-Mitarbeiter die Paketsendung hinter dem Sicherheitsglas entgegen. Über die Seitentür huscht Kraszon in sein Auto hinein und fährt zur Agentur für Arbeit.

„Die Post ist da. Einmal runter kommen, bitte“. 16 Pakete hat Kraszon für die Logenstraße 2. Er hält direkt auf dem Viadrina-Campus, um nahe an der Tür des Studentenwohnheims die Fracht abladen zu können. Für die 173 Ein-Raum-Wohnungen gibt es seit Kurzem kein normales Klingelbrett mehr, sondern eine kleine digitale Drehscheibe. „Da drehst und drehst du“, sagt der Paketbote – nicht unbedingt eine Zeitersparnis, bei Hunderten von Namen. Nach ein paar Minuten öffnet der Student Marc in Jogginghosen. „Das könnte von meinen Eltern sein“, mutmaßt er.

Fünf Studenten machen Kraszon nicht auf. Genauso wenig, wie der Kunde am Oberkirchplatz. Dafür hat er in seiner rechten Beintasche den Scanner, womit er auch die nicht zugestellten Päckchen einscannt, und den Block mit „Sendung ist da“-Zetteln, die er nun den Abwesenden in die Briefkästen steckt. „Entweder nehme ich die Päckchen wieder mit zum Zustellstützpunkt“, erläutert Kraszon oder er gibt sie bei DHL-Annahmestellen ab, wie beispielsweise bei Kopierfritze. Im Schnitt seien die Hälfte der Leute zu Hause und öffnen ihm.

Während der Springer bei manchen seiner Kunden täglich auf die Klingel drückt, bestellt sich der 34-Jährige privat nur selten etwas – „vielleicht drei- bis viermal pro Jahr“, sagt er grinsend. Nach hunderten Paketen und 15 gefahrenen Kilometern fährt Kraszon gegen 17 Uhr wieder auf den Parkplatz vom Zustellstützpunkt. Nach der Übergabe der nicht zugestellten Päckchen und den Nachnahme-Abrechnungen hat er Feierabend.

Verdi prangert hohe Arbeitsbelastung an

Die Vorweihnachtszeit sei Hochsaison für die Zusteller. "Durch hohe Krankenstände und chronischen Personalmangel ist die Belastungssituation bei der Post besonders hoch", sagt Frank Wolf, Verdi-Landesbezirksleiter. In Deutschland sind im vergangenen Jahr mehr als 3,5 Milliarden Pakete verschickt worden. Durch den Onlinehandel sei aktuell ein Wachstum in Höhe von 8 bis 12 Prozent zu erwarten. Recht gute Arbeitsbedingungen, zu denen Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen gehören, gebe es bei der Post bzw. DHL. "Die Post grenzt sich bewusst vom Niedriglohnwettbewerb in der Branche ab", sagt Pressereferentin Blenn. Der Einstiegs-Stundenlohn beträgt 13,65 Euro.red/jhh