Vulvakünstlerin
: Die Mitte im Mittelpunkt

Die Künstlerin Franziska Dickmann malt Vulven, redet in Workshops mit Frauen und allen anderen über das Geschlechtsorgan
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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Nicht Merkelraute, sondern Frauenzeichen: Franziska Dickmann macht Workshops zum Thema "Vulva im Dialog".

Lisa Mahlke

Etwa dadurch, dass Begriffe wie Vagina oder Scheide benutzt werden, die den äußeren Teil des weiblichen Geschlechts — im Gegensatz zum Wort Vulva — gar nicht beinhalten. „Das ist so, als ob jemand zu Penis Hoden sagen würde“, beschreibt sie. Aber: „Das sagt keiner mit Absicht.“ Um in der Hinsicht für etwas Aufklärung zu sorgen, nicht nur bei Frauen, führt die Wahl–Frankfurterin Workshops unter dem Titel „Vulva im Dialog“ durch. In diesen geht es um die weibliche Lust, Menstruation, die Rolle der Frau, Sexismus, Sprache.

Sie ist sich durchaus bewusst, dass das Thema unglaublich viel Aggression hervorrufen kann. „Habt ihr keine anderen Probleme?“, fragen Nutzer etwa auf Facebook. Franziska Dickmann wird auch oftmals "abgestempelt“, mit Zuschreibungen konfrontiert. Viele gingen etwa davon aus, sie sei lesbisch. „Warum sonst interessierst du dich für Vulven?“, fragen sie. Die Studentin antwortet darauf entgeistert: „Na weil ich eine habe!“ Und solange so viel Unwissenheit über das Thema herrsche, habe sie auch noch nicht genug darüber gesprochen. Ihre eigene Inspiration, Vulven zu malen und die Bilder im Internet zu teilen, kamen durch das Lied „Verdammte Scheide“ von Giulia Becker.

Die 24–Jährige macht neben ihrem Studium und der Workshopreihe auch Aufklärung an Schulen. Und da geht es unter anderem um Masturbation. Während die Jungs stolz davon erzählen, sei das für die Mädchen, die in solchen Situationen lieber an die Decke schauen, ein Tabuthema. Dabei sei die Klitoris ein reines Lustorgan, erklärt sie. Doch das Thema wird zumeist totgeschwiegen.

Fast alle ihrer Workshops richten sich an alle Geschlechter. Zwar seien vor allem 20– bis 35–jährige Studentinnen interessiert. Es gab aber auch schon eine Anfang 40– und eine Mitte 60–jährige Teilnehmerin. Eine war dankbar zu erfahren, wo ihre Harnröhre überhaupt liegt. „Es geht nicht darum, jemanden bloßzustellen“, unterstreicht Franziska Dickmann. Das Paradoxe: Auch wenn niemand so recht über Vulven reden will, waren Operationen im weiblichen Intimbereich auch schon auf Platz 5 der beliebtesten Schönheits–OP in Deutschland.

So unterschiedlich wie Nasen oder Münder sind eben auch Vulven. Deshalb findet nach einem ihrer Workshops ein Fotoshooting von Händen für eine Ausstellung statt. In den Workshops selbst gibt es einen theoretischen anatomischen Teil, außerdem Körperwahrnehmungs–, zum Beispiel Yogaübungen, die sich auf die Beckenbodenmuskulatur fokussieren. Gar nicht verwerflich also. „Keiner soll gezwungen sein, darüber zu sprechen“, stellt sie klar. Die Kurse sind kostenlos. Gefördert wird das Projekt durch die Kulturbetriebe, außerdem sind etwa die VHS und das Mikado mit im Boot.

Der größte Held für die Studentin ist ihr zehnjähriger Bruder. Der zeigte zu Weihnachten stolz ein Video über 3D–Zeichnungen. „Dann kannst du 3D–Vulven malen“, sagte er ebenso unverblümt wie seine große Schwester.

Workshop „Mythos Vulva“, 18.4. 17—20 Uhr, Modernes Theater Oderland, Ziegelstraße 28a; 20 Uhr Hand–Fotoshooting, Anmeldung unter E–Mail dialog@doppelstadtkultur.de