Wahl in Słubice 2024
: Sensation bei Bürgermeisterwahl – Marzena Słodownik gewinnt Stichwahl

Update, 12.30 Uhr: Große Überraschung in Słubice, Nachbarstadt von Frankfurt (Oder): Marzena Słodownik hat die Stichwahl um das Bürgermeisteramt gegen Amtsinhaber Mariusz Olejniczak gewonnen. Es war denkbar knapp.
Von
Thomas Gutke,
Lisa Larossa
Slubice
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Marzena Słodownik hat die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Słubice, Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), knapp gewonnen.

Katarzyna Kalinowska

Damit hatten im Vorfeld der Wahl die wenigsten gerechnet: Słubice bekommt mit Marzena Słodownik eine neue Bürgermeisterin, der seit 2018 amtierende Mariusz Olejniczak ist abgewählt. Die parteilose Wahlsiegerin ist zugleich die erste Frau in der Geschichte der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), die in das Amt gewählt wird.

Die 53-Jährige setzte sich am Sonntag (21.4.) in der Stichwahl denkbar knapp mit 50,75 Prozent (3022 Stimmen) gegen Amtsinhaber Mariusz Olejniczak (50/parteilos) durch, der nur auf 49,25 Prozent (2933 Stimmen) kam. Ihm fehlten laut den vorläufigen Ergebnissen der staatlichen Wahlkommission am Ende also ganze 89 Stimmen für eine zweite Amtszeit.

Słodownik gewann noch einmal fast 1200 Stimmen dazu

Im ersten Wahlgang am 7. April hatte sich Mariusz Olejniczak deutlich mit 47,8 Prozent der Stimmen gegen drei Mitbewerber durchgesetzt, die absolute Mehrheit jedoch knapp verpasst. Als Zweitplatzierte schaffte es deshalb Marzena Słodownik mit 29 Prozent in die Stichwahl.

Im Vorfeld des zweiten Wahlganges hatte dann unter anderem der Drittplatzierte, Unternehmer Ryszard Pawlukowski, für eine Wahl von Słodownik geworben – und dabei den Amtsinhaber scharf attackiert. Olejniczak kündigte daraufhin seinerseits auf Facebook rechtliche Schritte gegen Pawlukowski an. Doch das half am Ende nicht. Olejniczak büßte in absoluten Zahlen sogar an Stimmen ein, während Marzena Słodownik noch einmal fast 1200 Stimmen hinzugewann. Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei 40,31 Prozent, im 7. April hatte die Beteiligung bei 43,77 gelegen.

Das sagt Mariusz Olejniczak zu seiner Niederlage

Der polnische Sender HTS Słubice hat den scheidenden Bürgermeister Mariusz Olejniczak am Sonntagabend interviewt. „Ehrlich gesagt habe ich das nicht erwartet“, sagt er in dem Interview. „Aber so haben die Bewohner gewählt. Man muss sich mit der Stimme des Souveräns arrangieren.“ Er habe die Stadt in einem sehr guten finanziellen Zustand hinterlassen, mit vielen laufenden Investitionen, betont er. „Ich habe große Hoffnungen, dass diese von meiner Gegenkandidatin, die gewonnen hat – ich gratuliere – weitergeführt werden.“

Doch direkt nach seiner Gratulation betont Olejniczak auch, dass es „vielleicht nicht bis zum Ende ein sauberer Kampf“ gewesen sei. Zunächst habe er seiner Gegenkandidatin für einen fairen Kampf und faire Rivalität gedankt. Doch dann sei es nicht mehr gelungen, diese „unverschämten Lügen“ zu korrigieren. „Aber die Menschen haben es geglaubt. Sie wollen einen Traum und nicht die Realität.“ Sein Wahlprogramm, meint er, sei sehr real gewesen und in fünf Jahren Amtszeit umsetzbar. „Wir werden sehen, ob das Wohl Słubices und der Bewohner über allem steht.“ Er bleibe weiter ein Einwohner Słubices und werde beobachten, was in der Stadt passiert.

Das sagt die neue Bürgermeisterin Marzena Słodownik

Marzena Słodownik sagte dem Sender HTS Słubice noch am Abend, dass sie sich sehr ruhig und gelassen, aber noch ein wenig ungläubig fühle und zwar Freude verspüre, diese aber noch nicht so richtig bei ihr angekommen sei. Auf die Frage, was der schwierigste Moment war, sagt sie, es sei sehr viel Arbeit gewesen und der zweite Teil des Wahlkampes bis zur Stichwahl sei intensiver gewesen. „Wie die Gemeinschaft uns getragen hat, war eine große Überraschung für uns“, sagt sie. Die Menschen hätten gratuliert, SMS verschickt und angerufen.

Wahlplakate in Słubice: Marzena Slodownik wird neue Bürgermeisterin in Słubice, der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder).

Marlena Dumin

Wird es jetzt einen Kurswechsel geben, fragt der HTS-Reporter die neue Bürgermeisterin. „Das, was angefangen wurde, muss beendet werden. Da gibt es keine Zweifel“, sagt sie, betont aber, dass sie und ihr Wahlbündnis sich auch mit ihrem sehr ambitionierten Programm befassen werden. „Wir werden Schritt für Schritt das umsetzen, was wir geplant haben“, so Słodownik. „Ich glaube daran, dass man diese Stadt ändern kann.“ An ihre Wähler gerichtet sagt sie: „Ich denke, dass ihr gewonnen habt. Ihr wolltet diese Veränderung, ihr habt mir geglaubt, dass das keine Träume sind, sondern reale Projekte, die wir eins nach dem anderen realisieren werden.“ Man sei darauf vorbereitet, hart zu arbeiten.

Im Wahlkampf hatte sie sich wie Olejniczak für den Bau einer zweiten Stadtbrücke und einer Umgehungsstraße ausgesprochen. Außerdem will sie sich für ein neues Sport- und Erholungszentrum, ein neues Kulturzentrum sowie den Bau eines Seniorenheimes sowie eines mehrstöckigen Parkhauses zur Verkehrsentlastung einsetzen. Eine Verlängerung der Straßenbahn von Frankfurt (Oder) nach Słubice schloss sie zum jetzigen Zeitpunkt aus. Marzena Słodownik arbeitete bisher im Krankenhaus von Słubice, wo sie sich um die Beschaffung von Finanzmitteln kümmert.

Spannende Konstellation im Słubicer Stadtrat

Spannend dürfte nun auch die Konstellation im neuen Stadtrat werden. Bei den Wahlen vor zwei Wochen war das Wahlbündnis von Mariusz Olejniczak zwar auf nur 31,97 Prozent der Stimmen gekommen, hatte aber trotzdem neun von insgesamt 15 Sitzen (60 Prozent) geholt. Denn die Kandidaten seines Bündnisses hatten in neun von 15 Wahlbezirken gewonnen. Verlierer dieses Wahlsystems war Marzena Słodownik. Die Kandidaten ihres Wahlbündnisses holten wahlbezirksübergreifend 17,41 Prozent der Stimmen, gewannen aber keinen einzigen Sitz.

Laut HTS Słubice muss nach einer Stichwahl die erste Sitzung des neuen Stadtrats spätestens sieben Tage nach der Bekanntmachung der Gesamtergebnisse der Bürgermeisterwahlen stattfinden. Veröffentlicht werden sie demnach durch die staatliche Wahlkommission im Amtsblatt der Republik Polen.

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