Wahlkreis 2
: Ein Stadtteil zwischen Aufblühen und Verfallen

Vor den Kommunalwahlen traf die MOZ am Messering Bürger und Politiker. Sie verrieten, was ihnen in West am Herzen liegt.
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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  • Das Engagement im Paulinenhof lobten Elfriede und Hartmut Rossius am Mittwoch vor ihrem Einkauf am Messering im Gespräch mit Redakteurin Lisa Mahlke (l.). Am Freitag von 10 bis 13 Uhr ist der Stadtbote in Hedwigs Einkaufspark (HEP) anzutreffen.

    Das Engagement im Paulinenhof lobten Elfriede und Hartmut Rossius am Mittwoch vor ihrem Einkauf am Messering im Gespräch mit Redakteurin Lisa Mahlke (l.). Am Freitag von 10 bis 13 Uhr ist der Stadtbote in Hedwigs Einkaufspark (HEP) anzutreffen.

    René Matschkowiak
  • Verfallenes Städtewahrzeichen: Viele Frankfurter der älteren Generation haben im Haus Völkerfreundschaft ihre Jugendweihe erhalten.

    Verfallenes Städtewahrzeichen: Viele Frankfurter der älteren Generation haben im Haus Völkerfreundschaft ihre Jugendweihe erhalten.

    René Matschkowiak
  • Kommunalwahl - Wahlkreis 2 Frankfurt (Oder)

    Kommunalwahl - Wahlkreis 2 Frankfurt (Oder)

    MMH/Jörn Sandner
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Vor dem MOZ-Stand am Messering tummeln sich am Mittwoch Kandidaten für die Kommunalwahl am 26. Mai. Auch Bürger kommen zu Wort, thematisieren diverse Probleme. Das alte Kleist-Theater im Stadtteil West steht seit Jahren leer. Die Schwimmhalle ist zu klein.  Und trotz Zuzugs im Quartier gibt es marode Straßen und keine Stadtteilvertretung wie in Mitte, Süd oder Nord.  Das westliche Stadtgebiet ist wohnlich, doch Ausgehmöglichkeiten und Kulturangebote für junge Menschen fehlen bis auf wenige Ausnahmen.  Das bestätigen Passanten.

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Viel Engagement, wenig Jugend

„Als Rentner lebt es sich gut hier, aber für junge Leute müsste viel mehr getan werden“, meint Ilona Wohlfahrt. Ihren Sohn zog es aufgrund mangelnder Perspektive nach Berlin. Aus der Hauptstadt lockte Ilona Wohlfahrt ihren Mann Herbert, 72 Jahre alt, nach Frankfurt. Aber die 64-Jährige will nicht nur „graue Köppe“ im Quartier sehen. Das will der junge Sebastian Borkenhagen (Bürgerinitiative Stadtumbau Frankfurt) mithilfe von Investoren ändern und versuchen, das alte Kleist-Theater als Jugend-Treff wiederzubeleben.

Der vorbeiradelnde Axel Hein lobt das Engagement in seinem Quartier. „Ich hatte ja auch bei der Bürgerinitiative Paulinenhof unterschrieben, bin froh, dass sich etwas getan hat.“ Es geht um den neuen Spielplatz in der Siedlung, die mit ihren farbigen Fassaden, Ornamenten und Figuren ein echter Hingucker in der Stadt ist. „Da ist ein schöner Spielplatz gebaut worden“, lobt Elfriede Rossius. Dieser entstand vor ziemlich genau zwei Jahren durch die Bürgerinitiative.

Die Frankfurterin und ihr Mann Hartmut leben im Wieselspring. Wenn ihre drei-, neun- und elfjährigen Enkel zu Besuch kommen, geht es auch mal auf einen der weniger schicken Spielplätze in West. „Für unsere Verhältnisse reichen die aber aus“, sagt Elfriede Rossius. Das Rentnerpaar unternimmt ansonsten mit den Enkeln Radtouren Richtung Markendorf und Lebus, lässt sie im nahe gelegenen Teich planschen.

Seit 1996 leben sie in West, in einem Einfamilienhaus mit direkter Anbindung zur Natur und guten Einkaufsmöglichkeiten. Der Zustand ihrer Straße jedoch sei verbesserungswürdig. Hartmut Rossius berichtet außerdem von einigen Dreckecken. Neben Flaschen- und Papiercontainern werden einfach Abfälle abgestellt. „Jeder macht sich eine eigene kleine Deponie“, schimpft der Mann leise.

Die Idee, eine weitere Kita oder eine Oberschule in West zu errichten, kann seine Frau verstehen. „Man will ja, dass die Kinder in der Region zur Schule gehen.“ Über einen Schulplatz macht sich eine junge Mutter, die in der August-Bebel-Straße lebt und an diesem Vormittag am MOZ-Stand hält, noch keine Gedanken. Für ihr zweijähriges Kind hat sie einen Kitaplatz in Lichtenberg, weil die Familie vorher dort lebte. „Ich kenne aber auch Leute, die Probleme hatten, hier eine Kita zu finden“, sagt die 32-Jährige. Ihre Schwägerin etwa müsse jeden Tag mit Kind bis nach Nord fahren.

Privatbesitz  blockiert Sanierung

Der Rosengartener und ehemalige Stadtverordnete Hans Dieter Wachner bedauert, dass es in West viele baufällige Gebäude gibt, meist in Privatbesitz: das Schloss in Rosengarten, das ehemalige Heeresbauamt, die Rote und die Gelbe Kaserne, das Kleist-Theater, die ehemalige Heeresbäckerei, das Kulturhaus Völkerfreundschaft. „Es ist doch ein Witz, dass als Synonym für Völkerfreundschaft so ein verfallenes Gebäude steht“, empört sich der 83-Jährige.

Das westliche Stadtgebiet sei ein Vorbild für den Rest der Stadt, denn es wurde Bauland und bezahlbaren Wohnraum für Zuzügler geschaffen, meint Christian Matuschowitz (CDU). „Es würde dem Stadtteil aber sehr gut tun, wenn die Mitbestimmung durch eine Stadtteilkonferenz gefördert wird“, sagt der 38-Jährige. Für Frank Zimmermann (FBI) gibt es eine Vielzahl von Problemen im Quartier, zu wenige Kindergärten und fehlende Arbeitsplätze. „Wir machen keine großen Versprechungen, stehen für gesunden Menschenverstand“,  sagt der 58-Jährige selbstbewusst. „Wir wollen die Bürgerinitiative in der Paulinenhofsiedlung stärken und bezahlbaren Wohnraum für Familien und Senioren schaffen“, sagt Elise Funke (Grüne), einzige Frau am Stand.

Wahlkreis 2: der Frankfurter Westen

Der Wahlkreis 2 umfasst unter anderem die Ortsteile Rosengarten und Lichtenberg, die Nuhnenvorstadt mit Westkreuz, Seefichten und der Paulinenhofsiedlung sowie das Kosmonauten- und das Winzerviertel. Zum Stichtag im August 2018 lebten in dem Wahlkreis im Frankfurter Westen 19017 Einwohner. Als größere Einrichtungen sind unter anderem die Polizeidirektion, der Zoll, die Messehallen und die Gemeinschaftsunterkunft Seefichten zu nennen. Wichtige Wegeverbindungen sind die B112, die August-Bebel-Straße, Fürstenwalder Poststraße und Birnbaumsmühle. Insgesamt stehen im zweiten Wahlkreis 59 Kandidaten zur Wahl. ⇥thg