Weihnachten Frankfurt (Oder) 2023
: Warum Heiligabend alle Kirchenglocken der Doppelstadt läuten

Es ist eine ganz besondere grenzüberschreitende Aktion: Seit genau 20 Jahren erklingen zu Heiligabend minutenlang alle Kirchenglocken in Frankfurt (Oder) und Słubice. Wie es 2003 dazu kam.
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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Die drei Glocken des Uhrschlaggeläutes in St. Marien in Frankfurt (Oder)

René Matschkowiak

Es ist jedes Jahr wieder ein besonders bewegender Moment, wenn in Frankfurt (Oder) und Słubice am Abend des 24. Dezember für eine Viertelstunde lang sämtliche Kirchenglocken läuten. Die Marienkirche macht auch diesmal zu Heiligabend um Punkt 17.45 Uhr den Anfang.

Erst seit einigen Monaten ist das beeindruckende Geläut Jahrzehnte nach dem Krieg überhaupt wieder vollständig. 2014 waren zunächst drei der vier großen Glocken in Innsbruck neu gegossen und in die Turmhaube eingehängt worden. Komplettiert werden diese von der Mittelglocke Maria aus dem Jahr 1426 — die einzige vom ursprünglichen Geläut erhaltene Glocke aus dem Mittelalter. 2023 folgte — dank zahlreicher Spender — das Uhrschlaggeläut.

Erstes stadtübergreifendes Läuten vor genau 20 Jahren

Nach dem ersten Läuten der Glocken von St. Marien stimmen anschließend alle anderen Glocken in den evangelischen Kirchen und der katholischen Kirche in Frankfurt (Oder), in den beiden katholischen Kirchen in Słubice sowie in den Kirchen in den Ortsteilen und der Heilandskapelle in den großen Glockenchor mit ein. Das gemeinsame Läuten endet dann schließlich nach rund 15 Minuten.

„Auch in vielen anderen Städten wird dies gemacht, das Besondere bei uns ist das grenzüberschreitende“, erzählt Karl–Heinz Möckel. Der 76 Jahre alte Buchhändler aus Frankfurt (Oder) — der sein Geschäft aus Alters– und Gesundheitsgründen abgibt — hatte als damaliges Mitglied des Gemeindekirchenrates der evangelischen Kirche das gemeinsame Läuten im Jahr 2003 angeregt. Die Premiere liegt also auf den Tag genau 20 Jahre zurück.

„Ich hatte damals eine Sendung im WDR über das gemeinsame Glockenläuten in Köln gesehen, das hatte mich beeindruckt. Und dann kam mir der Gedanke, dass wir doch auch bei uns machen könnten“, erzählt Möckel. Es folgten Gespräche mit allen zuständigen Pfarrern in Frankfurt (Oder) und Słubice und viel Zuspruch. Er verstehe das grenzüberschreitenden Klingen der Glocken auch als Zeichen der engen Verbundenheit mit den polnischen Nachbarstadt, so der Initiator.