Bahn- und Busreisende bleiben dieser Tage öfter am Kiliansberg an dem hölzernen Traggerüst stehen. Dahinter verbirgt sich das Eisenbahnerdenkmal, das zurzeit saniert wird – und zu zwei Dritteln oben heraus guckt. "Die Holzplatten sollen vor Vandalismus während der Fugen- und Steinarbeiten schützen", erklärt Michael Hofmann, Vorsitzender vom neu gegründeten Eisenbahnerdenkmal-Verein. Der Lokführer ist erleichtert, dass nun etwas passiert. Jetzt würden die "Krampfadern im Stein" geschlossen, wie er die Fugenverfüllung der Muschelkalksteine nennt.
Der Erstantrag für die Sanierung wurde bereits 2015 bei der Stadt eingereicht, die Frankfurter Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mussten darum lange kämpfen: im Juli 2018  lag die denkmalrechtliche Genehmigung für die Auffrischung des Eisenbahnerdenkmals endlich vor (MOZ berichtete). Denn bei der geplanten Nachbildung der ausradierten Inschriften hatte die Denkmalbehörde Bedenken unter anderem wegen der politisch motivierten Beseitigung nach 1945. Nun ist es soweit – zuerst musste der obere Steinblock angehoben werden. Mit Hilfe des speziellen Gerüsts wurde die halbe Tonne ein Stück gen  Himmel befördert, auch um den Zuganker begutachten zu können, der die beiden äußeren Säulen zusammenhält. Zum Glück weist der Anker keine Risse auf, dass bestätigte ein Metallrestaurator.
"Wir wollen das Denkmal wieder flott kriegen", sagt Heike Ferch-Struck. Die Steinmetzmeisterin klettert über Leitern bis auf die oberste Plattform des Gerüsts, kniet sich vor die Figur des geflügelten Rads, die soweit intakt ist. Mit einem Mini-Spachtel gibt Thomas Schwarz-Gräfe etwas Restauriermörtel an den Fuß der Figur und verstreicht es zu einer kleinen Rampe. "So kann Regenwasser besser ablaufen", erklärt der Steinmetzgeselle. Auswaschungen oder Risse an den Säulen, die der Regen  hinterließ, wurden bereits beseitigt. Für größere Löcher haben die beiden Kalksteine zugeschnitten und neu eingesetzt. Fugen wurden geöffnet und wieder verfüllt. Seit 1932  soll das Denkmal an die während des Ersten Weltkrieges gefallenen Eisenbahner aus früheren, nunmehr auf polnischem Territorium liegenden Direktionsbezirken der Reichsbahn erinnern. 1947 wurde die Inschrift auf Grundlage einer Direktive des Alliierten-Kontrollrates entfernt. Nichts mehr sollte auf die einst deutschen Gebiete östlich der Oder verweisen. Mit Hilfe von Regionalhistorikern gelang es der GDL-Ortsgruppe, die Zeilen zu entschlüsseln: "1535 aus den drei Direktionsbezirken Bromberg, Danzig, Posen fielen im Weltkrieg 1914-1918 und 1919 bei den Grenzkämpfen."  Über die Farbe der Neu-Gravur auf der Südseite wird noch diskutiert. Für einen schlichten Grauton plädiert die Denkmalbehörde – auf Grundlage alter Fotos und dem Gutachten eines Steinrestaurators wünscht sich der Verein ein Bolus-Rot. "Dieser weinrote Farbton würde auch ins Häuserensemble am Denkmal passen", sagt Hofmann.

Hitze verzögert Arbeiten

Auf Grund der Hitze werden die Arbeiten noch andauern, da der Mörtel bei hohen Temperaturen verbrennt. Sind alle Seiten vom Denkmal fertig saniert, die mehrsprachigen Infotafeln zur Geschichte angebracht, wird der Eisenbahnerdenkmal-Verein wieder aufgelöst. Bis dahin werden Spender gesucht, die Sanierung kostet rund 18 000 Euro.
Spenden an: Eisenbahnerdenkmal-Verein Frankfurt Oder e.V., Iban: DE 23 1705 5050 1101 7520 72, Sparkasse Oder-Spree, Verwendungszweck: Denkmal