Mit seiner damaligen Frau Regina und den gemeinsamen Kindern René und Marcel, die sieben und fünf Jahre alt waren, spazierte der damals 35-jährige Frankfurter am 11. November das erste Mal durch das Brandenburger Tor. Am Kudamm sei die Familie in ein Café gegangen, eine Frau habe den Söhnen jeweils zehn Mark in die Hand gedrückt und gesagt, sie sollten sich etwas Schönes kaufen. "Irgendwie schienen wir so ein Merkmal an uns zu haben, dass die uns gleich als Ossis erkannten", sagt er.
An den ersten West-Einkauf kann Pschowski sich auch noch erinnern. Zum ersten Mal war er in einem Supermarkt, "wo es alles gab": Woolworth. Seine Frau und er hätten sich jeweils eine Lederjacke gekauft – "für 99 Mark! Bei uns wäre so was unbezahlbar gewesen!" Für die Kinder gab es Nintendos, Süßigkeiten und eine Mahlzeit bei McDonalds.
"Nie hätte ich gedacht, dass ich das mal erlebe, dass wir frei leben können." Zum Zeitpunkt des Mauerfalls habe er die Parolen vom Sieg des Sozialismus schon lange nicht mehr hören können. Dass er in der DDR nicht frei war, hat er schon 1971 am eigenen Leib erfahren. Mit gerade mal 17 Jahren wurde er wegen "Staatsverleumdung, Bandenbildung und Rowdytum" ein halbes Jahr inhaftiert – weil er bei einem Volksfest am heutigen Kleist Forum an einem Streit zwischen alkoholisierten Jugendlichen und der Volkspolizei beteiligt gewesen war. "Natürlich war ich gegen die Polizei", sagt er. "So oft habe ich erlebt, wie Jugendliche abgeführt wurden, nur weil sie lange Haare und ein Kofferradio hatten."
Das eigentlich belanglose Handgemenge führte für einige der Rebellen zu U-Haft, einem "Schauprozess", wie Pschowski es nennt, und schließlich zu sechs Monaten Gefängnis. Dabei bekam er noch mildernde Umstände, weil kurz zuvor seine Mutter gestorben und sein Vater schwer krank war. Noch lange habe ihm ein Justizvollzugsbeamter mit Goldzahn schlimme Albträume bereitet, erzählt  der Frankfurter.
Im positiven Sinne träumte er seitdem vom Westen. Nach Berlin ist er oft gefahren und hat versucht, über die Grenze zu schauen. Auch über Flucht dachte er nach, doch als er seiner Frau das vorschlug, habe die geweint aus Angst davor, was passieren könnte. "Daher wollte ich uns nicht in Gefahr bringen, auch nicht allein gehen und am allerwenigsten die Kinder zurücklassen."
Nach dem Mauerfall wollte er aus Frankfurt auch gar nicht mehr wegziehen. "Jetzt hatte ich ja alles, was ich wollte", sagt er. Und mit der Oderstadt fühlt er sich einfach zu sehr verbunden: "Ich habe die Stadt aufwachsen sehen. Zu DDR-Zeiten gab es hier noch viel Zuzug, der Oderturm wurde gebaut, meine Freunde leben hier... Ich habe die Stadt lieben gelernt." Auch wenn er die Bundesrepublik politisch als Segen sieht, ein bisschen "Ostalgie" empfindet er doch: "Früher waren die Leute ehrlicher und haben sich gegenseitig mehr geholfen."
Er selbst hatte nach der Wende eigentlich auch nicht viel Glück. Als Straßenbahnfahrer sollte er Ende der 90er Jahre entlassen werden, weil die Verkehrsgesellschaft, wie er sagt, noch möglichst viele frühere Stasi-Leute einstellen wollte. Mithilfe seiner Gewerkschaft klagte er sich von 2000 bis 2007 acht Mal in den Job zurück – nur um kurz darauf stets erneut entlassen zu werden. Seine Frau verließ ihn und er blieb mit den Kindern alleine. Bis zum Ende der Arbeitsprozesse sei er seelisch und gesundheitlich sehr angeschlagen gewesen, sagt Pschowski. Seitdem habe er nur noch kleine Jobs gemacht.
Umso glücklicher ist er darüber, nach der Wende für die Inhaftierung in seiner Jugend als SED-Opfer anerkannt und rehabilitiert worden zu sein. Dafür bekommt er inzwischen eine monatliche Opfer-Pension. Obwohl für ihn selber nicht alles gut lief, und er verstehen kann, dass viele Ostdeutsche sich abgehängt fühlen – Pschowski ist nach wie vor "himmlisch froh über die Wende". Damals, am ersten Tag in Berlin, seien seine Familie und er "aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen." Heute ist es für seine Söhne normal, in Österreich und in Berlin zu leben. Und es ist normal, dass die Grenzen jederzeit überschritten werden können.