Wetter in Frankfurt (Oder)
: Starkregen fegt über die Stadt und hebt Gullydeckel an

In Frankfurt (Oder) sorgte Starkregen für angehobene Gullydeckel, überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und Hausflure. Das ruft nun auch die Stadtpolitik auf den Plan.
Von
Lisa Larossa
Frankfurt (Oder)
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Stefan Stenz aus Frankfurt (Oder), Ortsteil Hohenwalde, hat beim Unwetter diese Böenwalze fotografiert.

Stefan Stenz aus Frankfurt (Oder), Ortsteil Hohenwalde, hat beim Unwetter diese Wolkenformation, eine Böenwalze, fotografiert.

Stefan Stenz

In den sozialen Medien häufen sich nach dem Unwetter in Frankfurt (Oder) Fotos und Videos von vollgelaufenen Hausfluren und überschwemmten Straßen. Am Mittwoch (10.7.) kamen über 20 Liter pro Quadratmeter herunter. Um 22 Uhr waren es laut einer Wetterstation im Stadtteil West 23 Liter. Stefan Stenz aus Hohenwalde konnte 22,8 Liter Regen messen.

Er hat dort auch eine Böenwalze fotografiert, bei der es sich laut Deutschem Wetterdienst um eine „walzenförmige Wolke mit horizontal verlaufender Achse“ handelt. Böenwalzen seien „meist recht dunkle Wolken, teils bogenförmig und wirken bedrohend“.

Regen hebt Gullydeckel in Frankfurt (Oder) an

Kurz darauf verwandelten sich wieder viele Straßen in der Stadt in Bäche. In Neuberesinchen kam das Wasser Treppen hinuntergeströmt und drückte durch Fenster, wie auf Videos zu sehen ist. Die Große Müllroser Straße und den Buschmühlenweg entlang lief, wie bei solchem Wetter üblich, das Wasser in Strömen. Im Hausflur eines Eckhauses am Carthausplatz stand wieder einmal das Wasser mehrere Stufen hoch. Gerufen wurde die Feuerwehr nicht nur in diese Straße.

Ein Reinigungsauto der Firma Becker und Armbrust reinigte am Donnerstag Straßen im Zentrum von Frankfurt (Oder) - auch viele Gullys waren nach dem Unwetter voller Blätter und Dreck.

Ein Reinigungsauto der Firma Becker + Armbrust reinigte am Donnerstag Straßen im Zentrum von Frankfurt (Oder) – auch viele Gullys waren nach dem Unwetter voller Blätter und Dreck.

Lisa Larossa

Auf zehn bis 15 Einsätze schätzt Wolfgang Welenga, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbands, die Situation in der Nacht. Vor allem wegen vollgelaufener Keller und angehobener Gullydeckel seien seine Kameraden gerufen worden. Die Abwasserleitungen scheinen so voll gewesen zu sein, dass sie die Wassermengen des Starkregens „nicht mehr geschafft haben“.

Zwar gab es in jüngster Vergangenheit oft Gewitter und heftigen Regen. Dass Gullydeckel angehoben wurden, sei aber in letzter Zeit nicht passiert. Manche Deckel habe die Feuerwehr in der Nacht wieder auf die Gullys gesetzt, manchmal „schieben auch Bürger sie wieder rein“ – doch am Donnerstagmorgen lagen sie an einigen Stellen noch immer daneben, teilweise auf der Straße.

Schächte der FWA liefen zum Teil mit Wasser voll und über

Ob es sich um Gully- oder Schachtdeckel handelt, lässt sich für Laien oftmals nur schwer erkennen. Von der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft (FWA) heißt es auf Nachfrage, dass es zwar in der ganzen Stadt Störungen gegeben habe, es aber zu keinen außerordentlich großen Schäden gekommen sei und am Donnerstag nur kleine Arbeiten nötig waren.

So seien zum Beispiel in der Großen Müllroser/Luckauer Straße Schächte übergelaufen und auch in der Herbert-Jensch- und Berliner Straße – ein weiterer häufiger Schwerpunkt bei Starkregen – die Regenschächte vollgelaufen. „Die Regenrückhaltebecken waren nicht betroffen“, hieß es. Diese sind bei starken Regen die Sicherheit, denn es können dort ein paar Hundert Kubikmeter Regenwasser hineinlaufen, die gedrosselt wieder ablaufen und so einer Überschwemmung entgegenwirken. An der Kläranlage kamen laut FWA 16,6 Liter Wasser an.

Anfrage an Stadtverwaltung Frankfurt (Oder) und FWA

Der Linken-Stadtverordnete Jan Augustyniak bereitet für eine der nächsten Sitzungen des Hauptausschusses eine Anfrage zu genau diesem Thema vor. Darin soll es unter anderem um die Fragen gehen, welche Vorkehrungen zur Gefahrenabwehr gegen Schlamm und Regenwasser Stadtverwaltung und FWA ergreifen und welche Arbeiten am Kanalisationssystem in den kommenden Jahren geplant sind. Augustyniak interessiert sich außerdem dafür, wie viele Feuerwehreinsätze es gab und zu welchen Schäden es kam.

Wie bereits am Mittwoch bleibt das Wetter auch in den kommenden Tagen unvorhersehbar. Unwetterwarnungen gibt es weiterhin, doch immer wieder ändern sich die Vorhersagen. Wer einen Besuch auf dem Hansestadtfest Bunter Hering plant oder das Fußball-EM-Finale draußen gucken möchte, sollte auf jeden Fall an regenfeste Kleidung denken.