Zeitgeschichte
: „Vater des Wildparks“ erzählt

Frankfurts einstiger Amtstierarzt Dr. Bernhard Schröder hat als Zeitzeuge an den Aufbau des Wildparks in Rosengarten erinnert.
Von
Ines Weber-Rath
Frankfurt (Oder)
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Zeitzeugenbericht: Frankfurts einstiger Kreis- und Amtstierarzt Dr. Bernhard Schröder (vorn, l.) war in der Stadtbibliothek Gast der "Erzählnachmittage". Seiner Initiative verdanken die Frankfurter maßgeblich den Wildpark in Rosengarten.

Ines Weber-Rath

Zur Kämpfernatur, die es brauchte, um den Wildpark in Rosengarten ins Leben zu rufen, ist Schröder wohl als Leistungssportler geworden: Er sei „sportverrückt“ gewesen, berichtete der Veterinär. Der in Halle Geborene und in Berlin Aufgewachsene hatte es als Basketballer in die DDR-Nationalmannschaft gebracht. Tierarzt wollte er nach den Ferien auf dem Bauernhof bei Verwandten werden, erzählte Dr. Schröder, der ein Praktikum bei Prof. Dathe im Berliner Tierpark gemacht hat. Nach dem Studium wurde er zur Pflichtassistenz an den Eisenhüttenstädter Schlachthof beordert.

Aus der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis in Fürstenwalde heraus übernahm er die Briesener Praxis von Dr. Pohl. „Er war der Großvater unserer Bundesfamilienministerin Franziska Giffay“, erzählte Schröder. Seine Karriere verdankt er dem erfolgreichen Kampf gegen die Maul- und Klauenseuche. Sie war 1976 in Beerfelde ausgebrochen, Schröder leitete den Seuchenstab. Im April 1977 wurde er als Kreistierarzt nach Frankfurt berufen, war bis zur Pensionierung 2009 Amtstierarzt. Zu der Zeit war Dr. Schröder, der „eigentlich nie aus Frankfurt weg“ wollte, schon Lebuser. Dort habe es, anders als in Frankfurt, Bauland gegeben.

Dass Frankfurt, dessen kleiner Tierpark im Kleistpark in den 70er Jahren der Wohnbebauung weichen musste, einen neuen bekommt, habe ihm von Anfang an am Herzen gelegen, so Dr. Schröder. Doch der einstige OB Fritz Krause habe erklärt, dass es dafür kein Geld gebe.

Die Chance bot sich nach der Wende, als die Sowjetarmee abzog und der Schießplatz in Rosengarten frei wurde. Zudem gab es damals „plötzlich viele Arbeitslose“ und ABM-Projekte, erinnerte der "Vater des Wildparks“. Mit dem Internationalen Bund sei 1994 die Projektidee erarbeitet worden, so Schröder, der Fotos vom Abriss alter Schweineställe und Schienen zeigte.

Man habe „massenweise Munition“ gefunden, so Schröder. Frankfurts Kämmerer sei zunächst gegen den Kauf des Areals gewesen. Es habe rund eine Million DM gekostet, den Wildpark herzurichten. Zum Brandenburg-Tag 2000 seien 20 000 Euro dafür gespendet worden.  Eröffnet wurde der Park am 1. Juni 2000 mit 3000 Besuchern. Seit Anfang 1999 gibt es den Förderverein des Wildparks, erinnerte Dr. Schröder, der bis 2019 dessen Vorsitzender war. Die Gaststätte „Kobel“ befinde sich im einstigen Wohnhaus russischer Offiziere.

Die ersten Hirsche kamen aus Eisenhüttenstadt und Märkisch-Oderland, die Elektrozaunfelder besorgte ein einstiger DDR-Grenzsoldat. Frankfurter Baubetriebe hätten ihre Arbeiten gesponsert, berichtete Bernhard Schröder. Der heutige Leiter des Wildparks, Jochen Hanschel, dankte ihm für sein „Lebenswerk“.

Wildpark Rosengarten

Das 16 Hektar große Areal war einst preußischer, dann Schießplatz der Sowjetarmee. Heute leben im Wildpark rund 300 Tiere aus 33 Arten. Betreiber sind seit 2006 die Gronenfelder Werkstätten der Wichern Diakonie. Im vorigen Jahr wurden im Wildpark 60 000 Besucher gezählt. Für die Wildparkschule stand die Zooschule im Wildpark im Taunus Pate. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr.  Die nächsten Veranstaltungen im Wildpark sind der erste Gottesdienst dort am 5. Mai, das Kinderfest am 19. Mai, Himmelfahrt mit Bigband am 30. Mai, das Musik- und Kinderfest am 16. Juni, das Umweltfest am 23. Juli. Das Herbst- und Kinderfest findet am 15. September statt.⇥ir