Fast einen Meter groß war die Schere, mit der Geschäftsführer Helge Puhlmann, Oberbürgermeister René Wilke und Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer am Donnerstag symbolisch das blaue Band zur Eröffnung der neuen Produktionsstätte von Yamaichi Electronics in Frankfurt (Oder) durchschnitten. Im Inneren des Werkes wird mit deutlich feinerem Werkzeug gearbeitet. Viel feiner. 0,15 Millimeter misst der schmalste Bohrer, mit dem die Mechatroniker oder CNC-Spezialisten des Unternehmens kleinste Löcher in Stecker und andere Bauteile bohren – ein menschliches Haar ist nur unwesentlich dünner.

Flachkabel aus Frankfurt in Fahrzeugen von Audi bis BMW

Bereits seit April werden in dem Werk unweit der Müllroser Chaussee kleinste Elektronikkomponenten für den Weltmarkt produziert. Die Kabel, Anschlusssysteme und Steckverbindungen finden sich in Fahrzeugen von Premiumherstellern wie BMW, Audi oder Mercedes. Oder in Medizintechnik-Produkten wie beispielsweise Beatmungsgeräten. Auch Halbleiter und Mikroprozessoren, die in Smartphones namhafter Hersteller wie Apple stecken, werden mit Produkten getestet, die von Yamaichi in Frankfurt (Oder) gefertigt werden. „Wir liefern elektromechanische Lösungen, damit Weltmarktführer ihre Produkte an den Markt bringen können – ohne uns würden die Geräte nicht so schön rund laufen“, erklärte Helge Puhlmann.
Die Eröffnung der neuen hochmodernen Produktionsstätte ist für das Unternehmen ein Meilenstein – und für Frankfurt (Oder) ein Glücksfall. Knapp 120 Mitarbeiter beschäftigt Yamaichi in Frankfurt; zukunftssichere Jobs in eher unsicheren Zeiten.

Fabrik in Rekordzeit von 14 Monaten gebaut

Gebaut wurde das neue Werk vom Unternehmen Vollack in einer Rekordzeit von nur knapp 14 Monaten. Die Grundsteinlegung erfolgte Ende April 2019. Im März 2020 waren die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Doch die Corona-Pandemie verkomplizierte nicht nur den ohnehin schon herausfordernden Umzug an den neuen Standort. Auch an eine offizielle Eröffnung mit Dutzenden hochrangigen Besuchern war im Frühjahr nicht zu denken. Das wurde nun nachgeholt.
Oberbürgermeister René Wilke, Geschäftsführer Helge Puhlmann und Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer (von links nach rechts) beim Durchschneiden des symbolischen blauen Bandes zur Eröffnung des neuen Werkes.
Oberbürgermeister René Wilke, Geschäftsführer Helge Puhlmann und Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer (von links nach rechts) beim Durchschneiden des symbolischen blauen Bandes zur Eröffnung des neuen Werkes.
© Foto: Gerrit Freitag
„Sie sind trotz Corona in der Bauzeit geblieben. Und haben trotz Corona keine Kurzarbeit in Anspruch nehmen müssen“, unterstrich Staatssekretär Hendrik Fischer. Von stabilen Unternehmen wie Yamaichi profitiere nicht nur Frankfurt sondern ganz Brandenburg. „Heute ist ein guter Tag für den Wirtschaftsstandort“, so Fischer. Er hob auch das Engagement des Unternehmens für den Fachkräftenachwuchs hervor. Zwölf Auszubildende hat Yamaichi. „Wir bilden uns unsere Fachkräfte selbst aus. Diesen Weg gehen wir konsequent“, betonte wenig später ebenso Christian Diamantidis, Leiter der Produktion, bei einem Rundgang durch die Fabrik.

Fassade mit leuchtender Sinuskurve als Blickfang

„Wir freuen uns unglaublich über die Entwicklung, die Yamaichi hier genommen hat“, sagte Oberbürgermeister René Wilke. Das neue Gebäude sei ein echter Blickfang geworden. „Es lohnt sich, auch nachts hier vorbeizufahren“, so das Stadtoberhaupt. Denn sobald die Sonne untergeht, lässt eine leuchtende, blaue Sinuskurve – das stilisierte Firmenlogo – die Fassade des Werkes erstrahlen.
Yamaichi ist bereits seit 2006 in Frankfurt vertreten. Damals hieß der OB noch Martin Patzelt. Mit dem Solarboom wuchs auch der Hersteller elektronischer Komponenten bald rasant – zu rasant. Der Frankfurter Standort des weltweit aufgestellten Unternehmens war zeitweise in Gefahr. Doch der Konzern – dessen europäische Firmenzentrale in München angesiedelt ist – entschied, die Herstellung in Frankfurt zu belassen und auf neue Produktlinien umzustellen. Die Talsohle war bald durchschritten. Vor gut drei Jahren fiel dann die Entscheidung, gut 20 Millionen Euro in ein neues Fabrikgebäude zu investieren, um zu wachsen und Arbeitsprozesse zu optimieren. Denn auf dem früheren Halbleiterwerksgelände, dem heutigen TeGeCe, war Yamaichi nur Mieter.
Die neuen Fertigungshallen umfassen mehr als 7000 Quadratmeter Fläche, und sind bei Bedarf auch erweiterbar. Die Produktion erfolgt hochautomatisiert und mit neuesten Technologien. In der größten Werkhalle stehen allein 15 leistungsstarke Drehmaschinen zur Verfügung.