Artenvielfalt: Blüten für den Waldschutz

Bunte Mischung: Die Blüten von Wicken, Luzernen, Klee und Gräsern sollen Insekten im Fürstenwalder Stadtforst Nahrung bieten. Försterin Anja Henning zeigt die lange Liste der ausgebrachten Samen. Sie und Stadtforstdirektor Thomas Weber ließen am Dienstag den ersten Blühstreifen im Stadtforst anlegen. Die Pflanzen locken später Insekten an, die Waldschädlinge in Schach halten.
Manja WildeNoch schlummert die nordische Wildwiese in der Drillmaschine von Dirk Lange. 25 Kilogramm Samen hat der Maschinist der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz in den großen Behälter gefüllt. An diesem Dienstag will er das wertvolle Gut nicht auf einem Feld ausbringen, sondern im Wald.
Der Fürstenwalder Stadtforst startet ein Pilotprojekt – er legt einen Blühstreifen im Revier Beerenbusch an. Knapp einen Hektar ist der Streifen groß, der unter einer Hochspannungsleitung verläuft. In wenigen Wochen, so der Plan, sollen dort Deutsches Weidelgras, Knaulgras, Rotschwingel, Winterwicken, Luzerne, Kleesorten und einiges mehr für ein Blütenmeer sorgen.
„Wenn das Projekt gelingt, werden wir es auf größeren Flächen fortsetzen“, kündigt Stadtforstdirektor Thomas Weber an. Denn immerhin dienen die blühenden Pflanzen nicht nur Bienen als Nahrungsquelle, sondern auch anderen Insekten, die für die Gesundheit des Waldes wichtig sind. Den Erzwespen zum Beispiel. „Sie legen ihre Eier in die Eier von Schadinsekten“, erklärt der Stadtforstdirektor. Und damit sind sie die natürlichen Gegenspieler von Nonne, Kiefernspinner und Kiefernspanner.
Es geht um Kulturlandschaften und Artenvielfalt. „Insekten schützen, Kulturlandschaft bewahren“, heißt die Volksinitiative, die sich dazu gegründet hat. Weber ist der Vorstandsvorsitzende des Waldbesitzerverbandes Brandenburg und wirkt als dieser im Vorstand des Vereins Forum Natur Brandenburg mit, der die Initiative „Mehr als nur ein Summen“ mit auf den Weg bringt. Sie fordert vom Land unter anderem, einen Kulturlandschaftsbeirat zu gründen, eine Koordinierungsstelle für Insektenforschung einzurichten, Artenvielfalt zu fördern und Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.
Fördergeld vom Land erhofft
Zudem hofft Weber, dass er ab dem kommenden Jahr Fördergeld für Blühstreifen bekommt. Doch so lange will er nicht warten, darum finanziert der Stadtforst die rund 500 Euro für den ersten Versuch selbst.
Genauso sieht es Frank-Peter Schmidt. Der 60-Jährige ist der neue Vorsitzende des Jagdverbandes Fürstenwalde. Bereits am Wochenende setzte er sich in einen Traktor, um mit befreundeten Jägern einen rund 300 Meter langen und drei bis fünf Meter breiten Blühstreifen anzulegen. 193 Hektar Wald besitzt der Fürstenwalder. Und darin, in der Nähe der A12, sollen Insekten in wenigen Wochen viele Blüten als Nahrung finden. „Nach einem tiefgründigen Lockern des Bodens wurde die mehrjährige Mischung, welche unter anderem Senf, Ölrettich, Phacelia, Buchweizen, Winterraps, Schwarzhafer, Sonnenblumen, Süßlupinen enthält, in den Boden eingebracht“, berichtet Schmidt. „Auf kleineren Flächen zwischen dieser Mischung haben wir die Hasenapotheke gesät“, ergänzt der Jäger. Diese sei auf die besonderen Geschmäcker der Hasen ausgerichtete und enthalte neben Kleesorten auch Luzerne, Malve und viele Heilkräuter. Wildbienen, aber auch Rehwild und Hasen, würden von dem Geruch magisch angezogen. „Das ist unsere Chance, Kiefernaufforstungen vor Wildverbiss zu schützen“, so Schmidt. Auch er zahlt die ersten Blühstreifen aus eigener Tasche.
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