Bei der Feuerwehr in Fürstenwalde sieht man keine großen Unterschiede zu anderen Unfalleinsätzen. "Einsätze an Fahrzeugen mit Elektroantrieb unterscheiden sich nicht grundsätzlich von Einsätzen an ‚normalen’ Fahrzeugen", erklärt Feuerwehrchef Jörn Müller auf MOZ-Anfrage. Jedoch müsse bei schweren Unfällen darauf geachtet werden, freiliegende Hochspannungskomponenten nicht zu berühren.
Aufgrund der wenigen Elektro- und Hybridfahrzeuge, die bisher unterwegs seien, gebe es aber kaum praktische Erfahrungen. Auch in Erkner habe es noch keinen Einsatz wegen eines brennenden Elektroautos gegeben, berichtet Frank May. Der Leiter der örtlichen Feuerwehr verweist auf die Schulungen der Einsatzkräfte. "Wir bilden uns weiter."
Auch bei den Verhaltensregeln blieben die Einsatzkräfte auf dem neusten Stand. So müssen die Helfer, wenn sie zum Beispiel eine verletzte Person aus dem Wagen befreien, beim Aufschneiden des Fahrzeugs auf den Verlauf der Leitungen achten. "Wir wissen, wo die Hochspannungsleitungen verlegt sind", sagt May. Dazu gibt es Handbücher der Hersteller, in denen beschrieben ist, was beim jeweiligen Fahrzeugtyp zu beachten ist und wie, im Falle von Elektroautos, sich die sogenannten Hochvoltsysteme deaktivieren lassen, also der Strom abgestellt wird.
Sicherheitsabstand ist wichtig
In den Rettungsdatenblättern die frei verfügbar sind, geben die Hersteller an, wo Komponenten verbaut sind, wie sich das Fahrzeug spannungsfrei schalten lässt und was beim Löschen zu beachten ist. VW gibt beim Fahrzeug e-Golf 7 zum Beispiel zwei Varianten an, mit denen das Fahrzeug abgeschaltet werden kann – eine, falls Zündung und Sicherungen zugänglich sind und eine über den Motorraum des Fahrzeugs.
Tesla stellt ebenfalls Notfall-Informationsblätter bereit. Für das Model 3 heißt es dort: "Wenn die Batterie Feuer fängt, hohen Temperaturen ausgesetzt ist oder Hitze beziehungsweise Gase erzeugt, kühlen sie die Batterie mit viel Wasser ab." Dazu, so schreibt der Hersteller, könnten circa 11 300 Liter Wasser nötig sein, die direkt auf die Batterie gerichtet werden müssen.
Batterien mit viel Wasser kühlen
Der Leiter der Fürstenwalder Feuerwehr, Jörn Müller, bestätigt dies: "Für brennende Hochvollbatterien ist der Einsatz von großen Mengen Wasser erforderlich." Andere Feuerwehren würden aufgrund ihrer Erfahrungen auch alternative Brandschutzsysteme nutzen. In sogenannten Hochvoltcontainern, eine Art mit Wasser gefüllter Tank, könnten verunfallte Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge abgestellt und mehrere Stunden oder Tage gekühlt werden, erklärt Müller.
Kreisbrandmeister Klaus-Peter Schulz ist eher skeptisch, was solche Container angeht. Als Beispiel nennt er eine E-Lok. Auch die verfüge über ein Akkusystem und könne in Brand geraten. "Die können wir ja nicht einfach in einen Wassertank werfen", gibt Schulz zu bedenken.

Gemeldete Fahrzeuge im Oder-Spree-Kreis


In den vergangenen drei Jahren ist die Anzahl der Elektrofahrzeuge auf den Straßen im Oder-Spree-Kreis gestiegen, sagt Ditmar Münch, Sachgebietsleiter für KFZ-Zulassung und Verkehrslenkung beim Amt für Straßenverkehr und Ordnung. Doch die Zahl bleibt überschaubar. 2017 wurden 37 E-Autos neu angemeldet. 2018 waren es schon 51 Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf den Straßen im Kreis und im vergangen Jahr haben sich die Neuanmeldungen mit 105 mehr als verdoppelt. Insgesamt waren im Jahr 2019 rund 131 000 Pkw im Kreisgebiet gemeldet, 13 000 Lkw sowie 11 000 Motorkrafträder.  ans