"Kommen Sie auf die Balkone und an die Fenster", ruft die 32-Jährige in ihr pinkfarbenes Mikrofon, und sogleich sind dort die ersten Gesichter zu sehen, Bewohner und Mitarbeiter, die vorher eingeweiht waren. Bevor sie gut eine halbe Stunde lang singt, hält sie eine Begrüßungsansprache der besonderen Art. "Es ist etwas ganz Neues für mich und etwas merkwürdig", sagt sie auf der Straße, an deren Rand zwei große Lautsprecherboxen aufgebaut sind. "Aber ich freue mich, dass ich nach soundsovielen Wochen wieder singen kann." Dann legt sie los, mit "November in Paris", ihrer Single aus dem Jahr 2015.
Ihr vorerst letztes "richtiges" Konzert gab Undine Lux Ende Februar, bei einer privaten Veranstaltung mit rund 200 Gästen im Dämeritzseehotel in Berlin-Hessenwinkel. "Und jetzt ist bis September alles geplatzt", sagt ihr Manager Mario Geyermann, der in Bad Saarow ebenfalls dabei ist. Am Sonnabend sollte sie eigentlich beim Stadtfest in Markkleeberg (Sachsen) auftreten, im Juni beim Heimatfest in Erkner, zahlreiche weitere Termine waren bereits gebucht.
Ihr Problem: Mit den Auftritten fallen auch ihre Gagen aus. "Ich stehe komplett auf dem Schlauch", sagt die Profi-Sängerin, die mit Musik ihr Geld verdient. Mit der Soforthilfe des Landes könne sie lediglich ihre Betriebskosten decken. Ausfallhonorare zahlt der Staat nur an Künstler, die für eine vom Bund unterstützte Institution tätig sind. "Ich habe Hartz IV beantragt", sagt sie.
In der Corona-Not wandte sie sich außerdem an die Unternehmensberaterin Monika Mayer-Westhäuser, die sich eigentlich vor allem mit dem Thema Unternehmensnachfolge beschäftigt. Zurzeit bekomme sie deutlich mehr Anfragen als im Alltag, berichtet die Bad Saarowerin. Sie verweist außerdem darauf, dass für ihre Dienste zurzeit eine hundertprozentige Förderung beantragt werden könne. Erste Ideen sind in den Gesprächen bereits entstanden, wie Undine Lux und ihre Manager berichten. "Wir wollen unser gemeinsames Label Pink Pearl Music ausbauen", berichten sie. Derzeit laufe die Arbeit an einem Konzept, eines Tages könnten dann zum Beispiel andere Künstler ein Studio nutzen. "Außerdem gibt es bald einen neuen Song von  mir", kündigt die Sängerin an. Man sei bereits in den letzten Zügen der Produktion. "So leicht" wird er heißen, verrät sie.

Auch Kinder schauen zu

Beim Straßenauftritt in Bad Saarow kommen unterdessen weitere Zuschauer und Zuhörer hinzu. In der Kita Abenteuerland gegenüber öffnet sich die Tür, und eine Gruppe notbetreuter Kinder tritt mit ihren Erzieherinnen heraus. Zuvor haben bereits Eltern, die ihre Kinder abholen, eine Zeitlang beim Konzert verweilt. Undine Lux singt nicht nur eigene Songs, sondern auch ein Country-Medley, die Zuschauer beginnen, rhythmisch zu klatschen. Bei "Biene Maja" wird mitgeschunkelt, am Ende gibt es noch den Abba-Hit "Thank you for the music".
"Singen macht glücklich, und das brauchen wir gerade jetzt. Lasst uns optimistisch bleiben", sagt Undine Lux zwischen ihren Liedern ins Mikrofon. Beim Gespräch nach dem Konzert kommen dann aber auch wieder nachdenkliche Töne zu der Frage, wie es für sie weitergehen wird. "Die Kultur und die Künstler sind leider vermutlich die letzten in der Schlange, wenn es nach und nach wieder zu Lockerungen bei der Corona-Eindämmung kommt", sagt Manager Geyermann.