DDR-Rarität: Panzer auf Trabant-Gestell rollt nach Fürstenwalde
„Davon gab es nachweislich nur drei Stück“, sagt Wehr. „Und das ist der letzte, der übrig ist“, fügt der 64-Jährige zufrieden an. Schon als die Männer am Sonnabend mit dem Trabi-Panzer auf dem Hänger über die Autobahn zuckelten, habe das Gefährt die Blicke auf sich gezogen. "Wir sind extra langsam gefahren“, sagt Göbel grinsend, „dass die Leute gucken konnten“.
In Palast-Sesseln Filme gucken
Die Beiden haben ein Faible für DDR-Fahrzeuge. Das hat sie vor acht, neun Jahren zusammengeführt. „Wir haben uns bei einem Fahrzeugtreffen am Bierwagen kennengelernt“, sagt Göbel, der in Berlin-Marzahn zu Hause ist. Sein Trabant Kübel steht jetzt in einer der Hallen in Trebus. Wie viele Fahrzeuge die Ausstellung umfasst? Günter Wehr hebt die Schultern. „Knapp 80“, schätzt er. „Aber wir haben ja nicht nur Technik, sondern auch Alltagsgegenstände.“ Zu DDR-Zeiten befand sich auf dem Areal der Kreisbetrieb für Landtechnik, erzählt Wehr, während er sich ein Feierabend-Pils genehmigt. „Hier wurden Bagger repariert.“ 2005 kaufte er das 14 000 Quadratmeter große Gelände. 2014 gründete er den Verein. 30 Mitglieder zählt der heute. Zwei Hallen und das Heizhaus dienen als Ausstellungsflächen.
„Klotzen, nicht kleckern“, ist das Motto, nach dem Wehr sie füllt. "2019 haben wir unseren Kinosaal mit Bestuhlung aus dem Palast der Republik eingeweiht“, nennt der 64-Jährige ein Highlight. Wer in den großen Sesseln Platz nimmt, hat es nicht eilig, wieder aufzustehen. Auch das Zimmer der Gemeindeschwester gibt es seit 2019. „Man muss den Gästen etwas bieten“, weiß Wehr.
Alle Räume sind gut sortiert und sauber. Das hat auch André Meyer, Kurator des Horch-Museums Zwickau überzeugt. Sonst hätte er dem Verein den Trabi-Panzer nicht überlassen. Zwischen 1972 und 1983 seien die drei Fahrzeuge im Pionierhaus in Halle an der Saale gebaut worden. Im Maßstab eins zu zwei setzten Lehrlinge die Karosserie auf eine verlängerte Trabant-Plattform. Acht Kinder hatten auf der Ladefläche Platz. Pedale auf der Beifahrerseite dienten zur Fahrerausbildung. Die Spezialfahrzeuge standen im Dienst der vormilitärischen Ausbildung. „Wenn man den Frieden will, muss man für den Krieg gerüstet sein“, gibt Meyer den pädagogischen Ansatz der DDR-Führung wieder. Das Zwickauer Museum kaufte den Trabi-Panzer 2009 für 9000 Euro; 2019 verschwand er im Depot – das war Wehrs Glück.
Der Panzer soll nicht das letzte Schmuckstück sein, das die insgesamt vier Lenin-Statuen und -Büsten der IFA-Freunde an sich vorbeiziehen sehen sollen. Wehr, der hauptberuflich die Oderland Fahrschule führt, plant schon den nächsten Coup. Er will die gläserne Blume, die einst im Foyer des Palasts der Republik stand, nach Trebus holen. „Der Künstler Richard Wilhelm lebt noch und ist heiß darauf, sie zu sanieren“, sagt Wehr, der den Glaskünstler bereits in Magdeburg besucht hat. Noch lagert das gut fünf Meter hohe Gebilde im Depot des Deutschen historischen Museums.
Am Sonnabend, 11 bis 13 Uhr, finden Führungen durch die Ausstellung an der Jännickendorfer Straße 1a in Trebus statt. Eintritt: 7 Euro.


