Es wird geschnitten, gekämmt und stets überwacht, wo der Rasierapparat noch einmal angesetzt werden muss. Hundedame Luise steht auf einem Tisch, mitten in einem hell erleuchteten Raum und lässt ihrem Fell gerade den letzten Feinschliff verpassen. Im Spreefell Hundefriseur von Maria Branch ist an diesem Dienstag einiges los. Neben dem siebenjährigen Yorkshire Terrier Luise vergnügen sich noch zwei Deutsche Boxerhunde und ein Chihuahua in dem Laden in der Ernst-Thälmann-Straße in Fürstenwalde.
Draußen zeigt das Thermometer in diesem Moment sechs Grad Celsius. Drinnen herrscht eine angenehme Temperatur. Doch wie vertragen Hunde diese Temperaturschwankungen eigentlich und wie kann man diese den Tieren erträglicher machen?

Was hilft bei Temperaturschwankungen?

„Viel kämmen“, rät Maria Branch von Spreefell Hundefriseur. Abgesehen davon, dass regelmäßiges Kämmen zu einer guten Pflege dazugehöre, helfe das den Hunden am besten. Besonders solle dabei auf die Unterwolle (auch Wollhaar genannt) geachtet werden. Dabei handele es sich um eine zusätzliche Fellschicht, die vor allem bei älteren Rassen vorkomme und in den kälteren Jahreszeiten für Zusatzwärme sorge. Gleichzeitig brauche man sich bei jungen, gesunden Hunden aber keine größeren Sorgen zu machen, so die Hundefriseurin. „Die verkraften in der Regel problemlos auch mal ein paar wärmere Phasen im Winter.“
Bei älteren Hunden sei das eher ein Thema, wenn diese zusätzlich unter Krankheiten wie Atrose leiden würden. Unterstützend könne hier recht gut mit trockener Wärme und Medikamenten gearbeitet werden.

Wie gut vertragen Tiere starke Temperatur-Veränderungen?

Die Hunde hätten laut Maria Branch ein natürlicheres Gespür dafür, welche Temperatur draußen herrsche und dementsprechend würden sie sich dieser auch anpassen. Deswegen sei eine kurze Wärmephase im Winter erstmal kein Problem. Bei längeren Phasen über Wochen passe sich dann auch das Unterfell wieder an. Deswegen sollten Hunde mit viel Unterwolle in der kalten Jahreszeit häufiger zum Friseur, wohingegen die Hunde mit wenig oder gar keiner Unterwolle eher etwas seltener geschnitten werden müssten, so die Hundefriseurin.
Den SpreeFell Hundefriseursalon in der Ernst-Thälmann-Straße 55a betreibt Maria Branch seit Februar 2021. Voher hat sie in den USA und als mobile Hundefrisörin Erfahrung gesammelt.
Den SpreeFell Hundefriseursalon in der Ernst-Thälmann-Straße 55a betreibt Maria Branch seit Februar 2021. Voher hat sie in den USA und als mobile Hundefrisörin Erfahrung gesammelt.
© Foto: Axel Pansegrau
Wie viel Fell ein Hund im Allgemeinen hat und wie viel er haart, sei aber von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise von Futter, Alter, Krankheiten, der Regelmäßigkeit der Pflege und ob der Hund kastriert oder sterilisiert sei.

Kann man Veränderung am Fell feststellen?

Eine Mitarbeiterin im Hundesalon „Fellretter Tierfriseur mit Herz“ in der Frankfurter Straße in Fürstenwalde und kann bestätigen, dass die Hunde ihrer Kundschaft in den vergangenen Tagen mehr gehaart hätten. Die ehemalige Tierpflegerin und zertifizierte Hundefriseuren, die ihren Namen aber nicht nennen möchte, vermutet, dass das mit den hohen Temperaturen zusammenhängen würde. Sie erinnere sich aber daran, wie sie im vergangenen, ebenfalls milden Winter, einen fünf Jahre alten Mops in ihrem Studio gehabt hätte, der, laut den damaligen Besitzern, noch nie so viel Fell verloren hätte wie zu dieser Zeit.
Reichen ein paar wärmere Tage, um den Fellwechsel auszulösen? „Nein, so schnell geht das nicht“, erklärt Dr. Josephin Büwendt, Tierärztin von der Kleintierklinik Matzke in Fürstenwalde. Das schaffe der Körper des Hundes nicht, sich in der kurzen Zeit anzupassen. Dafür müsse es schon mehrere Wochen sehr warm bleiben. Ein regelmäßiger Fellwechsel, bei dem eben auch die Unterwolle verloren gehe, sei völlig normal.

Woran lässt sich erkennen, ob es dem Hund zu warm ist?

Laut Tierärztin Büwendt sind Hecheln und warme Pfoten ein Anzeichen dafür, dass dem Tier zu warm ist. Auch an ungewöhnlich wenig Bewegung ließe sich das erkennen. Kurznasige Hunde (die Fachfrau spricht von brachycephalen Rassen) wie der Mops oder die französische Bulldogge, würden bereits ab 15 Grad Celsius anfangen zu hecheln, normalerweise ginge das erst ab 25 Grad los.