Energiewende: Wind und Wasser retten Stahlbauer Reuther in Fürstenwalde

andeswirtschaftsminister Jörg Steinbach (rechts) und Christian Klingelstein (zweiter von rechts) feiern mit Vertretern der Eno Energy und H2 Mobility die Übergabe eines Wasserstofftanks. Solche Aufträge sind es, die die Stahlbaufirma Reuther wieder nach oben gebracht haben.
Katharina SchmidtAnfang 2021 sollen in Berlin Rummelsburg mit Wasserstoff angetriebene Fahrzeuge daraus ihren Kraftstoff tanken. Rund 200 000 Euro kostet so ein Behälter, verrät der Vertriebsmitarbeiter Mayk Heinrichsen.
Feierliche Übergabe in Fürstenwalde
Am Montag fand auf dem Gelände des Fürstenwalder Betriebs die feierliche Übergabe dieses Wasserstoffbehälters statt. Das Rostocker Windkraftunternehmen Eno Energy erhielt zudem vier 137 Meter lange Windturmsegmente als Spezialanfertigung. Bei deren Kaufpreis handele es sich um "einen guten sechsstelligen Betrag“ verrät Stefan Bockholt Geschäftsführer der Eno Energy.
Es waren Aufträge wie diese, mit denen die heute 170 Mitarbeiter starke Firma Reuther STC das Ruder letztes Jahr herumreißen konnte. Im Mai 2019 musste das Fürstenwalder Unternehmen Insolvenz anmelden. Dem Vorausgegangen war die Zahlungsunfähigkeit des Windanlagenbauers Senvion. 15 Türme waren geordert, das Material schon bezahlt, doch konnten die Rechnungen schlussendlich nicht beglichen werden. Es ging um einen sieben Millionen Euro schweren Betrag.
Im Dezember 2019 wurde das Insolvenzverfahren wieder aufgehoben – das lag unter anderem an den Aufträgen für die Windtürme und den Wasserstoffbehälter, weshalb sich das Unternehmen öffentlichkeitswirksam bedankte. Zwar erfüllen die Umsätze derzeit nicht den vorgesehen Plan für dieses Jahr, doch liege das an der Pandemie–Situation, erklärt Unternehmenssprecher Christian Klingelstein: „Einige Kunden scheuen derzeit noch die Investition und haben diese in einen späteren Zeitraum verschoben.“ Aktuell befinden sich noch zehn Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit, „das wird für die nächsten zwei bis drei Monate so bleiben“, sagt der kaufmännische Leiter Steffen König.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) war ebenfalls bei der kleinen Feier zu Gast und lobte die Mitarbeiter für ihr Durchhaltevermögen. Als Ostbrandenburger Unternehmen sei Reuther STC für die Region strukturbildend. „Ihr müsst hier bleiben und es muss weiter funktionieren“, bekräftigte der Politiker.
Zufriedene Partner
Während Eno Energy schon seit 2012 mit Reuther STC zusammenarbeitet, war es für H2 Mobility die erste Kooperation. „Wir sind bisher zufrieden“, sagt Projektmanager Marco Ludwig. Ausschlaggebend war die 20–jährige Erfahrung des Betriebs in der Fertigung von Wasserstoffbehältern. Der am Montag übergebene Tank benötigte 30 Wochen in der Herstellung, 30 Jahre soll er halten, erklärt Mayk Heinrichsen.
Aktuell kostet das Kilo Wasserstoff um die 9 Euro. Damit kommt ein Pkw je nach Modell ungefähr 600 Kilometer weit, erklärt Marco Ludwig. Ob es auch in Fürstenwalde eine Tankstelle für Wasserstoff geben werde, hänge von den lokalen Akteuren ab, sagt der Projektmanager. Sollte sich etwa ein Busunternehmen in der Region oder die Reuther STC selbst dafür entscheiden, Wasserstoff angetriebene Fahrzeuge zu verwenden, könne sich auch die Stadt an der Spree für die Einrichtung einer H2–Zapfsäule qualifizieren.
