Die Bilder flackern stetig über die kleinen Bildschirme – hier ein Video, da eine neue Nachricht. Für Kinder und Jugendliche sind Handys und Tablets längst Alltag. Ob beim Warten auf den Bus oder zu Hause auf dem Sofa, die Geräte sind ständig dabei. Für Eltern eine Herausforderung. Experten sehen darin aber auch eine Chance für das Familienleben.
Ab der vierten Klasse sind Handys flächendeckend unter den Schülern verbreitet, so die Beobachtung von Schulsozialarbeiter Christian Bosse. Er arbeitet an der Theodor-Fontane-Grundschule in Fürstenwalde. Die etwa Zehnjährigen tauschen dabei Hunderte Nachrichten pro Tag aus und nicht immer läuft das ohne Konflikte. Dann sind die Klagen der Eltern groß. Die würden aber oft erst reagieren, wenn das Kind schon in den „digitalen Brunnen“ gefallen sei.

Bis zu 380 Whatsapp-Nachrichten an einem Schultag

Als Test hat er mit Schülern einer sechsten Klasse die Nachrichten gezählt. „Jeder Schüler hatte 70 bis 380 Nachrichten auf dem Handy“, sagt er, „und das während der Schulzeit“. Was Bosse dabei überrascht: Die Nachrichtenflut stört die Kinder nicht. „Erst wenn sie in einen digitalen Konflikt kommen, dann stresst es sie“, berichtet Bosse. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Peinlichkeiten geteilt oder Gruppenmitglieder ausgegrenzt werden.
Außerhalb der Schule seien die Kinder meist auf Instagram oder Tiktok unterwegs. Hier stellt sich für den Schulsozialarbeiter die Frage, inwieweit die Kinder verstehen, wie Influencer dort Dinge anbieten, und was dies für sie selbst bedeutet. „Muss ich als Grundschüler wirklich bauchfreie Klamotten tragen?“, nennt er ein Beispiel.

„Das Handy ist ein Streitthema zu Hause“

Wie aber wirkt sich das Smartphone in der Familie aus, wenn die Kinder zu Hause sind. Ein 49-jähriger Vater oder Oder-Spree berichtet: „Das Handy ist ein Streitthema zu Hause“. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Schließlich könnte die Tochter ja mitlesen. Mit klaren Regeln zur Handynutzung tut er sich schwer. Er habe schon überlegt, der Zwölfjährigen das Handy wegzunehmen. „Aber wahrscheinlich mache ich das nicht“, sagt er. Ständig beschäftige sie sich damit und vernachlässige dabei ihre Aufgaben.
Besonders habe ihn gestört, dass seine Tochter eine Whatsapp-Gruppe eröffnet hatte, in der Freunde bewertet wurden. „Das ist eine Art Mobbing“, sagt er. Jemanden runterzumachen, dort wo alle anderen es sehen könnten. „Ich habe ihr gesagt, dass das nicht geht, einfach Leute bloßzustellen“, berichtet er.

Eltern sind auch bei digitalen Medien Vorbild für Kinder

Für Bosse ist es vor allem die Kommunikation ohne direkten Kontakt, die zu solchen Ausschweifungen führe. „Es fehlt die direkte Reaktion der Betroffenen“, sagt der Schulsozialarbeiter. Da würden Dinge gesagt, die es so von Angesicht zu Angesicht nicht geben würde. Er will erreichen, dass die Eltern begleitend mit den Kindern Medien nutzen. „Am Ende sind die Eltern verantwortlich“, sagt er.
Björn Schreiber vom Landesfachverband Medienbildung Brandenburg sieht die Erwachsenen als Vorbilder für die Kinder in der Pflicht. „Eltern müssen sich ihrer Rolle bewusst sein“, sagt er. Die Kinder würden schließlich mitbekommen, wie die Eltern Handy und Co. nutzen. „Medienbildung fängt bei den Erwachsenen an“, betont er.

Medien haben hohen Stellenwert in Familien-Gesprächen

Die Aushandlungsprozesse rund um die digitalen Medien – also die Frage, wer was, wann, wie und wo nutzen dar, hätten einen hohen Stellenwert in den Diskussionen innerhalb der Familie. Auch die Eltern müssten sich fragen, wie wichtig ihnen das Handy ist. Ob sie es zum Beispiel immer in der Hand haben, wenn sie ihr Kind von der Kita oder Schule abholen. „Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass es Kinder stört, wenn die Eltern zu viel am Handy sind“, sagt Schreiber. Oft herrsche Unverständnis zwischen den Generationen, weil Handys und Apps unterschiedlich genutzt werden.
„Digitale Medien haben den Familienalltag verändert“, ist er sich sicher. Das sei aber nicht auf Familien begrenzt, sondern betreffe das gesamte gesellschaftliche Verhalten. „Wie wir miteinander umgehen und welche Hierarchien wir auf- und abbauen, haben digitale Medien beeinflusst“, erklärt Schreiber. Der Einfluss ist aber auch positiv. Die Kommunikation innerhalb der Familie und zu den Freunden ist erleichtert. Wichtig ist dem Berater aber eines: „Medien sind immer noch kein Babysitter“. Auch seien sie immer wieder Anlass für Konflikte.
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Was ist das richtige Alter für ein Smartphone?

Die Frage, ab wann das Kind ein Smartphone erhalten soll, treibt viele Eltern um. Björn Schreiber vom Landesfachverband Medienbildung Brandenburg hat jedoch keine einfache Antwort parat. Wichtig sei, die Bedürfnisse in der Familie zu berücksichtigen.
● Eltern sollten sich die Frage stellen, ob das Smartphone eine Lösung für bestimmte Herausforderungen ist.
● Muss das Kind beispielsweise mit dem Bus fahren, kann die Kontaktmöglichkeit mit den Eltern ein Grund sein.
● Als erstes eigenes Endgerät bietet es Autonomie, Raum zur Entwicklung und zur Gestaltung.
● Lern- und Kinderapps können einen spielerischen Umgang zu Wissen und Technik bieten. Die Notizfunktion lässt sich als digitales Tagebuch nutzen.
● Wichtig ist, das Smartphone altersgerecht einzustellen: Tipps dazu finden sich unter anderem im Internet unter www.elternguide.online