Gastronomie
: Nicht die Gäste fehlen, sondern das Personal

Die Gastronomie klagt über Personalmangel. Schließungen und Ruhetage sind die Folge – auch in der Region Bad Saarow.
Von
Bernhard Schwiete
Bad Saarow
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Abendessen nur noch für Übernachtungsgäste: Ines und Sven Göbel im Eingangsbereich ihres Hotels Am Werl. Nach 24 Jahren mussten sie das gastronomische Angebot ihres Drei-Sterne-Hauses einschränken.

Bernhard Schwiete

Dienstagvormittag, die Frühstückszeit im Drei-Sterne-Hotel Am Werl ist vorbei. Sven Göbel sitzt in einem leeren Gastraum. „Die Entscheidung hat weh getan. Wir hatten eine nette Truppe“, sagt der Hotelier, der das Haus mit seinen 13 Zimmern seit 24 Jahren mit seiner Frau Ines betreibt. Das Problem an der „Truppe“ seiner Mitarbeiter: Sie war zwar nett, aber viel zu klein. „Wir hätten drei neue Leute gebraucht, sowohl für den Service als auch für die Küche.“

Göbel versuchte zunächst, den Betrieb mit reduzierter Mannschaft aufrechtzuerhalten. „Wir hatten unser Angebot schon heruntergefahren und keinen Mittagstisch mehr angeboten. Aber am Ende hat man nur noch funktioniert“, schildert er. Als sich dann auch noch eine Mitarbeiterin in Elternzeit verabschiedet habe, sei die Entscheidung gefallen. Das Hotel Am Werl hat auf einen Garni-Betrieb umgestellt. Die kleine Abendkarte richtet sich nur noch an Übernachtungsgäste. Ausnahmen bilden kleine Familienfeiern, die Göbel nach wie vor anbietet.

Andere Gastronomen in Bad Saarow müssen ähnliche Erfahrungen machen, was das Personal betrifft. Das Park-Café, zum dem das Theater am See gehört, führte im vergangenen Jahr einen Ruhetag ein. Montags ist nun geschlossen. „Trotz des Ruhetags müssen wir gut organisieren. Wenn sich nichts ändert, können wir bald auch dienstags nicht mehr öffnen“, sagt Geschäftsführer Guido Haß. Vor allem in der Küche gebe es einen Engpass. „Ich könnte bis zu fünf Leute gebrauchen“, sagt er.

Das Hotel Landhaus Alte Eichen sucht eine Restaurantfachkraft. Die Annonce stammt von Juli 2018. Getan hat sich seitdem nichts, obwohl die Stelle auf Anhieb unbefristet wäre. „Es gibt einfach kein Personal“, sagt Geschäftsführer Jörn Peters. Auch einen Koch könne er gebrauchen. Und auch er hat bereits reagieren müssen. Warme Küche gibt es im Restaurant des Hotels montags bis freitags nur noch von 12 bis 14 Uhr und von 17 bis 20 Uhr. Es sei sogar schon vorgekommen, dass er Anfragen für Hochzeiten und andere Feiern habe absagen müssen.

Auch den Großen in Bad Saarow ergeht es nicht anders. Das Hotel Esplanade sucht über die Arbeitsagentur gleich mehrere neue Leute, das A-ja-Hotel ebenso. Nach Angaben von Torsten Hesse, Bereichsleiter Oder-Spree bei der Arbeitsagentur, sind dort aus Bad Saarow und der näheren Umgebung 38 freie Stellen im Hotel- und Gastgewerbe gemeldet. Tatsächlich könnten es noch mehr sein, mutmaßt er, wenn die Unternehmen zum Beispiel über andere Jobportale suchen.

Was sind die Ursachen für die Personalnot? Guido Haß vom Park-Café spricht von den Arbeitszeiten an Wochenenden, zu denen viele heutzutage nicht mehr bereit seien. Agenturchef Hesse nennt die Arbeit in der Branche „anspruchsvoll und oft körperlich schwer“. „Durch den Personalmangel wird der Stress nicht weniger“, sagt Haß. Bei einer anderen Frage gehen die Ansichten indes auseinander. „Die Bezahlung ist meist unterdurchschnittlich, oft nur auf dem Niveau des Mindestlohnes, teilweise umfasst die Arbeit nur Teilzeit, sodass das Einkommen nicht existenzsichernd ist“, sagt Hesse.

Die Gastronomen sehen das anders. „Mit der Bezahlung hat das nichts mehr zu tun. Sie ist mittlerweile relativ gut. Die Arbeitskräfte sind einfach physisch nicht mehr da“, sagt Jörn Peters vom Hotel Alte Eichen. Neue Mitarbeiter lockt er in seiner Annonce unter anderem mit kostenlosen Getränken und kostenfreien Massagen – vergeblich. Das Hotel Esplanade verspricht zwei kostenlose Übernachtungen samt Partner pro Jahr und Urlaubsgeld. Das Park-Café zahlt neuen Arbeitskräften eine Geldprämie. Geschäftsführer Haß befürchtet, dass die Probleme in Zukunft noch zunehmen; der Bau von vier neuen großen Hotels ist in Bad Saarow geplant, entsprechend viele weitere Arbeitskräfte werden in der Branche benötigt.

Und was ist aus den drei Mitarbeitern  geworden, denen Sven Göbel vom Hotel Am Werl durch seine Umstellung auf Garni-Betrieb kündigen musste? „Sie haben alle sofort etwas neues gefunden“, berichtet der Hotelchef.