Sehen konnte er seine Gäste nicht mehr, denn Hans Masuhr ist fast blind. Nach einem Unfall vor 20 Jahren hat er systematisch sein Augenlicht verloren. Aber sein Gehör, seine Sprache und sein Gedächtnis funktionieren noch wunderbar. Alle seine Gratulanten erkannte er und machte mit jedem ein Schwätzchen. Besonders gefreut hat er sich über Johann Wolfgang Kirsch, Förster a.D. aus Berkenbrück. Von dem "alten Bläser" wünschte er sich ein Ständchen auf dem Waldhorn. Und als der 88-Jährige die "Märkische Heide" spielte, sang der Jubilar unter Tränen mit. Musikalische Geburtstagsgrüße überbrachte auch sein langjähriger Arzt Dr. Rainer Wenkel auf dem Akkordeon. Er bescheinigte ihm für sein hohes Alter ein robuste Gesundheit. Jeden Tag macht Hans Masuhr noch einen Spaziergang mit Stock durch den Garten und ist an allem interessiert. Zum täglichen Ritual gehört neben der morgendlichen Haferschleimsuppe auch das Bierchen. Vor 20 Jahren hat er sogar noch geraucht. Und er ist leidenschaftlich gern Auto gefahren. Umsorgt werden er und seine 91-jährige Frau Gertraud in ihrem Haus in Hangelsberg von ihrem Sohn Hans-Eckard (65) und dem Pflegedienst. Wenn Hans Masuhr aus seinem Leben erzählt, dann wirkt er wie ein lebendiges Geschichtsbuch.
Der in Ostpreußen Geborene war begeisterter und erfolgreicher Springreiter. Nicht vergessen hat er, dass ihm als Gewinner eines Reitturnier im Jahre 1932 der damalige Reichspräsident Hindenburg die Hand geschüttelt habe. Auch an eine Begegnung mit der Boxsportlegende Max Schmeling kann sich der ehemalige Fallschirmjäger im Zweiten Weltkrieg erinnern: "Wir sind gemeinsam auf Kreta abgesprungen, als die Deutschen die Insel besetzten." Nach dem Krieg und der Flucht aus der Gefangenschaft bekam Hans Masuhr, der zuvor eine Landwirtschaftsschule besucht hatte, 1946 eine forstwirtschaftliche Anstellung in Potsdam.
Nach der Heirat mit seiner Frau Gertraud aus Günthersdorf arbeitete er ab 1954 in der Revierförsterei Planheide bei Weichensdorf.  Zehn Jahre später zog Hans Masuhr nach Hangelsberg, wo er Leiter der Revierförsterei wurde – 1988 ging er in den Ruhestand. Immer war Hans Masuhr auch ein leidenschaftlicher Jäger, davon zeugen zahlreiche Trophäen, die die Wände seines Hauses zieren. "Ein 18-Ender Hirsch, das war mein bester Schuss." Auch an die Geschichte mit der erschossenen Kuh erinnert er sich, "die ihm einfach vor die Kugel gelaufen" sei und lange Dorfgespräch in Weichensdorf und Umgebung war. Noch nach dem Eintritt ins Rentenalter war Hans Masuhr umtriebig und geschäftstüchtig. Die von ihm zubereitete und kredenzte gebackene "Hangelsberger Sau" war bei vielen Feiern sehr begehrt. Sein letztes Wildschwein durften 2007 die Hangelsberger Forstlehrlinge genießen. Der Oberförster a.D. sagt, er sei mit seinem Leben zufrieden. Er war bekannt wie ein bunter Hund, überall  hatte er Freunde und Beziehungen, ein Kostverächter war Hans Masuhr in keinerlei Hinsicht.