Geschichte in Fürstenwalde
: Berliner beschwert sich 1926 über diese schmutzigen Straßen

1926 beschwerte sich ein Berliner über schmutzige Straßen in Fürstenwalde. Welche das waren, beschreibt sein Leserbrief in der Lokalzeitung.
Von
Henriette Brendler
Fürstenwalde
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Die Eisenbahnstraße um 1910 in Blickrichtung Süden: Damals waren Pferdefuhrwerke noch an der Tagesordnung, genau wie Pferdeäpfel auf der Fahrbahn. Links ist das noch heute existierende Gebäude Eisenbahnstraße 33 zu sehen.

Die Eisenbahnstraße um 1910 in Blickrichtung Süden: Damals waren Pferdefuhrwerke noch an der Tagesordnung, genau wie Pferdeäpfel auf der Fahrbahn. Links ist das noch heute existierende Gebäude Eisenbahnstraße 33 zu sehen.

Museum Fürstenwalde
  • 1926 beschwerte sich „Ein Berliner“ über schmutzige Straßen in Fürstenwalde.
  • Kritik betraf Eisenbahnstraße sowie Trebuser und Seelower Straße.
  • Er forderte: Arbeitslose zur Straßenreinigung heranziehen, statt Geldknappheit.
  • Antwort vom 23. Februar 1926: „Ein Fürstenwalder“ verteidigte die Stadt.
  • Er verwies auf auswärtige Gespanne, Regen und „viel übler“e Zustände in Berlin.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Früher war die Fürstenwalder Eisenbahnstraße die angesagte Shopping- und Ausgehmeile der Stadt. Wer heute vom Bahnhof aus durch die Straße geht, dem wehen oft Verpackungsreste aus aufgerissenen Müllsäcken entgegen. Vor 100 Jahren gab es allerdings auch schon Kritik an der Sauberkeit. Aufgefallen war dies einem Berliner, der seinen Unmut am 20. Februar 1926 in einem Leserbrief äußerte.

Der unbekannte Leserbriefschreiber, der seine Post mit „Ein Berliner“ unterschrieb, monierte die Straßenreinigung Fürstenwaldes in der Eisenbahnstraße sowie der Trebuser und Seelower Straße. Laut seiner Beobachtung stellten die Straßen „während des nassen Wetters einen wahren Morastplatz“ dar. „Wer den Weg hinter sich hat, ist durch Wagen oder Autos von oben bis unten bespritzt. Das Ganze erinnert an die masurischen Sümpfe.“

Ein Berliner kritisiert die Sauberkeit in Fürstenwalde

Der Berliner forderte die Stadtverwaltung in seinem Brief auf, hier schnell Abhilfe zu schaffen. Sein Vorschlag: „Es gibt doch in Fürstenwalde so viele Arbeitslose, die zur Straßenreinigung herangezogen werden könnten. Man sollte den Steuerzahlern etwas mehr Entgegenkommen zeigen und nicht nur immer Geldknappheit als Entschuldigung vorschieben.“ Er schließt mit dem Satz: „Oder denkt die Stadt, dass der Fremdenverkehr durch dermaßen großen Schmutz (…) zu heben ist?“

Die Redaktion druckte den Leserbrief unkommentiert ab. Wenige Tage später, am 23. Februar 1926, veröffentlichte die Zeitung jedoch eine Gegenantwort, deren Absender „Ein Fürstenwalder“ war. Darin heißt es: „Dieser Herr scheint über die Straßenreinigung und die örtlichen Verhältnisse nur wenig informiert zu sein. Wohl ist es richtig, dass die Eisenbahnstraße nicht einwandfrei sauber ist, doch darf man da einige Punkte nicht übersehen.“ Ein Problem seien die vielen auswärtigen Gespanne, die von den Landstraßen den Schmutz in die Stadt bringen. Der anhaltende Regen sei ebenfalls problematisch.

Ein Fürstenwalder kontert – in Berlin sieht es übler aus

Der Fürstenwalder forderte den Berliner auf, lieber die eigene Straßenreinigung ins Visier zu nehmen. In Berlin sehe es oft „viel übler“ aus. „Nicht nur gewöhnlicher Straßenschmutz liegt dort, sogar alte verunreinigte Matratzen haben schon drei Tage hintereinander mitten auf einer Straße Berlins gelegen“, schreibt er weiter. Über weitere Übelstände schweige er sich lieber aus.

In dem Brief behauptete der einheimische Schreiber, er habe genug andere Städte gesehen, um sich ein Urteil erlauben zu können. „Ich muss aber offen zum Ausdruck bringen, dass gerade in dieser Beziehung Fürstenwalde eine verhältnismäßig saubere Stadt ist. Es wäre zweckmäßiger, wenn der Berliner die Straßen Berlins betrachtete“, heißt es am Schluss des Briefes.