Geschichte in Fürstenwalde
: Warum Kinder zu Ostern mit Birkenzweigen aufs Bett schlugen

Historische Zeitungen: Wie Ostern vor 100 Jahren zwischen Oder und Spree gefeiert wurde, zeigt ein Blick in die Fürstenwalder Zeitungsausgaben jener Zeit.
Von
Henriette Brendler
Fürstenwalde
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Karfreitagskonzert im Fürstenwalder Dom: Auch vor 100 Jahren wurde es schon in der Kirche veranstaltet. Das Foto zeigt eine Innenansicht des Domes mit Orgel zwischen 1910 und 1945.

Karfreitagskonzert im Fürstenwalder Dom: Auch vor 100 Jahren wurde es schon in der Kirche veranstaltet. Das Foto zeigt eine Innenansicht des Domes mit Orgel zwischen 1910 und 1945.

Museum Fürstenwalde
  • Blick in Fürstenwalder Zeitungen zeigt Osterbräuche zwischen Oder und Spree vor 100 Jahren.
  • 1926 lag der Fokus auf Deko mit heimischen Frühlingsblumen wie Krokussen.
  • Die Zeitung empfahl Eierspeisen und selbstgemachte Zuckerwaren für die Ostertafel.
  • Im Dom gab es am Karfreitag eine „Geistliche Abendmusik“, Eintritt kostete 50 Pfennig.
  • In Ketschendorf weckten Kinder am Ostermorgen Schläfer mit Birkenruten und Spruch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Jahr 1926 fiel Ostersonntag auf den 4. April. Am Gründonnerstag erschien deshalb in der Rubrik „Aus der Welt der Frau“ eine Sonderseite zum Thema Ostern in der Lokalzeitung mit Dekotipps und Rezepten für österliches Zuckerwerk.

„Selbstverständlich darf die Ostertafel (…) nur mit Frühlingsblumen geschmückt werden, das heißt, mit einheimischen Blüten und nicht mit fremden Blüten aus fernen Landen“, schreibt die Zeitung. Hübsch sehe beispielsweise eine Dekoration mit Krokussen aus. Man solle aber nicht vergessen, Staniolpapier unter die Blumen zu legen, damit „das Tischtuch nicht fleckig wird“. Die Krokusse samt ihrer Zwiebel könnten mit Moos umhüllt werden. „Die Krokusse stehen dann stolz da, als wüchsen sie wirklich aus dem Tisch hervor“, heißt es weiter in dem Artikel.

Ostern ohne Eierspeisen und Süßigkeiten – damals wie heute undenkbar. Als Rezeptideen schlug die Lokalzeitung in Schmalz gebackene Eier im Teigmantel, „Überraschungseier, mit Fruchtgelee oder mit einer pikanten Füllung aus einer gekochten Fleischmasse gefüllt“, oder Eier mit Spargelspitzen vor.

Zuckerwaren zum Verstecken gab es zwar zu kaufen, aber für die Hausfrau waren Schokoladendrops mit Kandisfüllung, Nussstangen und Butterkonfekt mit den in der Zeitung abgedruckten Rezepten auch leicht selbst herzustellen. Der Anzeigenteil der Fürstenwalder Zeitung verrät obendrein, welcher Osterbraten in der Region vorrangig auf den Tisch kam: einer aus Kalbs- oder Schweinefleisch.

Oster-Annonce aus der Fürstenwalder Zeitung: Vor den Feiertagen überschlugen sich die örtlichen Händler im Anzeigenteil, um ihre Waren anzupreisen. Kalbs- und Schweinefleisch waren als Festtagsbraten beliebt, wie diese Anzeige vom 2. April 1926 zeigt.

Oster-Annonce aus der Fürstenwalder Zeitung: Vor den Feiertagen überschlugen sich die örtlichen Händler im Anzeigenteil, um ihre Waren anzupreisen. Kalbs- und Schweinefleisch waren als Festtagsbraten beliebt, wie diese Anzeige vom 2. April 1926 zeigt.

Henriette Brendler

Bevor jedoch das Osterfest groß gefeiert wurde, gab es am Karfreitag im Dom die traditionelle „Geistliche Abendmusik“. Bei dem Karfreitagskonzert sangen Chöre alte Kirchenlieder zur Erinnerung an die Leiden Jesu. Eine Eintrittskarte kostete 50 Pfennig.

Osterbrauch vor 100 Jahren – Birkenruten am Ostermorgen

In Ketschendorf, dem heutigen Fürstenwalde Süd, wurde vor 100 Jahren übrigens noch ein ganz besonderer Osterbrauch gepflegt. Das Lokalblatt schreibt darüber am 4. April: „Eifrig in aller Herrgottsfrühe sind die Kinder am Ostermorgen auf den Beinen, und wo sie nur einen Schläfer in den Federn finden, (…) da lassen sie ihre frischen Birkenruten mit fröhlichem Singen auf die Betten niederklatschen.“ Dazu werde folgendes Gedicht aufgesagt: „Stiep, stiep Oster! Gibst du mir kein Osterei, stiep ich dir dein Hemd entzwei!“ Dem Artikel zufolge gingen die Kinder dann wieder ins Bett, wenn sie ihr Osterei erhalten hatten.

In Erwartung der vielen Ausflügler aus der Hauptstadt und dem Umland wurden an den Feiertagen auch Sonderzüge nach Bad Saarow an den Scharmützelsee eingesetzt. Sie waren auf die Fahrpläne der Züge aus Berlin und Frankfurt (Oder) abgestimmt. Die Wettervorhersage für das Osterfest war jedenfalls verheißungsvoll: „Feiertagswetter, wie es prachtvoller nicht zu wünschen sei“, verkündete die Zeitung.