Gewerbeansiedlung: Diese Wirtschaftsträume platzten in Oder-Spree

Das Güterverkehrszentrum (GVZ) in Freienbrink: Ganz in der Nähe soll die Tesla-Gigafactory entstehen.
Patrick Pleul/dpaSeit Mitte der 1990er-Jahre entwickelt sich das Güter-Verkehrs-Zentrum Freienbrink (GVZ). Hier steht eine Ansiedlungsfläche von 98,5 Hektar zur Verfügung. Aktuell sind laut Armin Jordan, Bereichsleiter Entwicklungsprojekte bei der Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft, die für das Land Brandenburg, den Eigentümer, die Flächen veräußert, 77,5 Hektar verkauft. Die Vergabe der restlichen Areale werde derzeit nicht forciert. Es werde erst darauf gewartet, was aus dem Tesla-Projekt wird. „Es haben sich nach der Ankündigung sofort Glücksritter gemeldet, die einfach nur Flächen kaufen wollten, um zu zocken“, sagt Jordan. Dabei gebe es seit jeher die Prämisse, Flächen nur geknüpft an eine Bauverpflichtung zu verkaufen, um Spekulanten fernzuhalten.
Als missglücktes Projekt verweist er zu allererst auf Möbel-Walther, die Mitte der 1990er-Jahre ein Grundstück für ein Verteillager gekauft hatten. Zwar wurde die Halle ein paar Jahre genutzt, stand mit dem Rückzug von Walther aus Freienbrink (2002) aber lange leer. „Es gab ein paar Zwischenlösungen, jedoch nichts von langer Dauer.“ Mitte der 2000er-Jahre signalisierte Edeka Interesse. Das Dienstleistungszentrum war, seit 1996 in Freienbrink ansässig, aus allen Nähten geplatzt.
Nachdem 2003 der Frischebereich um- und ausgebaut und die Kühlkapazitäten erweiterert worden waren – allein dafür wurden 13 Millionen Euro investiert –, benötigte die zentrale Auslieferungsstelle für Berlin und Brandenburg ein neues Getränkelager. „So wurde der Möbel-Walther-Rückzug geheilt, hat die Halle neue Verwendung gefunden“, sagt Jordan. Edeka zähle zweifelsohne zu den positiven Beispielen. Ebenso wie das Lidl-Logistikzentrum (seit 2010 ansässig), der Logistikdienstleister GLX (2017) sowie der Getränkefachgroßhändler und Logistikdienstleister Getränke Essmann (2019).
Im Zusammenhang mit Freienbrink waren schon einmal zwei große Namen im Gespräch. 2001 hatte sich BMW für die 300 Hektar große Industriefläche interessiert, die sich nördlich vom GVZ befindet und jetzt von Tesla in Erwägung gezogen wird. Grünheide hatte für das Areal einen Bebauungsplan erarbeitet, der genehmigt wurde und seither rechtskräftig ist. Der Autohersteller verwarf jedoch das Vorhaben an diesem Standort, ließ sich stattdessen bei Leipzig nieder.
Ganz dicht dran war Freienbrink auch schon bei einer Ansiedlung der Weber Motoren GmbH. 30 Millionen Euro sollten hier investiert werden. Georg von Falck, Mitglied der Geschäftsführung, hatte Ende 2009 im Gespräch mit der MOZ gesagt, dass die Ansiedlung zu 90 Prozent in trocknen Tüchern sei. Anfang 2010 obsiegten die zehn Prozent, entschied sich Weber Motoren für Bernau als Standort.
Wissensspeicher in Werkhalle
Als Flop mit gutem Ausgang kann die kurze Geschichte des Solarmodulherstellers Odersun in Fürstenwalde bezeichnet werden. Nur gut drei Jahren wurde in der großen modernen Halle an der Lise-Meitner-Straße in der Spreestadt gearbeitet. Mitte 2012 gingen dort die Lichter aus. Der Landkreis Oder-Spree kaufte die Industriehallen aus der Insolvenzmasse. Zuerst wurden sie als Flüchtlingsunterkunft genutzt. 2016 begann der Umbau, 2017 zog das Archiv-, Lese- und Medienzentrum ein und 2018 das Katastrophenschutzzentrum.